Wirte auf den Fildern: das Harambe Afrika in Sonnenberg Schwäbisch-afrikanisches Allerlei

Von Caroline Holowiecki 

In einer Serie stellen wir die Wirte auf den Fildern vor. In diesem Teil geht es um Bereket Gebresilassie. Der 45-Jährige, der von allen nur „Berry“ genannt wird, ist seit Kurzem Inhaber des Harambe Afrika in Stuttgart-Sonnenberg. Das Hotel-Restaurant hat eine lange Geschichte.

Bereket „Berry“ Gebresilassie ist seit kurzem Inhaber des Harambe. Zuvor hat der  gebürtige Äthiopier als Angestellter in dem Restaurant gearbeitet. Foto: Caroline Holowiecki
Bereket „Berry“ Gebresilassie ist seit kurzem Inhaber des Harambe. Zuvor hat der gebürtige Äthiopier als Angestellter in dem Restaurant gearbeitet. Foto: Caroline Holowiecki

Sonneberg - Vorne ein Turm mit Giraffenmuster, hinten eine Zebrawand, drinnen Palmen und Bambus. Das Haus an der Rembrandtstraße 190 ist so etwas wie die Sonnenberger Villa Kunterbunt. Ein exotisches Fleckchen im Schwabenviertel – längst aber sind Harambe Afrika und die Nachbarn miteinander verbunden. Im 19. Jahr gibt es das Hotel-Restaurant, davor hatte das Lokal neun Jahre an der Weinsteige in Degerloch firmiert.

„Am Anfang haben die Leute etwas komisch reagiert“, erinnert sich der Inhaber Bereket „Berry“ Gebresilassie an den Umzug nach Sonnenberg und grinst breit. Zigni Begi mit Hamli im Land der Maultaschen. „Und jetzt sind alle hier. Viele Nachbarn, Gäste aus Degerloch, Vaihingen, Möhringen“, sagt der 45-Jährige, und für all jene, denen Linsen-, Lamm- oder Okragerichte etwas zu exotisch sind, gibt es italienische Pasta, Schnitzel oder amerikanische Chicken-Nuggets. Das internationale Allerlei kann man im Sommer im großen Biergarten verspeisen – dazu gibt’s bayerisches Bier unter afrikanischen Bastschirmen.

„Harambe“ heißt „gemeinsam“

Multikulti, das ankommt. Nicht mal ein Prozent der Kunden seien Afrikaner, sagt Berry Gebresilassie. Er geht zur Theke und holt zwischen traditionellen Mokka-Kannen aus Keramik und Holzfiguren ein Sträußchen hervor, gebunden aus kleinen Tüten, in denen sich unterschiedliche Nudelsorten befinden. Den hat ein Unbekannter nach dem Abschluss von Renovierungsmaßnahmen zusammen mit frischen Blumen auf die Stufen gelegt. Der Wirt weiß auch nach zehn Jahren nicht, von wem die Glückwünsche seinerzeit waren. Viel wichtiger sei aber das Gefühl, das das Geschenk hinterlassen habe. „Es ist schön, wir haben gewonnen.“

„Harambe“ heißt auf Swahili „gemeinsam“, und dieses Gefühl will Berry Gebresilassie auch vermitteln. In seinem Team arbeiten Eritreer, aber auch Menschen aus Sri Lanka, aus Syrien, der Türkei und Deutschland. Im Hotel mit seinen 18 Zimmern im Afrika-Look steigen ebenfalls nicht selten Ausländer ab, die meisten sind Geschäftsleute.

Berry Gebresilassie weiß, wie es ist, als Ausländer in ein fremdes Land zu kommen. Mit gerade mal 18 floh er aus Eritrea, der Heimat seiner Eltern, nach Deutschland, wo seinerzeit bereits sein Bruder lebte. Geboren und aufgewachsen ist Berry Gebresilassie in Äthiopien, und mit der Volljährigkeit hätte er ins Militär eingezogen werden und in den Krieg zwischen Äthiopien und der damaligen Kolonie Eritrea ziehen müssen. „Ich kämpfe nicht, ich akzeptiere keinen Krieg“, sagt er heute.

Der Wirt isst am liebsten schwäbische Gerichte

In Deutschland hat er Frieden gefunden, und nicht nur das. Sein früherer Chef, dessen Inhaberposten er ganz frisch in diesem Jahr übernommen hat, sei „wie eine neue Familie“ gewesen, in die Gastronomie und Hotellerie hat er sich ebenso durch Leistung eingefunden wie in den Beruf des Maschinenbauers, in dem er einige Jahre gearbeitet hat. Auch die deutsche Sprache hat er sich selbst beigebracht.

Berry Gebresilassie hat eine eigene Familie gegründet, ist mit einer Eritreerin verheiratet, lebt in Möhringen und hat vier Kinder. „Gott sei Dank, dass ich in Deutschland wohne. Viele meiner Freunde leben nicht mehr“, sagt der ehemalige Flüchtling. Er arbeite viel an der Rezeption und der Bar, aber er arbeite gern.

Unter der Woche geht’s im Raucherraum von Harambe Afrika bis 1 Uhr, am Wochenende bis 2 Uhr. „Ich habe Glück gehabt“, sagt er abermals. Stuttgart sei seine Heimat. Auch kulinarisch. Berry Gebresilassie muss wieder breit grinsen. „Ich esse am liebsten schwäbische Gerichte. Spätzle, Maultaschen, Rostbraten.“

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