Wirte auf den Fildern: Gasthaus zum Hirsch Ein Weltenbummler für Degerloch

Obwohl Ralf Kuhn als Wirt zusätzlich viel Papierkram erledigen muss, steht er nach wie vor täglich in der Küche. Foto: z/privat
Obwohl Ralf Kuhn als Wirt zusätzlich viel Papierkram erledigen muss, steht er nach wie vor täglich in der Küche. Foto: z/privat

Er kennt die glitzernde Welt der Sternerestaurants und Edelhotels: Bevor Ralf Kuhn im Jahr 2011 das Gasthaus zum Hirsch übernahm, war er in der ganzen Welt als Koch unterwegs. In Degerloch ist er sesshaft geworden – und hat hier auch das private Glück gefunden.

Stuttgart und Region: Julia Bosch (jub)
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Degerloch - Wenn Ralf Kuhn zu erzählen beginnt, kommt man kaum hinterher. Angefangen als 17-jähriger Kochlehrling im Hotel Laurentius in Weikersheim (Main-Tauber-Kreis), scheint es so, als habe er mit 51 Jahren beinahe die ganze Welt gesehen. Bevor Kuhn vor sieben Jahren das Gasthaus zum Hirsch in Degerloch übernommen hat, arbeitete der Meisterkoch in hochkarätigen Hotels sowie Sterne- und Gourmetrestaurants unter anderem im Tessin, im Schwarzwald, in München, Shanghai, Hongkong und Peking.

„Irgendwann befürchtete ich, dass ich in meinem eigenen Land fremd werde, wenn ich noch länger wegbleibe“, sagt Kuhn, der ursprünglich aus dem Hohenlohischen stammt, rund 100 Kilometer entfernt von Stuttgart. Mit Anfang 40 kehrte er zurück nach Deutschland und arbeitete zunächst im Restaurant Fontana des Pullman-Hotels in Stuttgart-Vaihingen. 2011 übernahm er das Gasthaus zum Hirsch in Degerloch.

Wenn es ihm langweilig wird, experimentiert er

„Der Wechsel in die Selbstständigkeit war schon immer ein Traum von mir“, sagt Ralf Kuhn. Er habe nun vielseitigere Aufgaben und Freiheiten, die er als Koch und Küchenchef nicht hatte. „Zum Jahresbeginn haben wir uns beispielsweise vorgenommen, auch etwas jüngeres Publikum anzuziehen, und ich habe einfach Burger, Shakes und Craftbeer auf die Karte genommen“, berichtet Kuhn. Immer wenn es ihm langweilig werde, beginne er eine neue Aktion – wie eine indische Currywoche, eine Fischwoche oder eine Löffel-Woche, in der es vom Salat bis zum Dessert alles nur zum Löffeln gab. Das Dasein als Wirt bedeute aber auch mehr Organisation: „Ich kümmere mich um den gesamten Betrieb und Ablauf, das Personal, die Vorschriften und den Papieraufwand, der seit Jahren wächst.“ Trotzdem steht er aber nach wie vor täglich in der Küche; das ist seine Leidenschaft.

Angesprochen auf seine Arbeitszeiten, meint der 51-Jährige, dass es für ihn leichter geworden sei, private Beziehungen zu führen, seit er in Stuttgart als Gastronom sesshaft geworden ist. „Während ich noch als Koch um die ganze Welt jettete und teilweise 80-Stunden-Wochen hatte, war dies nur schwer möglich.“ Seit einigen Jahren ist Ralf Kuhn mit einer Stuttgarterin verheiratet – und obwohl diese nicht in der Gastronomie arbeitet, findet er Zeit für sie. Auch in Degerloch fühlt er sich wohl: „Das ist ein wunderbarer Stadtbezirk: ruhig und zugleich mittendrin – und man bekommt immerzu frische Luft von den Fildern.“

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