Wirte auf den Fildern – La Bruschetta Mal Pizzabäcker, mal Spüljunge

Von Eileen Breuer 

Antonio di Primio serviert in seinem Restaurant La Bruschetta auf dem Uni-Campus in Stuttgart-Vaihingen nur die Gerichte, die ihm auch selbst schmecken. Oft stellt er sich selbst an den Herd. Doch das Kochen ist nicht seine einzige Aufgabe.

Buchhaltung macht Antonio di Primio keinen Spaß, er bäckt lieber Pizza. Foto: Eileen Breuer
Buchhaltung macht Antonio di Primio keinen Spaß, er bäckt lieber Pizza. Foto: Eileen Breuer

Vaihingen - Um 15 Uhr ist das italienische Restaurant auf dem Vaihinger Universitätscampus wie leer gefegt. Ein Teller mit ein paar Pizzakrümeln steht verlassen auf einem der Tische im La Bruschetta. Doch schon von draußen hört man Stimmengewirr. In einer Ecke sitzen die Angestellten zusammen, die weißen Schürzen mit Tomatensoßeflecken haben sie noch umgebunden. Wenn alle Gäste sich auf den Weg zur Universität oder nach Hause gemacht haben, essen die Angestellten von Antonio di Primio gemeinsam.

Das gute Verhältnis zu den Angestellten ist dem Wirt wichtig. Beim gemeinsamen Essen lacht er mit ihnen, nimmt sich Zeit zu quatschen. Dasselbe gilt für seine Gäste: „Mir macht es Spaß, wenn die Gäste zufrieden sind. Mir ist es wichtig, dass sie gerne kommen und sich wohlfühlen“, sagt er und fuchtelt dabei, wie man es von Italienern kennt, mit seinen Händen durch die Luft.

Für einen Bürojob ist der Gerlinger zu ungeduldig

Seit September 2012 betreibt der Gerlinger das Lokal am Rande Vaihingens. Sein ganzes Leben lang ist er schon in der Gastronomie tätig. Im Alter von 15 Jahren fing der gebürtige Italiener an, in der Küche zu arbeiten. Obwohl er schon Erfahrungen am Herd sammeln konnte, ging er für zwei Jahre nach Rom. Dort machte er eine Ausbildung zum Koch. Di Primio ist froh darüber, dass sein Berufsweg nicht ins Büro führte: „Ich bin ungeduldig, muss etwas in der Hand haben, etwas anrichten. Für mich ist es manchmal sogar schwierig, eine E-Mail zu schreiben.“

Diese Ungeduld merkt man dem Wirt an. Auf dem Stuhl rutscht er hin und her, seine Hände schwirren ständig durch die Luft, als würden sie Pizzateig kneten. In seinem Restaurant gibt er sich deshalb nicht damit zufrieden, die Bücher zu führen. Stattdessen stellt er sich auch gerne selbst an den Herd: „Einen Tag bin ich Koch, einen Tag Pizzabäcker, einen Tag übernehme ich den Spüldienst - wie Jolly Joker, der spielt auch überall.“

Der gebürtige Italiener vermisst Sand, Strand und Sonne nicht

Wenn er seine Familie in Italien besucht, hilft er auch in der Küche mit. Oft kommen dort seine vier Brüder mit der Familie zum Essen. Eine Spülmaschine hat seine Mutter daheim in Italien aber nicht. „Wenn ich bei meiner Mutter in Italien bin, spüle ich. Mama kann das doch nicht alleine machen“, sagt di Primio. Die Sonne und den Strand vermisst er nicht. Seine Eltern wohnen in den Bergen, Sand kann er nicht leiden: „Einen Tag Strand halte ich aus, mehr nicht.“ Während er das sagt, schüttelt er sich symbolisch die imaginären Sandkörner aus den Klamotten.

Nach Deutschland verschlug es Antonio di Primio in jungen Jahren. Damals hatte er vor, drei Monate zu bleiben: „Und dann sind plötzlich Jahre vergangen!“ Er verliebte sich nicht nur in das Land, sondern auch in eine Frau. „Wir haben uns aber getrennt, weil ich immer im Restaurant war“, sagt er. Der Wirt arbeitet oft sieben Tage die Woche. Seine Arbeitszeiten beschränken sich nicht auf die Öffnungszeiten des Restaurants. Wenn es geschlossen ist, geht er einkaufen oder erledigt andere Aufgaben. Das macht ihm aber nicht so viel aus: „Ich will hier sein und arbeiten. Denn was gibt es Wichtigeres als Essen?!“ Wenn er das fragt, klingt es nach einer rhetorischen Frage. Eine Antwort darauf braucht es nicht.

Im La Bruschetta werden keine Pommes serviert

Das Essen aus seiner Heimat Italien muss er nicht missen, denn meistens isst er in seinem Restaurant. Wenn er mit Freunden ausgeht, gibt es aber auch Mal Zwiebelrostbraten mit Spätzle. Das gerollte „R“ lässt selbst dieses schwäbische Essen italienisch klingen.

Am liebsten isst Antonio di Primio aber Fisch mit gegrilltem Gemüse. Das steht auch auf seiner Speisekarte. Denn im Restaurant gibt es nur das, was ihm gut schmeckt: „Ich mag keine Leber, also gibt es hier auch keine Leber“. Manchmal fragen die Kunden aber danach. Dem Wunsch kommt er dann auch nach. Nur eines, das wird bei ihm nie serviert werden: Pommes. „Wir haben gar keine Fritteuse. Und wir versuchen, gesund zu kochen“, sagt er.

Heute gibt es für die Angestellten Nudeln mit Fleischtomatensoße. Sobald alle fertig gegessen haben, wird auch schon der Abend vorbereitet. Wie an jedem anderen Tag holen dann Studierende ihre Pizzen im Karton ab, Professoren und die Nachbarn aus den umliegenden Gebieten werden sich auf den Stühlen niederlassen und einen Wein zur Pizza oder Pasta trinken.




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