Das kleine Kirchheimer Unternehmen Lehner liefert vor allem Automatisierung für die Druckindustrie. Zu sehen ist eine Maschine zur automatisierten Montage von Druckplatten. Foto: Lehner Sensor-Systeme
Viele Unternehmen im Kreis Esslingen machen zurzeit schlechtere Geschäfte – aber nicht alle. Beim Kirchheimer Sensorspezialisten Lehner läuft es offenbar gut. Dessen Chef sieht die Automatisierung als mögliches künftiges Zugpferd für die deutsche Wirtschaft, sollte die Autoindustrie diese Rolle verlieren.
Lehner Sensor-Systeme gehört zu den 13 Prozent der Industrieunternehmen im Kreis Esslingen, die in der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) ihre Geschäftslage als gut beschreiben. Und zu den elf Prozent, die davon ausgehen, dass es in den nächsten Monaten weiter nach oben geht.
Woran das liegt? „Daran, dass unsere Produkte akute Probleme lösen, die viele Hersteller haben“, sagt Lars Lehner. Sein Unternehmen entwickelt kundenspezifische Sensorsysteme und komplette Automatisierungen vor allem für die Druckindustrie. Diese steht Lehner zufolge vor der großen Herausforderung, dass es weltweit immer weniger ausgebildete Drucker gibt.
Lars Lehner Foto: Lehner Sensor-Systeme
Der Betrieb in Kirchheim war 1990 von Rolf-Peter Lehner gegründet worden. Zunächst mit einer Spezialisierung nur auf die grafische Industrie. Mit dem Einstieg von Sohn Lars Lehner wurden die Geschäftsfelder ausgedehnt, unter anderem auf Bio- und Medizintechnologie. Zudem seien Lehner-Sensoren früher vor allem in Anlagen anderer Hersteller verbaut worden, während das Unternehmen heute viel mehr komplette Automatisierungen verkaufe, sagt der 54-Jährige. Als Verkaufsschlager erwies sich ihm zufolge die Maschine Flexomatrix, die die Druckplattenmontage automatisiert und sich mittlerweile als Technologieplattform weiterentwickelt habe, beispielsweise für die Kombination mit Robotern.
Lehner: Umsätze und Mitarbeiterzahlen steigen
Im Vergleich zu anderen Sensor-Spezialisten im Kreis Esslingen wie Balluff oder Leuze bezeichnet Lehner seinen Betrieb als „kleines Lichtlein am Rande der Schwäbischen Alb“. „Unser Vorteil ist, dass wir smarte Lösungen haben, die schon als revolutionär bezeichnet werden können.“ Oft sei Lehner mit seinen Entwicklungen drei bis fünf Jahre vor dem Markt – das sei manchmal schwierig, weil zunächst die Kundenskepsis überwunden werden müsse. Wer Sensoren in großen Stückzahlen wolle, sei bei den größeren Mitbewerbern richtig. Wer rasch individuelle Lösungen für innovative Produkte brauche, bei Lehner. „Wir sind das Schnellboot in der Entwicklung“, sagt der Firmenchef selbstbewusst.
Derzeit hat Lehner 18 Mitarbeitende. Die Entwicklung finde komplett im Haus statt, von der Elektronikhardware bis zur Software. Mechanische Werkteile und Elektronik kommen größtenteils von Zulieferern aus der Region, bei Lehner finde die Endmontage und die Prüfung statt.
Der Firmensitz von Lehner Sensor-Systeme in Kirchheim Foto: Lehner Sensor- Systeme
Zwei Stellen seien derzeit offen. „Aber wir werden eher noch mehr“, meint der Geschäftsführer. Der Betrieb habe einen Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Euro, er sei in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um zehn Prozent gewachsen. „Ich denke, das wird sich so fortsetzen“, sagt Lars Lehner.
Andere Betriebe wollen weniger investieren und Stellen abbauen
In anderen Industriebetrieben im Landkreis ist die Stimmung dagegen pessimistisch. Der IHK-Umfrage zufolge beurteilt die Hälfte ihre Lage derzeit als schlecht. Und 90 Prozent erwarteten gleichbleibende Geschäfte oder eine Verschlechterung. 60 Prozent wollen im Inland weniger investieren. Und mehr als die Hälfte geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten sinkt. Die Befragten benennen als größte Risiken für ihr Geschäft die Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten und die Wirtschaftspolitik.
Mehr Sorgen als steigende Arbeitskosten macht Lehner die Debatte um die Migration. „Als Firma habe ich ein größeres Problem, wenn ausländische Mitarbeiter vergrault werden, als wenn der Mindestlohn um 1,50 Euro hochgeht.“ Auch Lehner wünscht sich aber von den politisch Verantwortlichen, das Augenmerk auch in Richtung Wirtschaft zu legen. „Nur das, was die Wirtschaft erwirtschaftet, kann anderswo verteilt werden.“ Er hofft auf einen Motivationsschub in den Betrieben nach der Bundestagswahl. Aus deren Ausgang müsse man das Beste machen. Und dann gemeinsam Gas geben, um das Ruder wieder herumzureißen.
Es ist nicht alles schlecht im Lande aus Lehners Perspektive. Beispielsweise die Förderbedingungen für Start-ups und die regionalen Netzwerke von Betrieben und Hochschulen mit ihrem Know-how. Und auch in der derzeitigen Krise sieht der Sensorspezialist eine Chance. Sollte die Autoindustrie ihre Rolle als Zugpferd nicht mehr erfüllen können, müsse sich Deutschland dann nicht auf eine andere Branche fokussieren? „Vielleicht kann die Automatisierung die Wachablösung für Automotive werden“, wirft Lehner in den Raum. Er selbst hält sie für ein Thema der Zukunft.
Der Kreis Esslingen im Vergleich
Pessimistischer als die Region Wegen des ausgeprägten Pessimismus in der hiesigen Industrie sind die Umfrageergebnisse im Kreis Esslingen laut IHK insgesamt negativer als in anderen Teilen der Region Stuttgart. „Besonders unser Landkreis mit seinem hohen Industrie- und Exportanteil leidet stark unter den aktuellen Schwierigkeiten“, kommentiert Vanessa Bachofer, die neue Präsidentin der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen. Sie sieht strukturelle Probleme in Deutschland. „Vor allem die hohen Energiekosten, übermäßige Bürokratie und die gestiegenen Arbeitskosten bremsen uns aus. Was wir jetzt brauchen, ist eine ehrgeizige Wirtschaftsagenda, die Innovationen und Investitionen fördert und Standortkosten und Bürokratiebelastungen senkt.“
Die IHK-Umfrage Die IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen veröffentlicht drei Mal im Jahr einen Konjunkturbericht. Diesmal haben sich