Wirtschaft im Landkreis Ludwigsburg Grünes Licht für vier Gewerbegebiete

Von und Julian Illi 

Das Wirtschaftsministerium gibt sein OK für die Änderung des Regionalplans. Doch nicht alle betroffenen Kommunen sind begeistert.

Die Ackerflächen in Korntal-Müllerheim könnten bald einem Gewerbegebiet weichen. Die Stadt sieht ein „klassisches Gewerbegebiet“ jedoch kritisch. Foto: factum/Weise
Die Ackerflächen in Korntal-Müllerheim könnten bald einem Gewerbegebiet weichen. Die Stadt sieht ein „klassisches Gewerbegebiet“ jedoch kritisch. Foto: factum/Weise

Kreis Ludwigsburg - Lange wurde darum gerungen, nun gibt es grünes Licht: Ingersheim, Schwieberdingen, Korntal-Münchingen und Bietigheim-Bissingen können ihre neuen Gewerbegebiete entwickeln, die zusammen 75 Hektar groß sind. Das Wirtschaftsministerium hat der dafür notwendigen Änderung des Regionalplans zugestimmt. Damit können die betroffenen Kommunen die Bebauungspläne erarbeiten – sofern sie das wollen. Denn vor allem der vom Verband Region Stuttgart angedachte Logistikschwerpunkt stößt bei den Kommunen auf wenig Gegenliebe.

So hat auch das Gewerbegebiet nicht bei allen Kommunen Priorität. Der Bürgermeister von Korntal-Münchingen, Joachim Wolf, sagt, dass eine Realisierung „stets mit erheblichen Bedingungen verknüpft“, sei. Dazu gehöre ausreichender Abstand zu Wohnungen und ein Anschluss an die B 10. Ein „klassisches Gewerbegebiet mit einem 24-Stunden-Betrieb“ werde von Verwaltung und Gemeinderat ohnehin kritisch gesehen. Insgesamt habe ein etwaiger Gewerbeschwerpunkt „deutlich nachgeordnete Priorität“, sagte Joachim Wolf.

Blumige Reaktion des Regionalverbands

Weitaus blumiger fällt die Reaktion des Regionalverbands auf das OK des Ministeriums aus: „Die vorausschauende und abgestimmte Flächenpolitik für produzierende Unternehmen ist in unserer sehr stark industriell geprägten Region äußerst wichtig“, sagt die Regionaldirektorin Nicola Schelling. Der Planungsdirektor Thomas Kiwitt ergänzt: „Mit den vier neuen Standorten betreiben wir eine Angebotsplanung. Das heißt,es werden Flächen langfristig gesichert, die bei Bedarf bebaut werden können – losgelöst von konkreten Interessenten.“

Zum Hintergrund: Die vier neuen Gewerbegebiete sind ein Ersatz für den abgelehnten Gewerbeschwerpunkt Pleidelsheim-Murr. Dort hätte sich nach dem Willen der Region ein regionaler Logistikschwerpunkt ansiedeln sollen. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart hatte einen derartigen Bedarf im Norden des Landkreises entlang der A 81 ermittelt, der Regionalverband war dann seit Juli 2012 auf der Suche nach Standorten. Pleidelsheim-Murr scheiterte jedoch am Veto Pleidelsheims, das eine zu große Zunahme an Verkehr befürchtete. Die Fläche wurde aus dem Regionalplan gestrichen. Auch das Gebiet Holzweiler Hof bei Großbottwar ist vom Tisch, seit der Landrat Rainer Haas es ablehnte, das dortige Landschaftsschutzgebiet aufzuheben.

Ingersheim ist eher zurückhaltend

Auch Ingersheim hält sich zurück, was die mögliche Ansiedlung eines Logistikers am Standort angeht: „Unser Standort ist da nicht ganz ideal, weil wir nicht direkt an der Autobahn liegen“, sagt der Bürgermeister Volker Godel. Er sieht eher produzierendes Gewerbe im 15 Hektar großen Gebiet des Zweckverbands „Bietigheimer Weg“, der von Bietigheim und Ingersheim zusammen betrieben wird. Im kommenden Frühjahr wolle man die erste Tranche des Gebiets planen, eine Aufsiedlung sei 2018 geplant.

Länger dauern könnte es beim anderen interkommunalen Gewerbegebiet Laiern, das von Bietigheim-Bissingen, Ingersheim und Tamm betrieben wird. Hier stellte sich der Gemeinderat in Bietigheim quer, weil er eine Überlastung der Südumfahrung von Bissingen nach Tamm befürchtete. Das Gremium bewirkte, dass die Verwaltungsgemeinschaft gegen eine Erweiterung des Gebiets stimmte. Tamm legte daraufhin Widerspruch ein, die Beziehungen der beiden Städte galten Ende 2015 als belastet. Jetzt soll eine Verkehrsanalyse Klarheit bringen. Solange liegen die Planungen für das knapp 17 Hektar große Gebiet auf Eis. Doch auch hier ist davon auszugehen, dass ein Logistikzentrum bei den kommunalen Gremien auf wenig Gegenliebe stoßen wird.

Stephan Flaig, der BUND-Kreisvorsitzende, sieht in der Entscheidung des Ministeriums „eine Bankrotterklärung für die regionale Verkehrspolitik. Damit setzen wir auf Jahrzehnte hinaus weiterhin auf LKW statt auf Schiene“. Zudem sei die Angebotsplanung in Verbindung mit der Konkurrenz der Kommunen „ökonomisch wie ökologisch desaströs“. Vielmehr sollten die Kommunen ihre Gewerbeflächen gemeinsam vermarkten und bereits vor der Ausweisung von Gebieten Vorverträge mit interessierten Betrieben abschließen. „Sonst habe ich am Ende einen Überhang an Gewerbeflächen.“




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