Wirtschaft in der Corona-Krise Tausende Anträge auf Kurzarbeit im Kreis

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Die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis bekommt die Corona-Krise zu spüren: Nach ersten Schätzungen sind im März bereits 2800 Anträge auf Kurzarbeit eingegangen. Welche Branchen besonders betroffen sind, kann die Agentur für Arbeit nicht sagen.

Bei ZF Friedrichshafen am Standort Alfdorf sind rund 70 Prozent der Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Foto: Gottfried Stoppel
Bei ZF Friedrichshafen am Standort Alfdorf sind rund 70 Prozent der Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, doch auch die Unternehmen im Rems-Murr-Kreis sind von der Corona-Krise betroffen: Die Agentur für Arbeit Waiblingen geht davon aus, dass im März knapp 2800 Anträge auf Kurzarbeit eingegangen sind. In der Finanzkrise im März 2009 waren es 236, im kompletten Jahr 2009 deren 1157. „Damals waren vor allem mittlere und große Unternehmen der Industrie von der krisenhaften Entwicklung betroffen. Aktuell ist es eine andere Situation, da neben großen Unternehmen auch Kleinstunternehmen wie Friseure, Gastronomen oder Messebauer Kurzarbeit anmelden“, so die Agentur für Arbeit in einer Mitteilung. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Kurzarbeiter höher ausfallen werde als vor elf Jahren.

Anträge in Bearbeitung

Plant ein Betrieb Kurzarbeit, muss er dies bei der Agentur für Arbeit anzeigen. „Der Arbeitgeber erwirbt sich mit der Anzeige das Recht, in den nächsten drei Monaten in Kurzarbeitergeld (KUG) zu gehen. Wenn tatsächlich kurzgearbeitet wird, kann der Betrieb innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen“, erklärt die Agentur für Arbeit. Daher lägen erst nach der Abrechnung endgültige Daten dazu vor, wie viele Personen und welche Branchen von der Kurzarbeit betroffen waren. Momentan bestehe der einzige Anhaltspunkt zur Kurzarbeit im Kreis in den in der Behörde eingegangenen KUG-Anzeigen. „Diese befinden sich teilweise noch im Bearbeitungsprozess und können daher nur geschätzt werden.“

Ein Betrieb, der bereits in Kurzarbeit gegangen ist, ist der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen am Standort Alfdorf. „Nachdem viele unserer Kunden ihre Produktion für mehrere Wochen ruhen lassen, reagiert ZF auf die ausbleibende Nachfrage. Dazu wurden auch am Standort Alfdorf Teile der Produktions- und Fertigungsbereiche sowie der Verwaltung heruntergefahren“, teilt ein Sprecher mit. Insgesamt seien rund 70 Prozent der 1870 Mitarbeiter betroffen. Vom 8. bis einschließlich 14. April werde es eine Betriebsschließung der Produktion und produktionsnaher Bereiche in Alfdorf geben.

Auch Führungskräfte in Kurzarbeit

„Die einzelnen Bereiche sind unterschiedlich stark von der Kurzarbeit betroffen“, sagt Daniel Sauerbeck, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Der Tarifvertrag ermögliche aber, dass Beschäftige bei 100 Prozent Kurzarbeit immer noch rund 80 Prozent ihres Nettolohns erhalten. Zusätzlich könnten die Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsvereinbarung die Einkommenseinbußen noch weiter verringern, indem sie etwa Urlaub oder Gleitzeit einbringen, erklärt Sauerbeck. „Auch Führungskräfte werden an der Kurzarbeit beteiligt“, sagt er.

Die Betriebsvereinbarung ermöglicht Kurzarbeit in Alfdorf bis 30. Juni. „Das heißt nicht, dass die Kurzarbeit bis dahin andauern muss“, betont das Unternehmen. Vielmehr hänge die Dauer der Kurzarbeitsphasen an den jeweiligen ZF-Standorten stark von der weiteren Entwicklung der Nachfragesituation ab.

Noch keine Kurzarbeit bei Kärcher und Stihl

Bei Kärcher in Winnenden ist Kurzarbeit bisher nicht geplant, erklärt ein Unternehmenssprecher. Allerdings seien die weiteren Auswirkungen der Corona-Krise derzeit schwer absehbar und müssten regelmäßig neu bewertet werden. Die wirtschaftliche Entwicklung in den verschiedenen Märkten sei äußerst unterschiedlich, mancherorts habe das Unternehmen für Reinigungstechnik seine Umsätze sogar steigern können: „Ein Grund hierfür ist sicher, dass Reinigung und Hygiene in der aktuellen Lage eine besondere Wichtigkeit zukommt“, so der Sprecher.

Auch die Firma Stihl in Waiblingen hat noch keine Kurzarbeit beantragt. „Die Fertigung an unserem Waiblinger Standort konnten wir bislang weitgehend aufrecht erhalten“, teilt ein Sprecher mit. Allerdings hätten einige der Lieferanten von Komponenten ihren Betrieb vorübergehend selbst geschlossen oder schließen müssen. Die dadurch entstandenen Engpässe in der Fertigung seien momentan noch beherrschbar, da man noch auf vorhandene Bestände zurückgreifen könne. „Wir beobachten die Lage und fahren auf Sicht. Die Situation könnte sich jedoch kurzfristig zuspitzen, sodass dann Kurzarbeit notwendig wird“, sagt der Sprecher des Maschinenbauunternehmens.