Wirtschaft in Esslingen Trotz der Krise: Wie Esslingen Startup-Stadt werden will
Der Verein Makers League sammelt in Esslingen Gründer und Gründungswillige um sich. Was hat sich seit der Vereinsgründung vor zwei Jahren getan?
Der Verein Makers League sammelt in Esslingen Gründer und Gründungswillige um sich. Was hat sich seit der Vereinsgründung vor zwei Jahren getan?
Frischen Wind wollte der Verein Makers League 2020 in die Stadt bringen – und dann kam Corona. Und nach Corona kam der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit vielen unangenehmen Folgen, die auch in Deutschland zu spüren sind. Dazu eine Inflation, die sich gewaschen hat, der Strukturwandel in der Autoindustrie, Lieferengpässe, große Flüchtlingsbewegungen, und auch der Klimawandel bedroht die Gesellschaft und die Wirtschaft. Was also ist angesichts der Krisenlage von einem kleinen Verein mit hohem Anspruch geblieben?
Makers League verzeichnet – und das ist überraschend beim Blick auf die Weltwirtschaftslage – einen guten Mitgliederzuwachs. Woraus sich schließen lassen könnte: Esslingen trotzt den Krisen. In einer Eigenbekundung der Stadt heißt es, sie wolle „im Startup-Geschehen als Zukunftsstandort nicht nur am Ball bleiben, sondern in der oberen Liga mitspielen“. Das Rathaus unterstützt die Makers League unter anderem mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten.
Der Name des Vereins ist einer US-amerikanischen Serie entlehnt, der „Justice League“. Dort retten gerechte Superhelden die Welt. Auf einer Folie präsentiert der Verein den Zuwachs: Es begann im Februar 2020 mit elf „Helden“. Im Dezember desselben Jahres waren es 34. Im Jahr 2021 wurden 49 Mitglieder gezählt. Inzwischen sind es über 60. Die Mitgliederzahl hat sich in verhältnismäßig kurzer Zeit nahezu versechsfacht. Dennoch stellt sich die Frage: Ist das wirklich viel, und trägt die Mitgliederzahl eines Vereins dazu bei, dass sich Esslingen zu einer Startup-Stadt in der „oberen Liga“ entwickelt?
Möglich. Allerdings nicht spürbar. Die Themen dieser Tage in Esslingen sind andere. Die schönen Zeiten enormer Einnahmen sind erst einmal vorbei, plötzlich geht es in den Haushaltsberatungen wieder um enormes Sparen. Und um neue Einnahmequellen, etwa durch die massive Erhöhung von Parkgebühren. Größtes Stadtgespräch derzeit: Auf verschiedenen Plätzen der Altstadt wurde nach der Coronapause wieder der weit über Esslingen hinaus bekannte Weihnachtsmarkt aufgebaut. Aber dass ein Gründergeist über die Stadt weht? Zumindest ist es auf den Straßen und Plätzen kein Thema. Genau das aber hatte sich die Makers League vorgenommen.
In ihrer Gründungsphase hieß es: Wir wollen mit unseren Projekten ein Teil des Stadtgesprächs werden. Projekte, die das Gespräch anleiern könnten, gibt es. Zweimal im Monat gibt es einen Stammtisch. Es gibt einen Makers League Inspire Talk und eine Veranstaltungsreihe mit dem Namen Makers League Masterclass. Es gibt eine Girlboss-Woche und es gibt eine Reihe von städtischen Veranstaltungen, an denen der Verein teilnimmt. Aber gesprochen wird darüber womöglich nur im eigenen Kreis, aber nicht beim Friseur oder am Glühweinstand.
Fazit: Eine Gründergeist-Welle, die sich von der Makers League oder der Stadt selbst auf die gesamte Stadtgesellschaft übertragen hätte, ist nicht spürbar. Aber die Zeiten sind auch nicht so, es herrscht eher eine kollektive Depression statt Aufbruchstimmung. Positiv: Der Verein hat unter Gleichgesinnten einen sehr guten Zuwachs, die Stadt hält ihm weiterhin die Stange.