Wirtschaft in Stuttgart-Vaihingen Pop-up-Stores sollen junge Käufer ansprechen

Von  

Im Auftrag der Wirtschaftsförderung haben sich Studenten der DHBW mit Stuttgart-Vaihingen beschäftigt. Sie haben ausgearbeitet, mit welchen Maßnahmen sich das Ortszentrum und der Einzelhandel positiv entwickeln können.

DHBW-Studenten haben untersucht, mit welchen Konzepten das Vaihinger Zentrum –  hier der Schillerplatz –  attraktiver werden kann. Foto: Sandra Hintermayr
DHBW-Studenten haben untersucht, mit welchen Konzepten das Vaihinger Zentrum – hier der Schillerplatz – attraktiver werden kann. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Der Blick geht ins Detail: Wie sieht es im Stadtbezirkszentrum aus? Wie attraktiv sind die Einkaufsangebote? Wie viele Geschäfte stehen leer? Wie sauber sind die Plätze und Straßen? Diesen Fragen sind Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in einer von der Wirtschaftsförderung Stuttgart beauftragten Studie nachgegangen. Die Bezirke Vaihingen, Bad Cannstatt, Feuerbach, Untertürkheim, Weilimdorf und Zuffenhausen haben sie sich genauer angeschaut und überlegt, mit welchen Maßnahmen die Ortszentren attraktiver gestaltet werden können.

„Im Gegensatz zu den anderen untersuchten Bezirken hat Vaihingen eine sehr heterogene Bevölkerungszusammensetzung“, sagt Sven Köhler, der an der DHBW Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Handel lehrt, und die Durchführung des Projekts in eine Vorlesung eingebettet hat. Die Universität und die US-amerikanischen Kasernen tragen ebenso ihren Teil dazu bei wie der Stuttgarter Engeneering Park (Step), das Gewerbegebiet Waldplätze und der Synergiepark, das größte Gewerbegebiet der Landeshauptstadt. „In Vaihingen leben viele Studenten. Dazu kommen zahlreiche Rentner, aber auch Pendler, die zwar nicht im Bezirk leben, aber trotzdem die Angebote vor Ort nutzen“, sagt Köhler.

Bürger sind mit Angebotsvielfalt und Sauberkeit unzufrieden

Die DHBW-Studenten haben sich nicht nur die Standorte angeschaut, sondern auch die Bürger befragt, wie sie ihr Ortszentrum einschätzen. In Vaihingen waren es 49 Personen zwischen 18 und 77 Jahren. „Die überwiegende Mehrheit der Befragten war für gezielte Einkäufe oder Erledigungen in Vaihingen, ‚Bummeln’ wurde nur von wenigen als Besuchsgrund angegeben“, fasst Köhler zusammen. „Das kann einerseits an der Uhrzeit der Erhebung liegen, aber auch in der geringen Aufenthaltsqualität von Vaihingen begründet sein.“ Die größte Unzufriedenheit habe bei den Befragten in den Bereichen Sauberkeit und Einkaufsatmosphäre gelegen. Zudem seien Mängel bei „Vielfalt/Qualität des Warenangebots“ sowie „Vielfalt/Qualität der Gastronomie“ erkennbar gewesen.

In der Studie haben die Studenten Konzepte entwickelt, mit denen die Bezirkszentren aufgewertet werden können. Kurzfristig umsetzbar sind demnach eine bessere Reinigung und Beschilderung. Auch die hellere Beleuchtung von dunklen Ecken, an denen sich die Menschen unwohl fühlen, ließe sich schnell umsetzen. Mittelfristig müsse man schauen, wie man den Leerständen vor Ort entgegenwirken kann, sagt Köhler.

Käufer kaufen lieber im Internet oder der Innenstadt

Dem Einzelhandel in den Außenbezirken macht vor allem der wachsende Handel in der Innenstadt Konkurrenz. Dort sind die Angebote oft attraktiver als in den Bezirken. Auch das Internet macht den Geschäftsleuten in den Bezirken zu schaffen; viele Kunden bestellen lieber online ihre Waren, als die Geschäfte vor Ort zu besuchen. Die Folge: Immer mehr Geschäfte müssen schließen. Fachleute sprechen vom Trading-Down-Prozess. Wo ehemals inhabergeführte Geschäfte waren, siedeln sich „niedrigpreisige Gastronomiebetriebe“, Wettbüros oder Spielhallen an, teilweise stehen die Läden über lange Zeit leer. „Das ist ein Teufelskreis. Die Käufer wandern in die Innenstadt ab oder kaufen im Internet, die Geschäfte vor Ort schließen, durch das schlechter werdende Angebot kehren noch mehr Menschen dem Handel im Bezirk den Rücken“, sagt Köhler.

Dabei ist das Internet nicht unbedingt schlecht für den Einzelhandel, man muss es nur richtig nutzen. „Vaihingen ist gut geeignet, um den Handel digitaler werden zu lassen“, findet Köhler. Er denke dabei an eine Art Online-Marktplatz. Dort können sich Kunden beispielsweise tagsüber im Internet Waren bei ihren Geschäften vor Ort bestellen und sie am Abend persönlich in den Läden abholen. Ein solches Modell gibt es seit dem vergangenen Jahr etwa in Leinfelden-Echterdingen. Auch Kundenvorteile über Handy-Apps, etwa vergleichbar mit dem Punktesystem einer Payback-Karte, können sich die Studenten vorstellen. Insbesondere für ältere Menschen ist eine fußläufige Versorgung mit den nötigen Lebensmitteln und Haushaltswaren wichtig.

Pop-up-Stores kommen besonders bei jungen Leuten gut an

Eine weitere Idee sind „Pop-up-Stores“. Das sind temporäre Ladeneinheiten, die für eine kurze Zeit besondere Produkte in einem besonderen Einkaufserlebnis anbieten. In Bad Cannstatt und Untertürkheim seien solche Versuche bereits gut angekommen. „Das spricht vor allem die jungen Leute an“, sagt Köhler. Solche Pop-up-Stores können Kleidung ebenso verkaufen wie Schokolade.

Eine ansprechende Gastronomie sei ebenfalls ein Aspekt, der die Bürger in die Ortszentren locke. „Einzelhandel und Restaurants können voneinander profitieren“, sagt Köhler. Während bei den älteren Bürgern vor allem die schwäbische Küche gefragt sei, seien junge Leute eher auf der Suche nach gemütlichen Bars und Abendgastronomieangeboten. „Man muss Konzepte entwickeln, die alle Zielgruppen gleichermaßen ansprechen“, sagt Köhler.

Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden könnten, das steht noch nicht fest. Die Wirtschaftsförderung möchte den Verbund Vaihinger Fachgeschäfte und den Bund der Selbständigen in die Planungen einbeziehen. „Wir sind gerade in Gesprächen mit dem BDS und dem VVF“, sagt Stadtteilmanager Torsten von Appen.

Sonderthemen