Wirtschaft setzt auf EM Hoffen auf mehr Umsatz und neue Jobs zum Fußballfest

Kann Albärt, das Maskottchen der Fußball-EM 2024, der heimischen Wirtschaft die Kunden in Scharen in die Arme treiben? Foto: dpa/Peter Kneffel

Kann die Europameisterschaft der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt in der Region einen Schub geben? Die Erfahrungen nach der WM von 2006 geben Anlass zur Skepsis. Wo aber dennoch Jobs locken – die Arbeitsagentur weiß es.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Etwa zwei Millionen Gäste werden während der Fußball-Europameisterschaft in der Region Stuttgart erwartet – davon müssten das Hotel- und Gaststättengewerbe, der Einzelhandel, die Tourismus- und Verkehrsbranche doch eigentlich profitieren. In trüber Zeit kann die heimische Wirtschaft einen solchen Boost gut vertragen.

 

Im Vorfeld habe das Land in seinen wichtigsten Zielmärkten intensiv für das Reiseland Baden-Württemberg geworben, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Rapp. Nun müsse der Imagegewinn über die Dauer der EM hinweg getragen werden, um mittel- und langfristige Effekte für den Wirtschaftsstandort zu generieren. Und Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, hofft: „Die Stadt braucht dringend solche Impulse, um zu einem positiven Innenstadterlebnis und einer guten Aufenthaltsqualität zurückzufinden.“

Taugt das „Sommermärchen“ als Vorbild?

Elisabeth Berger, Direktorin des Kronen-Hotels Stuttgart, zeigt sich überzeugt, dass das Ereignis der Landeshauptstadt langfristig nutzen wird: „Nach der WM 2006 kamen so viele ausländische Gäste wie nie zuvor, und das hat viele Jahre angehalten.“ Allerdings hat das Münchner Ifo-Institut gerade erst festgestellt, dass sich die Stimmung in der Volkswirtschaft bei den früheren Fußball-WMs und EMs kaum verbessert hätte. „Wir vermuten Ähnliches jetzt zur EM.“

Dies deckt sich mit Erkenntnissen der IHK Region Stuttgart nach dem „Sommermärchen“. Damals fiel die Bilanz der Unternehmen bescheiden aus. Die große Mehrheit konnte weder positive noch negative Effekte der WM auf die eigenen Geschäfte erkennen. So profitierten einer damaligen Umfrage zufolge nur 13 Prozent der Einzelhändler von zusätzlichen Umsätzen durch ausgabefreudige WM-Touristen. Zugleich vermeldeten 40 Prozent sogar Einbußen im Vergleich zum saisonüblichen Geschäft – weil die Fans sich wenig für das Sortiment der regionalen Einzelhändler, sondern hauptsächlich für die Spiele interessierten und weil viele Stammkunden die überfüllten Innenstädte mieden.

Wo die Arbeitsagentur Bewegung am Stellenmarkt sieht

Die Bundesagentur für Arbeit zog 2006 eine positive Bilanz: Die im Vorfeld erwarteten 50 000 zusätzlichen Arbeitsplätze bundesweit wurden erreicht. Heute meldet die Agentur für Arbeit in Stuttgart, dass während der EM vor allem Stellen in den Bereichen Sicherheit, Gastronomie, Eventmanagement, Transport und Logistik sowie Merchandising stark nachgefragt sein werden. Sicherheitspersonal für Stadien und Veranstaltungsorte, Eventkoordinatoren für Fanmeilen und offizielle Veranstaltungen, Servicekräfte für Restaurants und temporäre Zelte, Transport- und Logistikmitarbeiter für den Personen- und Warentransport sowie temporäre Mitarbeiter für Merchandising-Stände seien da nur einige Beispiele.

Vor allem Arbeit auf Minijob-Basis ohne Übernahmeperspektive

Die Stellenangebote seien zumeist befristet für die Dauer der EM ausgeschrieben. Die Arbeitsagentur meint zwar, dass gefragte Fachkräfte sich eher auf unbefristete Stellenangebote bewerben würden – allerdings verfüge die EM über ein Prestige und eine Anziehungskraft, „sodass sich durchaus die eine oder andere Fachkraft bewirbt, die gerade ohne Beschäftigung ist oder sich in einem zeitlichen Freiraum zwischen zwei Jobs befindet oder die persönlich dem Fußball verbunden ist“. Die geforderten Qualifikationen hingen stark von der jeweiligen Position ab. Generell sei eher mit Arbeit auf Minijob-Basis ohne Übernahmeperspektive zu rechnen.

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