Der Wirtschaftsförderer Marc Grün hat erarbeitet, welche Rolle sein Referat in Zukunft spielen soll. Allerdings stößt er mit seinen ambitionierten Plänen wegen eines Grunds schnell an Grenzen.

Region: Kai Holoch (hol)

Esslingen - Seinem Vorgänger als städtischer Wirtschaftsförderer ist das Thema zum Verhängnis geworden. Doch die Entlassung braucht Marc Grün nach der Vorstellung des von ihm erarbeiteten und am Mittwoch im Verwaltungsausschuss präsentierten Wirtschaftsförderungskonzepts nicht zu befürchten.

Zwar enttäuscht Marc Grün all diejenigen, die sich von dem Papier ein abgeschlossenes Handlungsprogramm erwartet haben. Auch ließen sich die Ziele, die Grün für den Wirtschaftsstandort nennt, ohne Probleme auf viele andere Kommunen übertragen. Er beschreibt aber umfänglich und genau den Istzustand in Esslingen, nennt die bestehenden Probleme und leitet daraus Handlungsmaxime ab, mit deren Hilfe die Wirtschaftsförderung der Stadt in den kommenden Jahren noch effektiver und erfolgreicher arbeiten soll.

Siedlungsdichte und fehlende Flächen sind das Problem

Eines der Hauptprobleme in Esslingen, so Grün, ist die Siedlungsdichte und die damit verbundene Knappheit an Entwicklungsflächen für den Wirtschaftsstandort. Ebenfalls ein Problem ist, dass viele Esslinger Industriegebiete immer noch von Betrieben des verarbeitenden Gewerbes dominiert werden, wobei diese im nationalen und internationalen Umfeld immer mehr an Bedeutung verlieren.

Auf der Habensseite könne Esslingen eine hohe Wirtschaftskraft, einen attraktiven Standort und ein überdurchschnittliches Fachkräfteangebot verbuchen. Chancen böten auch die Forschungsstärke der Groß-Unternehmen und der Hochschule und gute Finanzierungsmöglichkeiten durch die Banken. Problematisch aus seiner Sicht ist hingegen, dass es kleinen und mittleren Unternehmen derzeit zwar wirtschaftlich gut gehe, sie aber zu wenig forschen, um den Erfolg langfristig zu sichern. Die Aufgabe der Wirtschaftsförderung als strategischer Steuerungseinheit müsse es sein, unterstützend tätig zu werden.

Drei Hauptziele hat Marc Grün formuliert: Es gehe darum, bestehende Arbeits- und Ausbildungsplätze zu erhalten und neue attraktive zu schaffen. Auch müsse die Stadt unterstützend eingreifen, um die starke Wirtschaftskraft und das hohe Wertschöpfungsniveau zu sichern und zu fördern. Nur so werde es gelingen, eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur zu schaffen.

Marc Grün will mehr und engere Wirtschaftsnetzwerke knüpfen

Beim wichtigen Thema Bestandspflege schlägt Marc Grün vor, die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und der Wirtschaft zu optimieren. Dazu will er das Wirtschaftsnetzwerk enger knüpfen als bisher und – vergleichbar der Standortinitiative Neue Neckarwiesen (Sinn) – auch in anderen Gewerbegebieten die Zusammenarbeit stärken. Mittelfristig will Grün zwei übergeordnete und mehrere kleinere Netzwerke schaffen, die dann von Gewerbegebietsmanagern der Wirtschaftsförderung betreut werden sollen.

Für das Handlungsfeld „Gestaltung des Strukturwandels“ sollte die Stadt Maßnahmen zur Innovationsförderung anstoßen und das Augenmerk auf Zukunfts- und Wachstumsbranchen legen. Grün denkt an die Schaffung privater Gründerzentren in Zusammenarbeit der Wirtschaft und der Hochschule, aber auch an Gründerberatungsangebote im Rathaus. Dabei will er mit der IHK zusammenarbeiten.

Klar ist für den neuen Wirtschaftsförderer, dass sein Referat sich in Zukunft noch stärker als bisher als internes und externes Querschnittsamt verstehen müsse, das seiner Lotsenfunktion gerecht werden und den Interessen der Wirtschaft in der Stadtverwaltung Gehör verschaffen müsse. Wichtig sei dabei, dass die Wirtschaftsförderung nicht den Anspruch habe, selber alle Fragen der Wirtschaft beantworten zu können. Vielmehr sei es vorrangige Aufgabe, die Kontakte zu den jeweiligen Fachleuten herzustellen. Erfolgreich könne man allerdings nur sein, wenn alle Ämter bereit seien, Anfragen effizient und kundenfreundlich zu bearbeiten. Bleibt noch die Personalausstattung der Wirtschaftsförderung. Selbst wenn im Sommer eine weitere Stelle besetzt werde und die Wirtschaftsförderung dann auf 4,3 Stellen anwachse, sei das im Vergleich zu anderen Städten in der Region, so formuliert es der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger, „nicht gerade üppig“.