Wirtschaftsbeirat Land soll Vorbild bei Nachhaltigkeit werden

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Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin will in der Außenwirtschaft die globale Verantwortung verstärkt in den Mittelpunkt stellen.

Nachhaltige Außenwirtschaftspolitik heißt auch Schutz des Regenwaldes. Foto: Pixabay
Nachhaltige Außenwirtschaftspolitik heißt auch Schutz des Regenwaldes. Foto: Pixabay

Stuttgart - Das exportstarke Baden-Württemberg soll nach den Vorstellungen von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ein „bundesweiter Vorreiter“ werden, wenn es um soziale und ökologische Aspekte der Außenwirtschaft geht. „Ich möchte das Thema globale Verantwortung unserer Unternehmen in den Beirat der Landesregierung für nachhaltige Entwicklung einbringen“, sagte Hoffmeister-Kraut unserer Zeitung. Im Beirat, der bislang nur Arbeitsgruppen für Klima-Energie, Konsum und Bildung kennt, sollten „mögliche Handlungsansätze“ zu diesem neuen Thema gefunden werden. Schon in der Oktober-Sitzung des Beirats solle dies erörtert werden.

Kohlekraftwerke in der Kritik

In jüngster Zeit war Kritik von Umweltverbänden an Investitionen baden-württembergischer Firmen im Ausland laut geworden. So hat das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart das Ingenieurbüro Fichtner wegen dem Bau eines Kohlekraftwerks in Bangladesch kritisiert. Auch hat die Gruppe Robin Wood gegen den Konzern Heidelberg Cement wegen eines geplanten Kalksteinabbaus in Indonesien protestiert. Beide Firmen wiesen – direkt oder über Partner – die Kritik zurück.

Ministerin Hoffmeister-Kraut wollte die genannten Fälle nicht bewerten, da sie „die Hintergründe“ nicht kenne. Sie sprach sich aber allgemein für eine stärkere Beachtung „der unternehmerischen Sorgfaltspflicht entlang der globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten“ aus. „Gerade unsere mittelstandsgeprägte Wirtschaft denkt in langen Linien, sie beachtet soziale und nachhaltige Aspekte“, sagte Hoffmeister-Kraut. Sie könnten im Ausland zu „Botschaftern einer global verantwortlichen Außenwirtschaftspolitik“ werden. Das könnte ihnen sogar – etwa in Afrika – Wettbewerbsvorteile gegenüber chinesischen Konkurrenten verschaffen: durch bessere Reputation, Fachkräftegewinnung und stabile Lieferbeziehungen.

Einen Trend zu mehr ökologischer Verantwortung durch Unternehmen hat die Umweltgruppe Urgewald beobachtet, die weltweit 1400 geplante oder im Bau befindliche Kohlekraftwerke aufgelistet hat und die Investoren benennt. „Mit der Verschärfung der Klimakrise nutzen immer mehr Firmen unsere Datenbank und ziehen sich aus klimaschädlichen Geschäften zurück“, sagte Moritz Schröder-Therre von Urgewald. Große Versicherungen wie AXA, Generali oder Zurich aus der Schweiz hätten zugesagt, die Investitionen in oder die Versicherung von Kohlekraftwerken zu stoppen.

Der Münchner Wirtschaftsethiker Christoph Lütge sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Bei Klimaschutz und ökologischen Rahmenbindungen vertreten viele Unternehmen die klassische Position, in Ordnung sei, was rechtlich erlaubt sei.“ Dieses Denken sei veraltet. Ethische Risiken seien zu beachten, sie könnten auch zu ökonomischen werden.