Eigentlich ist es ganz einfach: „Es geht darum, sich zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten zusammenzusetzen, sich über das richtige Thema fachkundig auszutauschen und dann gemeinsam konkrete Projekte daraus zu machen“ sagt Walter Rogg. In den vergangenen 27 Jahren – und damit seit der Gründung der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) – hat Rogg als WRS-Geschäftsführer sehr viele richtige Leute zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Denn wenn der 65-Jährige im kommenden Mai in den Ruhestand geht, dann hinterlässt er ein wohlbestelltes Haus.
Eine der größten Gesellschaften Deutschlands
Jetzt beginnt die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. In der an diesem Wochenende erscheinenden Stellenanzeige heißt es, man suche einen Netzwerker oder eine Netzwerkerin, die „verantwortungsvoll, motivierend, kooperativ und überparteilich mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Hochschulen, Verbänden, Verwaltungen und Institutionen in der Region, dem Land, dem Bund und der EU“ zusammenarbeitet. Genau das hat Rogg getan. Aber nicht nur deshalb ist die Führungsposition reizvoll: Mit 65 Vollzeitstellen zählt die WRS zu einer der größten Wirtschaftsförderungsgesellschaften in Deutschland. Die Mitarbeitenden sind dabei nicht nur die zentralen Ansprechpartner, wenn sich neue Firmen ansiedeln wollen.
Auch fördert die WRS mit zahlreichen Projekten und Angeboten etwa in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, KI oder Wasserstofftechnologie die Entwicklung der Region. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Transformationsprozess des vorwiegend immer noch von der industriellen Produktion geprägten Wirtschaftsstandorts Stuttgart.
Es stehen schwere Zeiten bevor
Auf den neuen obersten Wirtschaftsförderer der Region warten noch zahlreiche weitere Aufgaben. Unter anderem ist Walter Rogg Aufsichtsratsvorsitzender der Film- und Medienfestivalgesellschaft und der Gigabit Region Stuttgart. Zudem ist er Mitglied im Aufsichtsrat bei der Bioregio Stern und bei der Internationalen Bauausstellung IBA’27, aber auch Co-Geschäftsführer bei der Regio Stuttgart Marketing.
So gut das direkte Umfeld ist, so schwierig sind die Zeiten, die auf den neuen Geschäftsführer zukommen. Probleme werden wohl die Inflation, Rezession, Konjunktureinbrüche, Fachkräftemangel, unterbrochene Lieferketten, sich verändernde globale Märkte, Pleiten und Insolvenzen bereiten.
Reaktion auf die Autokrise 1995
Das erinnert Walter Rogg ein wenig an die Anfangstage seiner Stuttgarter Zeit. Denn ins Leben gerufen wurde die Wirtschaftsförderung auch als Reaktion auf die große Autokrise Mitte der 1990er Jahre. „Man kann aus so einem Tal auch wieder herauskommen“, sagt Rogg. „Das haben wir damals bewiesen – und ich denke, dass es auch jetzt wieder so sein wird.“
Allerdings fordert Rogg ein Umdenken in der Gesellschaft: Falsch sei die Frage: Verhalten wir uns nachhaltig oder wollen wir wirtschaftlichen Erfolg? „Wir werden nur dann eine gute wirtschaftliche Situation hinbekommen, wenn wir nachhaltig handeln, wenn die Prozesse und Produkte aus der Region Stuttgart für Nachhaltigkeit stehen.“ Der anstehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel sei gewaltig. Rogg: „Die Region Stuttgart kann nicht mehr nur von dem Grundbedürfnis der Menschen nach einer möglichst komfortablen individuellen Mobilität leben. Das haben wir wunderbar gemacht. Generationen haben davon gelebt.“
Generationen haben von der individuellen Mobilität gelebt
Jetzt komme es darauf an, sich auf die neuen Grundbedürfnisse der Menschen einzustellen. „Das ist ein gesunder Planet, einer, der repariert werden kann. Wir müssen uns mit Umwelttechnik, Material- und Energieeffizienz, Gesundheit, Bildung und mit der Informationstechnik, die man für alles braucht, beschäftigen – und die Lösungen dafür müssen natürlich aus der Region Stuttgart kommen.“ Eine wichtige Aufgabe sei es deshalb zu kommunizieren, dass es kein Zurück in die bisherige Normalität geben wird. „Wenn wir aus der Krise herausgekommen sind, wird es kein New Normal, sondern ein New Different geben. Es muss anders sein – das ist aber auch eine große Chance.“