Wirtschaftsförderer Thomas Müller in Weinstadt Intensive Gespräche mit Einzelhändlern

Auch abends noch reichlich Autos unterwegs: In der Strümpfelbacher Straße in Endersbach soll der Durchgangsverkehr verringert werden, um sie zu einer Flaniermeile umzugestalten. Foto: her

Personalmangel, Erweiterungspläne und unterschiedliche Interessenlagen – für den neuen Weinstädter Wirtschaftsförderer gibt es viel zu tun. Mit der Sanierung und Umgestaltung der Haupteinkaufsstraße in Endersbach sieht er eine große Aufgabe auf sich zukommen.

Die ersten 100 Tage im Amt liegen hinter Thomas Müller. Der neue Wirtschaftsförderer von Weinstadt hat die Zeit genützt, um mit den örtlichen Unternehmen in Kontakt zu kommen – zum einen via monatlichem Newsletter aus dem Rathaus heraus. Darin habe er die Firmenchefs informiert, was die Stadt für Betriebe tut, kombiniert mit dem ein oder anderen Tipp oder Ratschlag, sagt Müller.

 

„Das kommt gut an“, wie er bei seinen Firmenbesuchen erfahren hat. Denn zum anderen weiß der vor seiner Anstellung in Weinstadt selbstständige Citymanager sehr wohl auch: „Nur Newsletter aus dem Büro heraus zu verschicken, bringt nichts. Man muss zu den Unternehmen hingehen.“

Mit dem Fahrrad unterwegs

Daher habe er sich in den vergangenen Monaten immer wieder auch aufs Fahrrad gesetzt, um in alle fünf Weinstädter Stadtteile zu fahren. So habe er gleich viel besser als mit dem Auto mitbekommen, wie die Wegebeziehungen sind und wo es Problemstellen für Radfahrer und Fußgänger gibt. Bei seinen spontanen Besuchen in Einzelhandelsgeschäften dann habe er mal einfach nur eine Visitenkarten mit seinen Kontaktdaten da gelassen, mal hätten sich längere Gespräche mit den Inhabern entwickelt, berichtet Thomas Müller.

Zudem stehe er in regelmäßigem Austausch mit der Vereinigung der Weinstädter Unternehmer, kurz VWU, und dem Verein Weinstadt Marketing, in dem wiederum neben der Stadt und der Volksbank Stuttgart auch die VWU Mitglied ist.

„Eng verzahnt“ habe man gemeinsam den Blick darauf gerichtet, was kommt – allen voran die Sanierung und Umgestaltung der Strümpfelbacher Straße. Das Ziel der Maßnahmen ist, die Aufenthaltsqualität der Haupteinkaufsstraße von Endersbach zu verbessern und so den ansässigen Einzelhandel zu stärken. Dazu soll einerseits der Durchgangsverkehr verringert werden, andererseits sollen aber weiterhin eine bequeme Anfahrt und Parkmöglichkeiten für die Kundschaft gegeben sein. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden und im kommenden beginnen. Dabei sieht Müller als Wirtschaftsförderer seine Aufgabe darin, die Kundschaft – „im Sinne der Stadt und der Unternehmer“ – über den Fortschritt auf der Baustelle gut informiert zu halten. „Um Lust zu machen, mal in die Baustelle reinzugehen.“

Führungen zu der Baustelle geplant

Vorstellbar sei es beispielsweise, Führungen anzubieten, so wie es die Stadtwerke Weinstadt beim Bau des Freiflächensolarparks auf dem Schönbühl derzeit machen. Auf diese Weise will Müller „die Baustelle positiv besetzen“ und nicht nur Vorfreude auf deren Endergebnis wecken. Auch seitens der Einzelhändler bestehe Lust und Interesse, miteinander etwas zu gestalten. „Da werden wir sicher etwas auf die Füße stellen.“

Neben den Einzelhändlern ist Müller in den vergangenen Monaten in die Weinstädter Gewerbegebiete geradelt, um dort auf Einladung Betriebe zu besichtigen. „Da wird man stolz, wenn man mitbekommet, was in Weinstadt passiert, welche Innovationen es gibt und mit welchen anderen internationalen Unternehmen zusammengearbeitet wird“, berichtet Müller von seinen Erfahrungen und resümiert: „Die Weinstädter Unternehmen brauchen sich nicht zu verstecken.“ Gleichwohl mache der allgegenwärtige Personalmangel auch vor ihnen nicht halt, egal ob es darum gehe Studienabsolventen, Schulabgänger oder bereits ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen.

Gefreut und beeindruckt habe ihn indes die spürbare hohe Wertschätzung der Chefs ihrem Personal gegenüber, berichtet Müller, der immer lieber den Blick auch auf positive Aspekte richtet und Probleme angeht, statt nur über sie zu klagen. „Wir müssen stärker zeigen, was wir hinter den Fassaden für starke und tolle Unternehmen in Weinstadt haben und etwas dafür tun, das bekannter zu machen.“

Ebenfalls Grund zur Freude und Herausforderung gleichzeitig sind für den Wirtschaftsförderer die Entwicklungspläne einiger ansässiger Unternehmen, die ihm gegenüber geäußert wurden. „Das ist ein sehr positives Zeichen.“ Die Frage sei jedoch, ob es gelinge, auch Perspektiven zu bieten. „Denn so vielfältig sind unsere Flächen nicht.“ So gelte es, bei freien Räumen zunächst abzuklären, ob ansässige Betriebe Interesse haben, bevor man den Blick nach außen richte.

Mit der Region Stuttgart im Austausch

Gleichwohl sei man mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart im Austausch und erhalte Anfragen von auswärtigen Unternehmen. „Momentan müssen wir nicht versuchen, krampfhaft neue Betriebe hierher zu bekommen.“

Dennoch sei es die Aufgabe der Stadt, Weinstadt als Wirtschaftsstandort entsprechend attraktiv zu präsentieren. Dabei gelte es, bei den unterschiedlichen Interessenlagen in den Gewerbegebieten, wie etwa in den Benedikt-Aucht-Wiesen, „gut zuzuhören“ und vielleicht auch gerade bei jenen nachzufragen, die ihre Belange nicht von sich aus anmelden. Dort ist die Stadt aktuell dran erneut, einen veränderten Bebauungsplan aufzustellen für eine qualifiziertere Nutzungen des im Jahr 1967 entstandenen Gebiets. Den hierzu 2021 beschlossenen Plan erklärte das Verwaltungsgericht im Frühjahr nämlich für unwirksam, nachdem ein ansässiger Recyclingunternehmer dagegen eine Normenkontrollklage angestrengt hat.

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