Wirtschaftsfördergesellschaft Tauziehen um die Nummer eins

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Grüne und SPD beanspruchen beide die Führung bei der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes. Diese Woche muss der Streit gelöst werden.

Delegationsreisen ins Ausland – hier Winfried Kretschmann in Brasilien – werden von Baden-Württemberg International vorbereitet und begleitet. Foto: dpa
Delegationsreisen ins Ausland – hier Winfried Kretschmann in Brasilien – werden von Baden-Württemberg International vorbereitet und begleitet. Foto: dpa

Stuttgart - Winfried Kretschmann war die Indiskretion sichtlich unangenehm. Ob es stimme, dass der frühere Grünen-Landeschef Andreas Braun neuer Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Baden-Württemberg International (BWI) werden solle? "Das wird man sehen", antwortete der Ministerpräsident; er sei "jedenfalls im Gespräch dafür". Auch die Nachfrage, ob die SPD den Spitzenjob für sich beanspruche, beschied Kretschmann einsilbig. "Was Sie alles wissen..." Das Thema sei, so viel könne er sagen, "gerade in der Mache". An diesem Donnerstag muss es entschieden werden.

Dann tagt der Aufsichtsrat von BWI und soll die neue Geschäftsführung bestimmen. Die alten Chefs scheiden zum Jahresende aus: Michael Hagenmeyer eher widerstrebend, weil er gerne noch verlängert hätte, sein Stellvertreter Herbert Neuland aus freien Stücken. Per Stellenanzeige suchte das Land im Herbst "zwei engagierte und hochqualifizierte Persönlichkeiten" als Geschäftsführer, den einen als Sprecher, den anderen als stellvertretenden Sprecher. Der erste sollte besonders für Außenwirtschaft und Internationales Standortmarketing zuständig sein, der zweite für die "Innovationsplattform Baden-Württemberg".

Mit der Suche beauftragt wurde die Personalberatung Dr. Heimeier & Partner in Stuttgart, die viel Erfahrung mit Auftraggebern aus dem öffentlichen Bereich hat - und auch darin, die Personalauswahl in einem einigermaßen objektiven Verfahren zum gewünschten Ergebnis zu steuern. Schon zu CDU-Zeiten wurden ihre Dienste daher gerne und regelmäßig in Anspruch genommen.

Kandidat Nr. 1: Andreas Braun

Die beiden Favoriten der grün-roten Regierung standen schon vor der Ausschreibung fest: Andreas Braun, derzeit beim Klinikum Stuttgart fürs Auslandsmarketing zuständig, und Jürgen Oswald, Referatsleiter Außenwirtschaft im SPD-geführten Wirtschaftsministerium. Im Glauben, es handele sich um ein offenes Rennen, meldete sich eine wahre Flut von Bewerbern aus dem gesamten Bundesgebiet. Daraus wurden fünf Kandidaten herausgefiltert, die sich die Findungskommission näher anschaute.

Am Ende blieben drei übrig: Braun und Oswald sowie, wohl eher als Reserve für den Fall eines Ausfalls, eine Fachfrau von einer Beratungsgesellschaft. So weit lief alles planmäßig. Beide Kandidaten gelten, unabhängig von der Vorfestlegung, allemal als geeignet. Der mehrsprachige Braun war schon als Gewerkschaftsmitarbeiter für internationale Kontakte zuständig.

Beim Klinikum Stuttgart vervielfachte sich unter seiner Regie der Umsatz mit zahlungskräftigen ausländischen Patienten, vor allem aus dem arabischen Raum. Als Landesvorsitzender der Grünen war er 2006 nach rekordverdächtigen sieben Jahren unter allgemeinem Bedauern abgetreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Auch in die CDU hinein unterhält Braun bis heute gute Kontakte, seine kommunikativen Fähigkeiten werden allseits hoch gelobt.

Kandidat Nr. 2: Jürgen Oswald

Der SPD-Kandidat Oswald ist mit dem Metier von BWI schon durch seinen derzeitigen Job wohlvertraut. In der Wirtschaft kennt und schätzt man den Ministerialrat. Gewisse Einwände gibt es jedoch auch: Im Vergleich zu dem mehr unternehmerisch denkenden Braun agiere Oswald eher bürokratischer, in puncto Auslandserfahrung könne er nicht mit ihm mithalten. Zeitweise wurde in SPD-Kreisen daher sondiert, ob es nicht doch jemanden noch Besseren gäbe - allerdings ohne Ergebnis.

Wer von den beiden aber soll der erste Mann bei Baden-Württemberg International werden? Darum wird in der Schlussphase der Stellenbesetzung zwischen den Koalitionspartnern heftig gerungen. Die Grünen berufen sich auf eine Nebenabrede zum Koalitionsvertrag, derzufolge sie den Sprecher stellen dürfen. Davon will die SPD nichts oder nichts mehr wissen; für Wirtschaftsminister Nils Schmid ist es offenbar nicht leicht, in seinem eigenen Geschäftsbereich einen Grünen als Vormann zu akzeptieren.

Bis zum Donnerstag muss ein Kompromiss gefunden sein; gedacht wird beispielsweise an zwei gleichberechtigte Geschäftsführer. Ministerpräsident Kretschmann hält sich aus den Niederungen des Geschachers wie stets heraus. Ob es bei BWI auch um Parteienproporz gehe? Aber nein, versicherte er vor der Landespresse, das dürfe nicht sein", das muss man schon sachgerecht entscheiden". Ziel sei alleine eine "starke Führung".

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