Wirtschaftsjahr 2016 Von Abgasskandal bis Zukunftsauto

Der Abgasskandal hat  den VW-Konzern in die brisanteste Krise der Firmengeschichte gestürzt und  die gesamte Branche in Misskredit gebracht. Foto: dpa
Der Abgasskandal hat den VW-Konzern in die brisanteste Krise der Firmengeschichte gestürzt und die gesamte Branche in Misskredit gebracht. Foto: dpa

Welche Personen, Unternehmen und Ereignisse haben die Wirtschaft in diesem Jahr bestimmt? Wir erinnern an die prägenden Geschichten der vergangenen Monate.

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Abgasskandal Abgasskandal ist das Wort des Jahres in der Autoindustrie. Kein anderes Thema hat die Branche so umgetrieben und solche hohen Wellen geschlagen wie die Manipulation der Software zur Messung der Stickoxidemissionen von Dieselautos. Die Betrügereien haben den VW-Konzern in die brisanteste Krise der Firmengeschichte gestürzt und die gesamte Branche in Misskredit gebracht. Denn plötzlich wurde in der breiten Öffentlichkeit zum Skandal, was in Fachkreisen schon lange bekannt und auch gesetzlich erlaubt war: nämlich dass Autos im Straßenverkehr viel mehr Schadstoffe ausstoßen als auf dem Prüfstand.

Brexit Die Briten haben überraschend für den Brexit gestimmt: Fast 52 Prozent votierten für den EU-Austritt. Woher der Begriff Brexit stammt? Es ist ein Kunstwort aus Britain und Exit. Bremain – ein Verbleib (remain) Britanniens in der EU – konnte sich nicht durchsetzen. De facto raus sind sie noch nicht . . .

Cyberattacken Immer öfter geraten Unternehmen ins Visier von Cyberkriminellen: Yahoo erreicht dabei neue Dimensionen. Im September räumte der US-Konzern ein, dass bei einem Hackerangriff im Jahr 2014 die Daten von einer halben Milliarde Kunden gestohlen worden sind. Im Dezember erreichte die Zahl der Betroffenen bei einem weiteren Angriff auf Yahoo aus dem Jahr 2013 sogar eine volle Milliarde. Noch nie waren so viele Konten eines einzelnen Unternehmens betroffen. Irritierend ist auch, dass es Jahre dauerte, bis all dies öffentlich wurde.

Deutsche Bank Erfolg 2016: Nur fast sieben Milliarden Euro muss das Geldhaus für fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA zahlen. Gedroht hat die doppelte Summe. Unzählige Rechtsstreitigkeiten sind aber noch offen, auch der Verdacht von Geldwäsche in Russland.

Erbschaftsteuer Das war ein zähes Ringen: Bund und Länder haben sich im September nach eineinhalb Jahren Verhandlung auf eine Reform der Erbschaftsteuer geeinigt. Es geht dabei um die steuerliche Behandlung des Betriebsvermögens. Die Gespräche zogen sich in die Länge, weil für die Familienunternehmen in Deutschland viel auf dem Spiel steht. Klar ist, dass die Erben großer Familienunternehmen mehr Erbschaftsteuer zahlen müssen. Das Bundesverfassungsgericht hatte weitgehende Privilegien für Betriebsvermögen 2014 für verfassungswidrig erklärt. Auch künftig können Betriebsnachfolger verschont werden. Doch bei großen Familienunternehmen gilt das nur eingeschränkt. Schon jetzt äußern Experten Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Reform.

Freihandel Demonstriert wurde heftig – doch möglicherweise scheitern Vorhaben wie das Freihandelsabkommen TTIP eher an Widerständen der Regierenden. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat mehrfach kundgetan, dass er von einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU nichts hält, ebenso wenig von einem Abkommen mit asiatischen Staaten. Und auch Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel hat TTIP als „praktisch tot“ bezeichnet, auch aufgrund von Widerständen in seiner eigenen Partei. Es brauchte nicht den Brexit, um zu sehen, dass die Anhänger des Freihandels von Protektionisten in die Defensive gedrängt werden.

Gigaliner 25,25 Meter lang sind die Riesen-Lkw, die von Januar an fahren dürfen – sechseinhalb Meter länger als normale Lkw. Auch nach fünfjährigem Test sind die Gigaliner umstritten. Die Praxis wird zeigen, ob sie Sprit sparen und die Straßen entlasten.

Hugo Boss Jahrelang kannten Umsätze, Gewinne und Aktienkurse des Metzinger Modekonzerns Hugo Boss nur eine Richtung: aufwärts. Doch Anfang 2016 war damit Schluss. Konzernchef Claus-Dietrich Lahrs musste seinen Hut nehmen. Nachfolger Mark Langer will Boss 2017 wieder auf Kurs bringen.

Immobilienboom Es wird weiter kräftig gebaut. Treiber ist das extrem niedrige Zinsniveau. Baukredite sind so günstig wie seit Jahren nicht, während klassische Sparprodukte nichts abwerfen. Von absurden Preissprüngen vor allem in den Metropolen spricht die Bundesbank. Eine gefährliche Übertreibung erkennt sie noch nicht.

Jobwunder Die Flüchtlinge kommen am deutschen Arbeitsmarkt an. Doch unabhängig davon, dass viele zunächst arbeitslos bleiben, sinkt die Arbeitslosenquote weiter – der Konjunktur sei dank.

Kaiser’s Tengelmann Wenn zwei sich streiten, freut sich . . . in diesem Fall nicht der Dritte, sondern freuen sich die beiden Streithähne. Nach mehr als zwei Jahren voller Anfeindungen, Blockaden und Gerichtsprozessen einigen sich die Lebensmittelriesen Edeka und Rewe darauf, einen traditionsreichen Supermarkt-Zwerg aufzuteilen. Damit verschwindet Kaiser’s Tengelmann wie vorher Spar oder Plus vom deutschen Markt. Die Kunden haben weniger Auswahl, Lieferanten eine schwächere Verhandlungsposition und Konkurrenten geraten noch mehr ins Hintertreffen. Gut ist einzig, dass alle Jobs erhalten bleiben.

Lufthansa Lufthansa-Passagiere mussten 2016 erneut unter Flugausfällen leiden; mal waren die Piloten, mal war das Kabinenpersonal im Ausstand. Bei den Piloten soll es ein Schlichter richten, der Konflikt mit dem Kabinenpersonal ist gelöst – anders als bei der Billigtochter Eurowings.

Milchkrise Sinkende Milchpreise machen den Bauern zu schaffen. Zur Mitte des Jahres erreichte der Erzeugerpreis bei 24 Cent pro Kilogramm seinen Tiefststand. Bis November ist er zwar wieder auf 33 Cent gestiegen, liegt aber immer noch unter dem betriebswirtschaftlich notwendigen Mindestpreis von 35 Cent. Um das Überangebot am Milchmarkt in den Griff zu bekommen, zahlt die EU Bauern sogar 14 Cent für jedes Kilo, das sie im Vergleich zum Vorjahr nicht produzieren.

Note 7 Kurz nach der Markteinführung ruft Samsung sein Top-Smartphone Galaxy Note 7 zurück – Geräte sind in Brand geraten. Auch die Austauschgeräte sind nicht sicher, das Image-Debakel für Südkoreas Vorzeigekonzern ist perfekt. Das Modell wird vom Markt genommen.

Opec So etwas gab es noch nie: Im Kampf gegen die niedrigen Ölpreise, die den Haushalt von so manchem Förderstaat belasten, haben die Mitglieder der Opec und Produzenten außerhalb dieses Kartells Förderkürzungen vereinbart. Wird 2017 also ein Jahr steigender Ölpreise? Wohl eher nicht. Denn was Länder wie Saudi-Arabien oder der Iran sagen und tun, ist üblicherweise nicht dasselbe. Und dann stehen in den USA auch noch die Schieferölproduzenten parat, ihre Förderung wieder hochzufahren. Das lohnt sich erst ab 55 Dollar pro Barrel – eine Grenze, die in greifbarer Nähe ist. Legen sie wieder richtig los, dürfte das den anderen Ölförderern einen Strich durch die Rechnung machen.

Patentkönig Der Sohn des Schwarzwalds hatte immer Sinn für das Praktische – und ein praktischer Helfer hat Artur Fischer auch berühmt gemacht: der Fischer-Dübel. Erfunden hat er aber auch ein Blitzlicht für Fotoapparate. Insgesamt hatte er mehr als 1000 Patente und Gebrauchsmuster vorzuweisen. Doch so sehr er auf technische Neuerungen sann – er war ein Vertreter oft als konservativ verspotteter Werte wie Fleiß und Sparsamkeit. Und er war mehr als ein reiner Unternehmer – der im Januar verstorbene Fischer war auch Maler. Oft waren es Bilder des schwarzen Waldes mit leichtem Hang zum Abstrakten.

Qualitätsmängel Qualitätsmängel der Airbags des japanischen Zulieferers Takata haben eine ­Rekord-Rückrufaktion ausgelöst. Bis zum Jahresende wurden weltweit rund 100 Millionen Autos in die Werkstätten gerufen oder ein Rückruf für die kommenden Jahre angeordnet, weil durch einen fehlerhaften Zündmechanismus Metallteile wie Granatsplitter durch das Auto fliegen können.

Revival von Borgward Das Revival der Marke Borgward ist ein kühnes Experiment. Ein chinesischer Lkw-Hersteller finanziert den Start von Geländewagen, die der einstigen Bremer Kultmarke Borgward zur Wiedergeburt verhelfen sollen, obwohl Design und Technik völlig unterschiedlich sind. Nur das Markenzeichen – ein Rhombus – verbindet die chinesischen Wagen mit der legendären „Isabella“.

Stahlkrise Die deutsche Stahlindustrie steht kopf – wegen China. Die Volksrepublik exportiert ihren überschüssigen Stahl zu Dumpingpreisen, überschwemmt damit den Rest der Welt. Angst um Jobs und Proteste waren hierzulande die Folge.

Trump USA 2016 in 140 Tweet-Zeichen: @therealDonaldTrump befördert #Milliardäre und #WallStreet-Haie. Die #Loser: Klima, Umwelt, Arbeitnehmer, #Freihandel und #Fairness. Sad!!

Übernahme Bayer hat bei Monsanto nicht lockergelassen und sein Angebot nachgebessert. Im Endeffekt hat der deutsche Chemieriese 59 Milliarden Euro für den US-Konzern gezahlt. Niemals zuvor hat ein deutsches Unternehmen mehr für eine Übernahme ausgegeben. Dagegen liest sich die Akquisition von Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea bescheiden. Mit 4,6 Milliarden wurden die Augsburger bewertet. Der Aufruhr war dafür ungleich höher. Vom Ausverkauf deutscher Technologie war die Rede. Der Verkauf des Maschinenbauers Aixtron an Chinesen wurde denn auch verboten – vom US-Präsidenten.

Virtual Reality Nichts bewegt die Technik-Enthusiasten mehr als die virtuelle Wirklichkeit – auch Virtual Reality (VR) genannt. Sony, HTC, Oculus und Samsung bringen neue Brillen und Zubehör auf den Markt, mit denen die Nutzer erstmals zu erschwinglichen Preisen in neue (Spiele-)Welten eintauchen können, die wie echt erscheinen. Doch nicht nur die Hersteller sehen in der Technik ein enormes Potenzial: Mit ihr können Architekten virtuell Häuser und Autobauer neue Modelle planen.

Währungskrieg Für ihre Niedrigzins-Politik hat die Europäische Zentralbank viel Kritik geerntet. Um die Wirtschaft anzukurbeln, pumpt sie Milliarden in die Märkte und kauft massiv Staatsanleihen. Das hat Folgen: der Euro-Kurs sinkt. Durch die Abwertung können deutsche Firmen ihre Produkte im Ausland billiger verkaufen, Importe werden teurer. Fürs internationale Klima ist die Entwicklung nicht gut: Weil Länder wie China bei der Abwertung nachziehen, ist die Rede vom Währungskrieg.

Xenios Xenios, Hersteller von künstlichen Lungen in Heilbronn, bekam im ­November einen neuen Eigentümer. Der Zukunftsfonds Heilbronn verkaufte die Firma mit ihren 260 Mitarbeitern und einem Umsatz von 36 Millionen Euro an Fresenius Medical Care.

Yellen Man darf gespannt sein, wie sich dieses Duell im kommenden Jahr entwickelt: Auf der einen Seite steht die mächtige Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, auf der anderen der noch mächtigere US-Präsident Donald Trump. Er kündigt ein Konjunkturprogramm an, um Amerikas Wirtschaft wieder groß zu machen – sie sagt, das sei nicht nötig, und nimmt eine beschleunigte Anhebung der Leitzinsen ins Visier.

Zukunftsauto Wer an das Auto der Zukunft denkt, denkt an zwei Trends: an automatisiertes Fahren und an elektrisches Fahren. Es ist vor allem eine Marke, die bei Fans für das neue Fahrgefühl steht – Tesla. Der US-Konzern fährt auf Erfolgskurs – auch der tödliche Unfall in den USA Mitte 2016 konnte das Image des Pioniers nicht nachhaltig trüben. Nicht nur Tesla, auch alle anderen Hersteller sind autonom und elektrisch unterwegs.

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