Wirtschaftslage im Rems-Murr-Kreis Stimmung bei Unternehmen getrübt

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„Zehn gute Jahre gehen zu Ende“, sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr. Die Unternehmen im Kreis sehen oder erwarten ein Ende des Wirtschaftsbooms.

IHK-Bezirkskammer-Präsident Claus Paal ist verhalten optimistisch. Foto: dpa/Marijan Murat
IHK-Bezirkskammer-Präsident Claus Paal ist verhalten optimistisch. Foto: dpa/Marijan Murat

Rems-Murr-Kreis - Eine Krise will niemand herbeireden, aber die Stimmung bei den Unternehmern im Rems-Murr-Kreis hat sich „zuletzt merklich eingetrübt“. Das liest Claus Paal, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr, aus der jüngsten Konjunkturfrage der Bezirkskammer heraus. Noch im Frühjahr seien Lage- und Zukunftseinschätzung der Firmenchefs erheblich besser gewesen, nun seien „deutliche Bremsspuren“ zu erkennen. Paal: „Zehn gute Jahre gehen zu Ende.“

Automobilindustrie im Strukturwandel

Die Gründe für die unvermutet rasche Konjunkturabkühlung liegen nach Ansicht des Bezirkskammer-Präsidenten in der „Gleichzeitigkeit von Entwicklungen“. Besonders deutlich sei dies in der Automobilindustrie zu beobachten. Heute und auch in nächster Zeit würden die Autofahrer noch einen konventionellen Verbrennungsmotor nachfragen – Paal schätzt, dass dies noch mindestens 20 Jahre der Fall sein wird. Gleichzeitig müssten die Firmen massiv in die Entwicklung alternativer Antriebe investieren, ohne auf die bewährten Geschäftsmodelle verzichten zu können, mit denen sie heute ihr Geld verdienen. Ähnlich ergehe es auch vielen Unternehmen anderer Branchen mit der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen.

„Diese Situation und die Verunsicherungen, die durch weltweite Handelshemmnisse, Handelsstreitigkeiten und Brexitunsicherheit vorherrschen, bilden eine ungute Melange, die viele Unternehmen belastet“, so Paal.

Die Gefühlslage spiegelt sich in dem IHK-Konjunkturklimaindex wider, der die Lageeinschätzung und die Erwartungen der befragten Unternehmen in einem Wert zusammenfasst. Dieser fiel von 125 Punkten im Frühsommer auf nun nur noch 99 Punkte und liegt damit so tief wie Anfang des Jahres 2010.

Das Hauptrisiko für eine weitere Abschwächung der Konjunktur wird in der Entwicklung der Inlandsnachfrage gesehen. Vor Jahresfrist stand diese Sorge noch auf Platz 3. Lange Zeit relativ unangefochtener „Spitzenreiter“ war der Fachkräftemangel, der nach Einschätzung von Paal aber „mit Sicherheit wieder nach oben rücken wird, wenn sich die konjunkturelle Lage entspannt“.

Im Handel sieht es noch besser aus

Etwas besser als die Gefühlslage in den Industrie- und Maschinenbauunternehmen des Rems-Murr-Kreises scheint jene im Handel zu sein. Zwar habe sich das Stimmungsbild zur aktuellen Geschäftslage im Vergleich zur vorigen Umfrage verschlechtert, zugleich aber die Einschätzung zur künftigen Geschäftsentwicklung verbessert. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Konjunkturabschwächung bisher kaum auf den Arbeitsmarkt und damit auf die Konsumbereitschaft ausgewirkt habe, so die IHK.

„Kein Wirtschaftsboom währt ewig“, lautet Claus Paals Fazit. Vieles werde davon abhängen, wie die weltweiten Unsicherheiten entschärft oder gelöst werden könnten und ob die Automobilindustrie den Strukturwandel positiv bewältige. Vor allem in letzterem Punkt zeigt sich der IHK-Präsident zuversichtlich, die heimische Wirtschaft habe bisher jeden Wandel gut gemeistert. „Die Gefahr ist nur, dass Bestehendes schneller zerstört wird als dies für die Unternehmen verkraftbar ist, um den Wandel zu überbrücken.“