Wirtschaftslage in Esslingen Unternehmen trotz Coronakrise vorsichtig optimistisch

Auch der Einzelhandel klagt über fehlende Umsätze in Corona-Zeiten – viele sehen als Grund dafür vor allem die Maskenpflicht. Foto: Roberto Bulgrin

Die derzeitige Lage ist für viele Unternehmen schwierig. Doch eine aktuelle Umfrage von Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zeigt, dass die örtlichen Firmen wieder etwas Hoffnung für die nähere Zukunft haben.

Esslingen - Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen hart getroffen – auch in Stadt und Kreis Esslingen. Doch trotz der schwierigen Lage sehen einige Betriebe in der Stadt auch wieder Licht am Ende des Tunnels. Eine aktuelle Blitzumfrage von städtischer Wirtschaftsförderung und Esslinger Stadtmarketing zeigt, dass die Firmen für die nähere Zukunft nicht völlig schwarz sehen. Allerdings ist die Stimmung nur sehr verhalten optimistisch angesichts der Gefahr weiterer Infektionswellen und der Befürchtung, dass internationale Handelshemmnisse weiter verstärkt werden könnten.

 

Damit sind die Esslinger Firmen in guter Gesellschaft: Auch die Prognosen für die globale sowie bundesweite Entwicklung sind wieder optimistischer. Die Talsohle scheint vorerst durchschritten zu sein. So geht etwa der Sachverständigenrat, der die gesamtwirtschaftliche Entwicklung begutachtet, davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie im Lauf des Jahres 2021 kompensiert werden könnten. Und laut einer Konjunkturumfrage des ifo-Instituts hoffen die Unternehmen auf eine Normalisierung ihrer Geschäftslage bis Jahresende.

Im Kreis Esslingen sieht man sich derzeit noch fest im Griff von Corona. Laut dem Konjunkturklimaindex der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen hält fast die Hälfte der Unternehmen im Landkreis (47,7 Prozent) die aktuelle Lage für schlecht. Und mehr als die Hälfte der Firmen (51,6 Prozent) glauben, dass sich die Geschäftslage noch weiter verschlechtert. Als größtes Risiko sieht man neben der Corona-Pandemie die mangelnde Nachfrage, sowohl im Inland als auch im Ausland.

Trotzdem wird in der Stadt Esslingen nach wie vor in gewerbliche Bauvorhaben investiert. Man rechnet hier bis Jahresende mit einer Annäherung an das Vorjahresniveau. Auch die Anzahl der neu angemeldeten Gewerbe bleibt auf hohem Niveau – allerdings stieg auch die Zahl der Abmeldungen. Letzteres hat laut dem Wirtschaftsförderer Marc Grün nicht nur mit der Coronakrise zu tun. Vielmehr habe mit der schlechteren Konjunkturentwicklung 2019 eine Marktbereinigung eingesetzt, die nach der langen Boomphase zu erwarten gewesen sei. Die Coronakrise habe die Wirkung der Konjunkturabkühlung allerdings enorm gesteigert.

Trotz der schwierigen Situation und großen Unsicherheiten äußern sich die Unternehmen in der Esslinger Blitzumfrage vorsichtig optimistisch. So erwartet etwa die Hälfte der Befragten für 2020 maximal einen Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings rechnen auch fast 30 Prozent mit einem Rückgang von 25 bis 50 Prozent und gut zehn Prozent mit Einbußen von mehr als 50 Prozent.

Aktuell beobachtet gut ein Fünftel der Esslinger Firmen, dass nach dem Ende des Lockdowns mehr als 50 Prozent der üblichen Umsätze ausbleiben. Bei fast einem Viertel der Betriebe beträgt das Minus zwischen 25 und 50 Prozent und bei einem weiteren Viertel weniger als 25 Prozent. Knapp 20 Prozent der Betriebe können keine Veränderung feststellen, sieben Prozent verzeichnen sogar Umsatzsteigerungen. Als größte Umsatzbremse haben die befragten Firmen die mangelnde Nachfrage ausgemacht: 56,8 Prozent der Befragten benannten als Faktor, der die Umsatzentwicklung am meisten beeinträchtige, die fehlende Konsumentennachfrage sowie fehlende oder zurückgestellte Aufträge.

Positiv für Arbeitnehmer: Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen (77,6 Prozent) gaben an, aktuell keine Entlassungen zu planen und ihre Mitarbeiter halten zu wollen. Rund 20 Prozent der Firmen mussten nach eigenen Angaben krisenbedingt Mitarbeiter entlassen, meist aber weniger als fünf Beschäftigte. Gut fünf Prozent der Befragten wollen demnächst zusätzliches Personal einstellen.

Dazu passt, dass ein Großteil der Unternehmen Unterstützungen wie Soforthilfen von Bund und Land, Kurzarbeitergeld und die Möglichkeit zur Steuerstundung als hilfreich bezeichnet. Als sinnvolle Hilfen der Stadt Esslingen wurden vor allem gebündelte Informationen, die Unterstützung bei Anfragen und Nachlässe bei Steuern und Gebühren gesehen. Allerdings wünscht man sich in der Coronakrise noch weitergehende Unterstützung, etwa durch Sonderveranstaltungen für lokale Händler und Dienstleister oder die Stärkung des regionalen Einkaufs und der lokalen Auftragsvergabe. Im Rathaus werde man diese Anregungen aufnehmen, verspricht Wirtschaftsförderer Grün. Man könne aber nicht versprechen, sie eins zu eins umzusetzen: „Auch hier gilt es immer, Interessen abzuwägen.“ Wichtig sei es ihm aber, Impulse aus der Wirtschaft aufzunehmen und in die Entscheidungsprozesse einzubringen.

Umfrage: An der Umfrage der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH und der Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung unter Esslinger Firmen beteiligten sich 340 Unternehmen. Das entspricht etwa 8,5 Prozent der Esslinger Betriebe. Fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer kommt aus dem Bereich Groß- und Einzelhandel sowie aus dem Dienstleistungssektor (jeweils 24,8 Prozent). Die drittgrößte Gruppe stellt mit 12,6 Prozent das verarbeitende Gewerbe. Die Umfrage erfolgte zwischen dem 22. Juni und dem 29. Juni auf digitalem Wege.

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