Wirtschaftsprüfer Keine Spur von Hektik bei Firmenkäufen

Von  

Um den Kaufpreis bei Übernahmen wird heftig gerungen, beobachten die Wirtschaftsprüfer von Ebner Stolz – obwohl angesichts der niedrigen Zinsen Anlagenotstand herrscht.

  Foto: www.bilderbox.com
  Foto: www.bilderbox.com

Stuttgart - Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz erhält immer mehr Aufträge im Zusammenhang mit geplanten Käufen und Verkäufen von Unternehmen. Im vorigen Jahr ist die sogenannte Transaktionsberatung nach Angaben der beiden Partner Wolfgang Russ und Bernhard Steffan zweistellig gewachsen, und sie wird nach ihren Erwartungen auch in diesem Jahr Wachstumsträger sein. Dabei prüfen die Stuttgarter unter anderem Jahresabschlüsse, erstellen Bewertungsgutachten und nehmen Sonderprüfungen vor. Für die Partner ist das Wachstum kein Anzeichen eines überhitzten Marktes, auf dem Unternehmen mit Geld in der Kasse angesichts fehlender Anlagealternativen um jeden Preis einen Deal durchziehen wollen. Mindestens die Hälfte aller Pläne scheitert, sagt Russ mit Blick auf die eigenen Erfahrungen.

Die Zahl der börsennotierten Unternehmen schrumpft

Nach seiner Beobachtung schauen die Beteiligten sehr genau aufs Geld, verlangen nach erfolgten Prüfungen die Neuverhandlung des Kaufpreises – und lassen das Geschäft im Zweifel platzen. „Diese Entwicklung zeigt die Reife der Märkte“, sagt Russ, der sich gut an die vielfach übertriebenen Bewertungen nach der Jahrtausendwende erinnert, kurz bevor die Dotcom-Blase platzte. Ebner Stolz richtet sich auf die mittelständische Kundschaft aus, berät aber auch strategische Investoren und Private-Equity-Unternehmen.

Die siebtgrößte deutsche Prüfungsgesellschaft hat in der Vergangenheit häufig davon profitiert, dass es Unternehmen an die Börse zieht. Diese Zeiten sind vorbei, nach Schätzung von Russ schrumpft die Zahl der börsennotierten Unternehmen tendenziell. So ist zum Beispiel der Pressenhersteller Schuler aus Göppingen im Zuge der Übernahme durch die österreichische Andritz-Gruppe von der Börse geholt worden, und der Maschinenbauer Homag ist seit der Übernahme durch den Lackieranlagenbauer Dürr kein selbstständiges Unternehmen mehr. Als einziges und bisher letztes börsennotiertes Unternehmen ist im vorigen Jahr der Alufelgen-Hersteller Uniwheels aus Bad Dürkheim neu Kunde von Ebner Stolz geworden.

Die Steuerberatung dominiert

Einen gewissen Ausgleich erhalten die Wirtschaftsprüfer durch eine EU-Neuregelung, die bei sogenannten Unternehmen von öffentlichem Interesse (Pie – Public interest entity) verschärfte Anforderungen an die Abschlussprüfung stellt.

Insgesamt hat Ebner Stolz im vergangenen Jahr den Umsatz um 4,7 Prozent auf 167,8 Millionen Euro ausgeweitet. Dieses Wachstum streben Russ und Steffan auch in diesem Jahr an. Größtes Geschäftsfeld ist die Steuerberatung mit einem Umsatz von 66,3 Millionen Euro, der zuletzt indes nur schwach gewachsen ist – wenngleich die geplante Erbschaftsteuerreform zu einem erhöhten Beratungsbedarf bei der Kundschaft geführt hat. Am stärksten gewachsen ist die Wirtschaftsprüfung unter Einrechnung der Transaktionsberatung: auf 57,7 (Vorjahr: 53,3) Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten ist auf 1200 (Vorjahr: 1150) Männer und Frauen gestiegen.

PwC zieht sich aus Nordbaden zurück

Vom 1. Juli an wird Ebner Stolz auch in Karlsruhe vertreten sein, dem mittlerweile 15. Standort. Die Stuttgarter übernehmen dabei Teile des Personals der großen Prüfungsgesellschaft PwC, die sich aus Nordbaden zurückzieht. Ebner Stolz will damit nicht nur die wachstumsstarke Region um Karlsruhe besser erschließen, sondern auch das angrenzende Frankreich. Die Beratungsgesellschaft sieht sich damit in Deutschland gut vertreten und würde lediglich in Ostwestfalen (Region um Bielefeld) aktiv werden, sofern sich dort eine Gelegenheit zum Aufbau eines Standorts bieten würde. Zudem halten Russ und Steffan die Stadt Solingen nicht ganz für ideal, um von dort aus Kunden in Düsseldorf zu betreuen. Stärker im Auge haben die beiden aber die internationale Ausrichtung, die nach ihrer Ansicht noch wichtiger werden wird. So besteht zum Beispiel bereits ein sogenannter China Desk mit drei Personen zur Betreuung chinesischer Investoren.