Wirtschaftsstandort Bad Cannstatt Weitere Aufregung um geplante Fußgängerzone

In der Seelbergstraße in Bad Cannstatt wird häufig auf beiden Seiten geparkt – obwohl dies verboten ist. Foto: Alexander/üller

Die geplante Umwandlung der Seelbergstraße sorgt weiter für Aufregung. Auch das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern stellt sich die Frage, ob dies noch der richtige Standort ist.

Die Kritik reißt nicht ab. Nach dem Radiologie-Zentrum Stuttgart kritisiert nun mit dem Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) der zweite große Anrainer die in Teilen geplante Umwandlung der Seelbergstraße in Bad Cannstatt in eine Fußgängerzone. „Sollte in Zukunft keine Be- und Entladung mehr möglich sein, stellt sich auch für uns die Standortfrage“, betont Geschäftsführer Hannes Spielbauer.

 

Viele Falschparker – bis zu 3000 Strafzettel im Jahr

Das gesamte Bahnhofsviertel soll im Hinblick auf die Fußball-EM 2024, bei der auch Spiele in Stuttgart stattfinden, aufgewertet werden. Knapp sechs Millionen Euro hat die Stadt bereitgestellt, unter anderem soll der westliche Teil der Seelbergstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt werden, zum Beispiel um die vielen Falschparker – rund 3000 Strafzettel im Jahr – in der 200 Meter langen Einkaufsstraße noch härter bestrafen zu können.

Daraufhin hatte das Radiologische Zentrum bereits für sich die Frage aufgeworfen, ob für die oftmals in ihrer Mobilität eingeschränkten Patienten die 200 Meter lange Einkaufsstraße durch den Wegfall der Kurzzeitparkplätze noch der richtige Standort ist. Ins gleiche Horn stößt nun das benachbarte BKI.

Rund 40 000 Kundensendungen pro Jahr

Der Zentraldienstleister von Fachbüchern, Software und Internetproduktionen hat rund 60 000 Kunden in Architektur- und Planungsbüros in ganz Deutschland. Seit 1996 mit Sitz in Bad Cannstatt, seit einigen Jahren in der Seelbergstraße. Rund 40 000 Kundensendungen – unter anderem Fachbücher oder CDs – werden pro Jahr versendet. „Diese müssen natürlich vorher zu uns angeliefert werden“, sagt Spielbauer. Das beinhalte bis zu 200 Pakete am Tag und auch große Paletten mit bis zu 10 000 Büchern. „Das kann sicher nicht nur am frühen Morgen oder am späten Abend durch die Logistikdienstleister gewährleistet werden“, so der Geschäftsführer.

Aufwertung des Bahnhofsviertels auch ohne Fußgängerzone möglich

Sollte durch die neue Fußgängerzone eine dauerhafte Anlieferung und Versand in der Seelbergstraße daher nicht mehr möglich sein, müsse sich auch das BKI mit dem Standort Bad Cannstatt beschäftigen. Daher fordert Spielbauer von der Kommunalpolitik, die Anrainer in die bestehenden Planungen im Vorfeld mit einzubinden – ansonsten könnten weitere wichtige Arbeitsplätze vor Ort vernichtet werden. Die Aufwertung des ganzen Areals wäre nach BKI-Position grundsätzlich ein Zugewinn, dies müsse jedoch nicht zwingend durch eine Umwandlung zur Fußgängerzone realisiert werden.

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