Wissenschaftler Forschen und Netzwerken

Von Anja Schreiber 

Dem Unbekannten auf die Spur kommen und Neues entdecken: das ist die Motivation von Forschern. Wer sich für den Beruf des Wissenschaftlers entscheidet, hat einen steinigen Weg vor sich.

Forschen ist nur ein Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit. Veröffentlichen, Präsentieren und das Vernetzen mit anderen Forschern sind ebenso wichtig für die Karriere. Foto: Fotolia
Forschen ist nur ein Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit. Veröffentlichen, Präsentieren und das Vernetzen mit anderen Forschern sind ebenso wichtig für die Karriere. Foto: Fotolia

Die 29-jährige Dr. Maren Podszun hat Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim studiert. 'Währenddessen entdeckte ich meine Leidenschaft für die Forschung', berichtet die junge Frau. Inzwischen hat sie ihre Dissertation im Fachgebiet 'Biofunktionalität und Sicherheit der Lebensmittel' abgeschlossen. 'Das Besondere an der Wissenschaft ist, dass man nie weiß, was am Ende herauskommt', betont Podszun. 'Bei meiner Laborarbeit funktionieren viele Versuche nicht auf Anhieb, aber wenn es klappt und man ein weiteres Puzzleteil gefunden hat, ist es unglaublich faszinierend.' Noch ist Maren Podszun als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität angestellt. Wenn die Stelle ausläuft, will sie zunächst einmal ins Ausland gehen. 'Ich werde mich in den USA, aber auch weltweit um eine Postdoc-Stelle bewerben.'

Als Vorstandsmitglied des Promovierendenkonventes an der Uni Hohenheim kennt sie die Situation der Doktoranden und Postdocs genau. So gibt es für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Regel nur befristete Stellen. 'Außerdem verdienen wir an der Uni weniger Geld als Akademiker, die in der Wirtschaft arbeiten.' Ihr selbst waren diese Nachteile bewusst, als sie sich für diesen Weg entschieden hat. Die Motivation dafür erklärt sie so: 'Mich interessiert mein Thema brennend.' Deshalb nimmt sie vieles in Kauf, weiß sie doch auch um die Vorteile.

Viele Jahre Unsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnisse

Denn die Wissenschaft bietet die Möglichkeit, eigenen Forschungszielen nachzugehen und selbstständig Entdeckungen zu machen. Auch Jutta Dietrich, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart, verweist auf die Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs: 'Wer in die Forschung will, muss erst einmal promovieren. Häufig finanzieren sich Doktoranden durch eine halbe Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiter. Währenddessen verdienen andere frisch­gebackene Akademiker schon richtig Geld.' Auch nach der Promotion seien befristete Beschäftigungen die Regel. Dabei liegen die Gehälter unter denen der Wirtschaft. 'Da die Zahl der Professorenstellen bekanntlich gering ist, kann nicht jeder entsprechend Qualifizierte tatsächlich zum Hochschullehrer berufen werden', betont die Berlinerin Dr. Monika Klinkhammer. Sie berät und coacht deutschlandweit Wissenschaftler. 'Oft stehen vor der Berufung zum Professor viele Jahre Unsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnisse.'

Diese Art der Beschäftigung habe auch Auswirkungen auf die Familienplanung und das Leben in einer Partnerschaft. 'So ein Leben pendelt im Hinblick auf die berufliche Identität zwischen W 3 und Hartz IV und ist mit vielen Ortswechseln verbunden.' Um in der Wissenschaft eine Chance zu haben, brauchen Nachwuchskräfte aber nicht nur fachliche Exzellenz, sondern noch andere Kompetenzen. 'Wichtig ist, seine Arbeit auf wissenschaftlichen Tagungen präsentieren zu können', berichtet Klinkhammer. Denn damit macht man sich in der Scientific Community bekannt. Außerdem bieten solche Veranstaltungen die Möglichkeit, andere Forscher kennenzulernen und sich zu vernetzen. 'Das kann ein entscheidender Vorteil bei der Stellensuche sein, weil auf diesem Wege Doktoranden von offenen Stellen in ihrem Forschungsbereich erfahren.' Deshalb sei Netzwerken eine wichtige Kompetenz. Außerdem rät Klinkhammer, schon als Promovierender neben der eigentlichen Doktorarbeit weitere Forschungsergebnisse zu publizieren.

'Die Anzahl und Qualität der Publikationen ist ein wichtiger Faktor für die weitere Karriere.' Netzwerken und Publizieren - das hält auch Jutta Dietrich für besonders wichtig, genauso wie die Bereitschaft zur Mobilität. 'Wissenschaftler müssen über den Tellerrand des eigenen Landes hinausschauen und internationale Erfahrungen sammeln.' Um einen Einstieg in die Scientific Community zu finden, empfiehlt sie Studierenden, schon während des Studiums erste Schritte in Richtung Forschung zu gehen: 'Am besten arbeiten sie als wissenschaftliche Hilfskraft oder als Tutor an der Universität.' Neben sehr guten Leistungen sei das auch eine gute Ausgangsvoraussetzung, um später eine Promotionsstelle zu finden. Inzwischen gibt es immer mehr Bemühungen, Promovierende intensiver zu unterstützen.

Befristungen gehören der Vergangenheit an

So hat sich zum Beispiel die Universität Hohenheim selbst verpflichtet, ihre Arbeitsbedingungen für den wissenschaft­lichen Nachwuchs zu verbessern. 'Sehr kurze Befristungen von wenigen Monaten gehören der Vergangenheit an', berichtet Prof. Dr. Stephan Dabbert, Rektor der Universität Hohenheim. 'Außerdem werden wir eine Graduiertenakademie einrichten.' Dafür erarbeitet die Hochschule zusammen mit Vertretern des Promovierendenkonvents zurzeit ein Konzept. 'So wollen wir einen organisatorisch einheitlichen Rahmen schaffen und so die Prozesse für Doktoranden vereinfachen.'

Ab Herbst soll zudem ein weiterführendes Konzept für die Postdoc-Phase entwickelt werden. Auch wenn die Universität Hohenheim die Situation der Nachwuchswissenschaftler verbessern will, ist sich Dabbert darüber klar, wie risikoreich der Weg zum Hochschullehrer ist. 'Sinnvoll ist es in jedem Fall, sich über berufliche Alternativen zu informieren, zum Beispiel über die Arbeit im Wissenschaftsmanagement. Das ist eine wissenschaftsnahe Tätigkeit, für die man unbedingt Erfahrung als Forscher braucht.' Aus seiner eigenen Erfahrung kann Dabbert junge Leute nur ermutigen, die Augen nach Chancen offen zu halten: 'Ich selbst bin nach der Wende in die neuen Bundesländer gegangen. Ich wurde dort Leiter des Instituts für Sozioökonomie am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung.' Das war ein wichtiger Baustein für seine wissenschaft­liche Karriere.