Witterung Südwest-Bauern beklagen hohe Ernteausfälle

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Durch die Wetterkapriolen in diesem Jahr sind Schäden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden. Betroffen sind vor allem die Obstbauern am Bodensee. Äpfel könnten um bis zu 15 Prozent teurer werden. Die Bauern fordern nun die Hilfe der Politik.

Besonders die  Apfelbauern am Bodensee verzeichneten in diesem Jahr  eine schlechten Ernte. Foto: BayWa
Besonders die Apfelbauern am Bodensee verzeichneten in diesem Jahr eine schlechten Ernte. Foto: BayWa

Stuttgart - Die Bauern in Baden-Württemberg beklagen wegen der extremen Wetterlagen im vergangenen Landwirtschaftsjahr teilweise dramatisch hohe Ernteausfälle. Es seien Schäden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden, sagte der Präsident des Bauernverbandes in Baden-Württemberg, Joachim Rukwied. Besonders getroffen habe es die Obstbauern am Bodensee, sagte Rukwied, der auch Präsident des Deutschen Bauernverbandes ist. Äpfel könnten dadurch zwischen zehn und 15 Prozent teurer werden. Auch bei anderem Kernobst wie Birnen seien Preissteigerungen zu erwarten. Das vergangene Landwirtschaftsjahr, dessen Ernte derzeit eingebracht wird, dauerte bis zum 30. Juni und war geprägt von Wetterkapriolen wie Fröste Ende April oder eine Hitzewelle mit Trockenheit im Juni. Im Laufe der Ernte hatte es zudem Nässeperioden gegeben, so dass die Ernte teilweise nicht eingebracht werden konnte.

Besonders betroffen sind Obstbauern im Lande

„Die Bauern im Südwesten sind aber nochmals mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Rukwied. Die Schäden seien weniger stark gewesen als im Bundesdurchschnitt. Besonders getroffen haben die Witterungsextreme nach Angaben des Bauernverbandes die Obstbauern im Lande. So seien beim Kernobst von rund 11 000 Hektar Anbaufläche mindestens 4500 Hektar stark beschädigt worden.

Neben den Obstbauern haben auch die Winzer stark unter den Witterungsverhältnissen gelitten. Auf etwa einem Viertel der Flächen habe es starke Schäden gegeben, erklärte der Bauernpräsident. Dabei habe es allerdings teilweise gravierende Unterschiede in derselben Gemeinde gegeben. Manche Weingärtner hätten kaum Schäden zu verzeichnen gehabt. In ungünstigeren Lagen gebe es dagegen nur zehn Prozent der üblichen Ernte. Insgesamt würden in Baden-Württemberg zwar wohl deutlich weniger Trauben geerntet, wenn aber noch einige kühle Nächte kämen, könne der Wein durchaus noch von herausragender Qualität werden. Preissteigerungen durch eine geringere Traubenernte erwartet Rukwied indes nicht. Dann werde eben mehr Wein importiert, so dass der Druck auf die Preise bleibe, erklärte der Bauernpräsident weiter.

Krischen waren wegen der schlechten Ernte um bis zu 20 Prozent teurer geworden

Eine ähnliche Entwicklung hatte es bereits bei Kirschen gegeben. Diese waren wegen der schlechten Ernte im Inland um bis zu 20 Prozent teurer geworden. Aufgrund zusätzlicher Einfuhren aus Spanien und der Türkei waren die Preissteigerungen aber nur von kurzer Dauer gewesen. Bei Kirschen war die Ernte um bis zu 50 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres gelegen, bei Erdbeeren um bis zu 20 Prozent. Auch wegen der teilweise großen Unterschiede zwischen den Preisen, die die Bauern erhalten, und der Preise im Lebensmitteleinzelhandel möchten befragte Landwirtschaftsexperten nicht direkt von der Erntemenge auf die künftigen Preise für die Kunden in den Geschäften schließen. In der Gegend um Tettnang haben die Betriebe, die oft Mischbetriebe sind, nach Angaben des Hopfenpflanzerverbandes Tettnang zwar unter der schlechten Obsternte gelitten, können aber immerhin eine wenigstens durchschnittliche Hopfenernte erwarten.

Die Bauern verdienen wieder mehr mit Milch und Schlachtschweinen

Für eine Prognose zur Einkommensentwicklung im vergangenen Landwirtschaftsjahr sei es noch zu früh, meinte Rukwied. Immerhin würden die Bauern aber inzwischen wieder mehr für Milch und Schlachtschweine bekommen. Die Milchpreise hatten ihren Tiefpunkt im Juni 2016 bei nur noch 24 Cent pro Liter erreicht, inzwischen werden wieder etwa 36 Cent bezahlt. Der Preis für Schlachtschweine liegt inzwischen bei 1,70 Euro je Kilogramm. Die Steigerungen bei den Preisen für Milch und Fleisch führt der Bauernverband ganz wesentlich auf die gestiegene Nachfrage insbesondere in China zurück.

Die Politik müsse steuerliche Möglichkeiten schaffen, die großen Preisschwankungen bei den Landwirten in den verschiedenen Jahren zu „glätten“, sagte Rukwied. Außerdem forderte der Bauernpräsident, die Zahl der Produkte, die gegen Frost versichert werden können, zu erhöhen. Bis jetzt ist das nur bei Wein und Erdbeeren der Fall.