WLB in Esslingen Der Blick geht oft in die Vergangenheit

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Friedrich Schirmer kehrt ans Esslinger Theater zurück. Das Programm seiner ersten Spielzeit steht. Ganz frei von Unsicherheiten und Zweifeln ist der Intendant jedoch noch nicht.

Angst hat Friedrich Schirmer nicht vor dem neuen alten Posten – aber Respekt. Foto: HorstRudel
Angst hat Friedrich Schirmer nicht vor dem neuen alten Posten – aber Respekt. Foto: HorstRudel

Esslingen - Jetzt ist er also tatsächlich wieder da, dort, wo seine Karriere vor knapp dreißig Jahren begann. Offiziell wird Friedrich Schirmer zwar erst am 1. September der neue Intendant der Württembergischen Landesbühne (WLB) Esslingen, aber die Vorbereitungen für seine erste Spielzeit sind längst getroffen, der Spielplan steht, die Broschüren sind gedruckt. Und schon jetzt wird Friedrich Schirmer angesprochen, wenn er durch die Esslinger Fußgängerzone läuft oder im Café sitzt. „Schön, dass Sie wieder da sind“, sagen die Leute, „wir freuen uns auf Sie.“

Dabei wurde Schirmers Berufung nach Esslingen durchaus kontrovers aufgenommen. Das gab es noch nie, dass ein erfahrener Intendant zurückkehrt an jenen Ort, an dem er als junger Mann begonnen hat. Üblicherweise gehen Karrieren immer aufwärts – oder stagnieren. Man muss sich nichts vormachen, die WLB Esslingen spielt in einer anderen Liga als das Schauspielhaus Stuttgart und das Hamburger Schauspielhaus, die Schirmer beide geleitet hat. An der WLB in Esslingen ist so ziemlich alles um einige Nummern kleiner: das Ensemble, der Etat, der künstlerische Spielraum. Schirmer, inzwischen 62 Jahre alt, sieht es ganz nüchtern: „Die Karriere habe ich gemacht“, sagt er, „jetzt kann ich mich an die Arbeit machen.“ Vor dreißig Jahren ist die Landesbühne Esslingen ein Sprungbrett für ihn gewesen, heute sei sie das nicht mehr. „Ich muss mir nichts mehr beweisen.“

Aber natürlich weiß er auch, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Die euphorischen Besucher erwarten, dass der berühmte Theatermacher internationalen Glanz nach Esslingen bringt, während die Skeptiker fürchten, dass Schirmer sich auf seinen Lorbeeren ausruhen könnte. Das macht Druck. Angst habe er zwar nicht, „aber ich habe Respekt“, sagt Schirmer und will nicht zu viele Hoffnungen schüren. Ob es gelingt, „das kann ich nicht versprechen“.

Einige der alten Weggefährten sind wieder dabei

Im vergangenen Jahr war Schirmer viel im Großraum Stuttgart unterwegs, um sein neues Ensemble zusammenzustellen, das so neu gar nicht sein wird. Fünf Schauspieler wird er von seinem Vorgänger Manuel Soubeyrand übernehmen. Unter den anderen sind „ein paar Junge, die ich gesucht habe, und ein paar vertraute Seelen“, wie er sagt. Der Schauspieler Marcus Michalski wird von der Tri-Bühne an die WLB wechseln. Reinhold Ohngemach und Sabine Bräuning, die schon in früheren Jahren an der WLB gespielt haben, hat Schirmer wieder engagiert. Auch Martin Theuer kehrt ins Esslinger Ensemble zurück – zum inzwischen dritten Mal.

Ob Schirmer von seinem neuen Spielplan erzählt oder den Regisseuren, mit denen er zusammenarbeiten wird, immer wieder schweift er in die Vergangenheit ab und erinnert an „vier Jahre Esslingen, vier Jahre Freiburg, zwölf Jahre Stuttgart, fünf Jahre Hamburg“. Das liegt natürlich auch daran, dass er einige seiner Weggefährten nach Esslingen holen wird – wie Klaus Hemmerle, der Schauspieler am Staatstheater war und künftig an der WLB inszenieren wird.

Aber ein wenig wirkt es auch so, als könne Schirmer die Vergangenheit noch nicht loslassen, als müsse er immer wieder seinen Erfolgen nachspüren und die Krisen aufarbeiten. Stolz ist er, immer noch, dass er Hasko Weber, der nach ihm Intendant in Stuttgart wurde, bereits als Regisseur am Haus hatte. Stolz ist er, dass er es vor Jahrzehnten war, der die Außenspielstätte am Zollberg „geplant und durchgekriegt“ hat, auch wenn sein Nachfolger sie erst eröffnete. „Es freut mich, dass ich 25 Jahre später Nutznießer davon bin“, sagt er.