Große WM-Party in Geislingen Hunderte Kroaten können Glück kaum fassen

Von Philipp Braitinger 

Nach dem Sieg der kroatischen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland haben hunderte Fans auf den Straßen in Geislingen gefeiert.

Die Kroaten in Geislingen feierten den Sieg mit einem Autokorso durch die Stadt. Foto: Michael Steinert 10 Bilder
Die Kroaten in Geislingen feierten den Sieg mit einem Autokorso durch die Stadt. Foto: Michael Steinert

Geislingen - Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Die Sensation ist perfekt. Die kroatische Fußballnationalmannschaft hat es erstmals in ihrer Geschichte in das Finale einer Weltmeisterschaft geschafft. Am Sonntag spielen sie gegen Frankreich um den Titel. In Geislingen feierten mehrere hundert Fans den Sieg der Kroaten auf den Straßen der Stadt mit einem Autokorso. Ein Polizeisprecher des Präsidiums in Ulm erklärte dreißig Minuten nach dem Spiel, dass die Feiern der Fans bisher ohne Zwischenfälle verliefen.

Dabei war das Spiel über weite Strecken eine echte Zitterpartie für die Kroaten. Bereits in der fünften Minute gingen die Engländer in Führung. In der Folge herrschte zunächst blankes Entsetzen unter den meisten der 180 Zuschauer einer Live-Übertragung des Spiels in einem Biergarten in Geislingen. Das Fußballspiel wurde anfangs von einer nahezu gespenstischen Stille begleitet. Gebannt starren die Menschen auf das Geschehen und konnten es nicht fassen, was sich im 2000 Kilometer östlich gelegenen Moskau abspielt. Erst nach zwanzig Minuten scheinen die Kroaten ein Rezept gegen das englische Spiel gefunden zu haben und die Gefahr vor dem englischen Tor wächst.

Rückstand zur Halbzeit

An den Biertischgarnituren beginnen die Fans nach und nach den ersten Schock verdaut zu haben. Sie nehmen wieder emotional am Halbfinale teil und diskutieren das Spiel. Die Engländer machen weiter Druck und geben sich nicht mit der frühen Führung zufrieden. Die Anspannung bleibt, immer noch liegen die Kroaten hinten, als es in die Halbzeitpause geht.

„Pech gehabt“ hätten die Kroaten bis zur Halbzeitpause, findet Zoramaria Dzidic. Die 20-Jährige ist im weiß-roten Fußballtrikot der kroatischen Nationalmannschaft zum Public Viewing gekommen und hofft, dass die zweite Halbzeit die Wende bringt. Ähnlich sieht es Yalcin Hüyük (24). Vielleicht sei erneut ein Elfmeterschießen notwendig, vermutet er. Und ein bisschen mehr Glück in der einen oder anderen Situation könne natürlich in der zweiten Halbzeit nicht schaden. Der Zuschauer Doran Jovic (29) wollte trotz des vorläufigen Rückstandes das Spiel ebenfalls nicht aufgeben. „Wir wollen ins Finale und dann den Titel“, erklärt er.

Laute Jubelschreie beim Ausgleich

Die zweite Halbzeit verlangte von den kroatischen Fans nervlich erneut viel ab. Immer wieder kamen die Engländer gefährlich nahe ans Tor ihrer Gegner und sorgten für echte Schockmomente im Biergarten in Geislingen. Gleichzeitig wurde jede kroatische Chance bereits frenetisch gefeiert als sei bereits ein Tor gefallen. Geklappt hat der Ausgleich schließlich in der 68. Minute durch Ivan Perisic. Laute Jubelschreie folgen, die Fans schöpfen wieder Hoffnung -nicht zu Unrecht. Der Gleichstand bleibt bis zur Verlängerung bestehen.

Es folgen erneut bange Minuten. Es ist die dritte Verlängerung für die Kroaten bei dieser WM. Die Fans fiebern mit und sehen das Unmögliche bereits in greifbare Nähe gerückt. Jeder Angriff auf das englische Tor wird frenetisch gefeiert. In der 109. Minute gelingt Mario Mandžukić schließlich der Sensationstreffer. Es gibt kein Halten mehr.

Zahlreiche Kroaten in Geislingen

Dass so viele kroatische Fans in Geislingen feiern, hängt auch mit der rasch wachsenden kroatischen Gemeinde in der Stadt zusammen. Deren Zahl habe sich auf etwa 1200 Mitglieder in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt, schätzt der Geislinger Integrationsbeauftragte Rudi Ebert. Es gebe eine lebendige katholische kroatische Gemeinde in der Stadt. Viele Kroaten kämen nach Geislingen, weil es dort bereits viele Menschen aus der Heimat an der Adria gebe, glaubt er. „Sie kümmern sich um ihre Landsleute“, sagt Ebert.

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