Die deutschen Nationalspieler halten sich vor dem Spiel gegen Japan aus Protest gegen die Fifa die Hand vor den Mund. Das muss der Anfang weiterer Aktionen sein, fordert unser WM-Reporter Marco Seliger.

Sport: Marco Seliger (sem)

Eines vorneweg: Die Fußballwelt bekam die Geste der DFB-Elf kurz vor dem Anpfiff gegen Japan zumindest live nicht mit. Klar, der Weltverband Fifa ist für die Fernsehweltbilder bei der WM verantwortlich. Und so waren die elf deutschen Nationalspieler, die sich aus Protest gegen besagte Fifa den Mund zuhielten, nur in der ARD zu sehen, nicht aber in allen anderen übertragenden Ländern.

Mehr Courage als alle anderen Nationen im bisherigen WM-Verlauf

Hat der Rest der Welt da also etwas verpasst? Oder war die Protestnote nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein dieser irrsinnigen Fußball-WM, bei der die Fifa und die Gastgeber ihren unsäglichen Takt bei den Themen Menschenrechte, Vielfalt und Gleichberechtigung vorgeben? Es ist ein klarer Fall von Ja und Nein.

Einerseits zeigte die DFB-Elf nun mehr Courage als alle anderen Nationen im bisherigen Verlauf dieser WM. Über allem schwebt aber weiterhin, dass der Kapitän Manuel Neuer nach den Drohungen der Fifa mit Sanktionen eben nicht die One-Love-Binde trug. Und die Fifa, zugespitzt formuliert, ihren unsäglichen Machtkampf damit vorerst gewonnen hat.

Weltmeister des Protests als Ziel?

Klar, sich den Mund zuzuhalten ist nun bei weitem kein so großes Zeichen, wie es das Tragen der bunten Binde gewesen wäre. Es ist aber auch, so traurig das klingt, besser als nichts. Und hoffentlich erst der Anfang weiterer pointierter und konzertierter Aktionen. Denn wenn der DFB sich im Verlauf des Turniers zur Speerspitze einer knallharten Opposition einiger Nationen gegen die Fußballteufel um die Fifa positioniert und profiliert, dann wird die Aktion von kurz vor dem Anpfiff gegen Japan ein gelungener Auftakt gewesen sein – aber nur dann.

Oder anders: Aus dem stillen Protest muss in den nächsten Tagen ein lauter werden. Dann hätte die DFB-Elf womöglich bald einen Titel sicher: Sie wäre dann der Weltmeister des Protests. Und das ist doch neben dem echten WM-Titel auch ein Ziel, das sich bei diesem Turnier in der Wüste zu verfolgen lohnt.