Die Fifa verbietet Spielern, bei der Fußball-WM in Katar mit der „One Love“-Binde aufzulaufen. Die offizielle Begründung – und was eigentlich dahinter stecken dürfte.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat am Mittwoch ihr erstes Spiel bei der WM in Katar. Auflaufen wird Kapitän Manuel Neuer aber ohne die „One Love“-Binde, die mit ihrem Regenbogenherz für Vielfalt, Toleranz und Offenheit steht – und gegen Homophobie, Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung.

Die „One Love“-Armbinde war als gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich und Dänemark geplant. Der Weltverband Fifa hat den Mannschaften die Armbinde verboten – und offenbar Sanktionen angedroht, wenn sie sich über das Verbot hinwegsetzen würden. Am Ende war den Verbänden das Risiko einer Gelben Karte oder einer härteren Strafe offenbar doch zu groß.

Katar steht wegen Missachtung der Menschenrechte in der Kritik

Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten. Darüber hinaus steht der WM-Gastgeber auch wegen der Missachtung anderer Menschenrechtsstandards in der Kritik. So gab es vor dem Turnier Berichte über unhaltbare Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter, die die WM-Stadien bauten.

Offenbar fürchtet die Fifa, die Binde könnte im Gastgeberland als unfreundlicher Akt empfunden werden. Katar soll nicht düpiert werden. Offiziell lautet die Begründung aber anders: Die Fifa führt den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln an. Der besagt: „Für Fifa Final-Wettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der Fifa gestellte Armbinde tragen.“

Außerdem steht wohl auch der Regelparagraf für – verbotene – politische Botschaften im Raum. „Bei einem Verstoß gegen diese Bestimmung wird der Spieler und/oder das Team durch den Wettbewerbsorganisator, den nationalen Fußballverband oder die Fifa sanktioniert“, heißt es in den internationalen Regeln. Dem setzt beispielsweise der frühere DFB-Chef Fritz Keller entgegen, „One Love“ sei „keine politische, sondern eine Menschenrechts-Aussage“.

Der DFB prüft rechtliche Schritte, die Auseinandersetzung um die Kapitänsbinde mit dem Vielfaltslogan könnte vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) landen.