WM-Aus der deutschen Handballer Bob Hanning: „Das ist ein Rückschlag, ohne Wenn und Aber“

Bob Hanning im Gespräch mit den Ex-Nationalspielern Stefan Kretzschmar und Florian Kehrmann (v. li.) Foto: IMAGO/Michael Taeger

Der Frust über das Aus der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist groß. Ex-DHB-Funktionär und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning spricht über die Gründe, die Erkenntnisse und Lehren aus der enttäuschenden WM.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Für die deutschen Handballer ist die WM beendet. Anstatt des Teams von Bundestrainer Alfred Gislason spielt an diesem Freitag (20.30 Uhr/Eurosport) Portugal im Halbfinale gegen Dänemark. Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin, spricht von einem „Rückschlag, ohne Wenn und Aber“ und blickt voraus.

 

Herr Hanning, was ist für Sie die Haupterkenntnis aus dieser WM?

Dass wir einfach nicht gut genug waren, das Halbfinale zu erreichen. Das war schon sehr ernüchternd. Das tat schon sehr weh.

Sie hatten dem DHB-Team vor dem Viertelfinale sogar den Titel zugetraut.

Das würde ich gerne von der Festplatte löschen.

Was lief schief?

Die Gründe sind vielfältig. Wir haben die Breite im Kader zu wenig genutzt. Beispiel Renars Uscins. Er war irgendwann aufgebraucht. Jetzt kann man mir nachsagen, dass ich immer wieder Nils Lichtlein fordere. Der Umgang mit ihm fällt mir auch schwer zu akzeptieren, weil er eben nicht nur auf Mitte, sondern auch im rechten Rückraum spielen kann. Und wenn er gespielt hat, ist der Ball gut gelaufen. Auch Marko Grgic haben wir bei dieser WM nicht integriert bekommen.

Dann hilft auch kein Weltklassekeeper, der das Tor zunagelt.

Auch ein überragender Andi Wolff und ein guter Juri Knorr reichten nicht. Das ist dann zu wenig. Und unserem Kapitän Johannes Golla steht auch mal zu, ein Turnier unterhalb seines Niveaus zu spielen. Wenn dann in der 69. Minute Linksaußen Lukas Mertens den ersten Ball bekommt, dann ist es nicht einfach, ein Spiel zu gewinnen.

In den Auszeiten wurde ein möglicher Plan B nicht angesprochen. Fehlte es an Impulsen von außen?

Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich weiß nur, dass unter einem Bundestrainer Christian Prokop jede Auszeit von den Journalisten zerpflückt wurde.

„Eine Verzwergung darf nicht stattfinden“

Alfred Gislason fand hinterher, dass diese WM keinen Rückschlag darstellt.

Natürlich ist es ein Rückschlag, ohne Wenn und Aber. Natürlich ist es nicht unser Anspruch. Ich war ja froh, dass die Spieler klar sagten, sie wollen um eine Medaille spielen. Es darf doch nicht versucht werden, das Abschneiden auch nur im Ansatz als in Ordnung zu verkaufen. So eine Verzwergung darf nicht stattfinden.

Welche Lehren sind aus dieser WM zu ziehen?

Die Breite müssen wir besser nutzen. Wir sollten mit verschiedenen Reihen, Kombinationen spielen, die dann auch funktionieren. Mir tat Luca Witzke einfach nur leid, der wusste gar nicht, was er machen soll. Marian Michalczik kam nach und wirkte wie ein Fremdkörper.

Wer holt den Titel?

Normalerweise die Dänen, doch die Portugiesen werden im Halbfinale mit ganz breiter Brust antreten.

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