WM in Katar Sepp Blatter und sein Wintermärchen

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Die Fußball-WM 2022 in Katar wird im November und Dezember stattfinden. Die Verlegung ist Teil eines skandalösen Plans des Weltverbands Fifa. Ein Kommentar von StZ-Sportchef Peter Stolterfoht.

Stuttgart - Der Fifa und ihrem Chef Sepp Blatter ist viel, sehr viel vorzuwerfen. Nur eines sollte man der Regierung des Weltfußballs nicht unterstellen: Naivität. Diesen Anschein wollen sich die Funktionäre rund um den Schweizer Sonnenkönig nun aber geben, nach dem Motto: Ups, uns war ja gar nicht klar, dass es in Katar im Sommer 50 Grad heiß ist und dass bei diesen Temperaturen an Fußball nicht zu denken ist. Woher soll man das auch wissen?

Sie haben es selbstverständlich alle gewusst und trotzdem die Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar vergeben – der Bewerbungsvoraussetzung, das Turnier im Sommer auszurichten, zum Trotz.

Fifa-Funktionäre sind nicht dumm, sie sind vielmehr zum Großteil durchtrieben. Ihnen war klar, dass an eine Katar-WM im Juni nicht zu denken ist. Zu diesem Urteil ist jetzt auch erwartungsgemäß eine sogenannte Task Force der Fifa gekommen und empfiehlt eine Austragung im November und Dezember 2022. Diesem Vorschlag wird die Fifa-Exekutive im März dann garantiert folgen. Ganz im Gegensatz zu einer anderen Empfehlung. Vor der WM-Vergabe stellte eine Evaluierungskommission den Bewerbern Russland und Katar die mit Abstand schlechtesten Zeugnisse aus – mit dem interessanten Ergebnis, dass diese beiden Länder zu den Ausrichtern der Turniere 2018 und 2022 gewählt wurden.

Menschenrechte interessieren nicht

Unzumutbare Temperaturen spielen bei der Vergabe der neben den Olympischen Spielen wichtigsten Sportveranstaltung der Welt ebenso wenig eine Rolle wie die Distanz der Bewerberstaaten zu demokratischen Grundprinzipien. In Nordkorea sollte man sich deshalb auch mal ernsthaft über eine Ausrichtung einer Fußball-WM Gedanken machen. Bei der Vergabe ist es jedenfalls kein K.o.-Argument, ein totalitärer Staat zu sein. Die Fifa richtet sich nach anderen Kriterien, die nichts mit Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechten zu tun haben.

Zurück nach Katar, also dorthin, wo der Al-Thani-Herrscher-Clan mit einem Pfund wuchern kann, dem in der Fifa die größte Bedeutung beigemessen wird: Geld. Davon bekommen dann auch viele etwas ab. Die entsprechend wählenden Fifa-Mitglieder genauso wie die Wirtschaft in den jeweiligen Herkunftsländern, der durch das riesige Bauprojekt Wüsten-Weltmeisterschaft ein sehr lukratives Geschäft in Aussicht gestellt wird. Korruption, das hat der zurückgetretene Fifa-Chefermittler Michael Garcia herausgefunden, hat bei der Vergabe wieder einmal eine große Rolle gespielt. Über diesen Fakt geht Sepp Blatter ziemlich lässig hinweg. Schließlich sichert ihm die WM in Katar bei der nächsten Präsidentenwahl im Mai wichtige Stimmen in der arabischen Welt.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Und so geht es bei der Fifa immer weiter wie bisher: mit dem dann 79-jährigen Sepp Blatter und der Losung „Was nicht passend ist, wird passend gemacht“. So wie jetzt das Turnier in Katar, wo nun zum ersten Mal in der Fußballgeschichte eine Weltmeisterschaft nicht dann stattfindet, wenn auf der Nordhalbkugel Sommer ist. Tradition hat für Sepp Blatter und seine Fifa-Mannschaft ebenso wenig Bedeutung wie die Sorgen in den großen europäischen Ligen. Der Spielplan muss in Folge der Winter-WM komplett geändert werden, was mit einem immensen Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden ist. Der Standpunkt der Fifa in diesem Fall ist auch wieder klar und lautet: Das ist nicht unser Problem.

Dieser berechnende Weltverband wird es aber trotzdem nicht schaffen, den Fußball kaputt zu machen. Obwohl es die aktuelle Fifa-Führung wirklich verdient hätte, als Totengräber von Weltmeisterschaften in die Fußball-Historie einzugehen.

Die Schönheit des Spiels wird sich am Ende immer durchsetzen. Das wissen aber leider auch die machtbesessenen und korrupten Funktionäre im Weltverband. Dumm sind sie schließlich nicht.