Wo auch Reinhold Messner wohnt Sextener Berg-Adel in Südtirol

Bergsteiger-Legende Reinhold Messner wohnt seit Juni in Sexten. Foto: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle

Mit Reinhold Messner und Jannik Sinner zählen zwei internationale Prominente zu den Bürgern der Südtiroler Gemeinde, aber die eigentlichen Stars sind die Berge.

Wer ist der berühmteste Sextener? Bis vor Kurzem wäre die Antwort einfach gewesen: Jannik Sinner (23), seit rund einem Jahr die Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste, ist in Sexten aufgewachsen und kehrt zwischen den Turnieren regelmäßig in sein Elternhaus zurück. Nachbarn, die ihm erst jüngst wieder begegnet sind, beschreiben ihn als freundlich, zugewandt und bodenständig. Die Gemeinde ist stolz auf Sinner, verkauft T-Shirts und Kappen in ihrem Souvenirshop mit dem Aufdruck: „Sexten is proud of you“.

 

Allerdings hat Sinner neuerdings einen Konkurrenten, der ihm den Titel als prominentester Sextener streitig macht: Reinhold Messner. Die Bergsteiger-Legende, bisher daheim auf Schloss Juval im Vinschgau, ist im Juni ausgezogen und wohnt nun mit seiner Frau in Sexten in der ehemaligen Bergbahn-Station auf dem Helm. Die Station wird nicht mehr gebraucht, seit 2020 gleich daneben die schicke neue Helmjet-Kabinenbahn in Betrieb ging.

Reinhold Messner wohnt jetzt neben der Seilbahn

Die umgebaute alte Station ist nicht nur Wohnstätte Messners, sondern gleich ein ganzes Reinhold-Messner-Haus. Eigentlich hätte es das sechste der Messner-Mountain-Museen werden sollen, die bereits über ganz Südtirol verteilt sind, aber nach diversen Streitigkeiten ist es jetzt eben nur ein Reinhold-Messner-Haus. Ende Juni wurde es eröffnet. Es soll sich in Ausstellungen und Diskussionen der verantwortungsvollen Zukunft des Bergtourismus widmen.

Als Reinhold Messner an diesem sonnigen Sommertag leibhaftig vor die Tür seines Domizils tritt, ist der 80-Jährige sofort von einer Wandergruppe umringt, schreibt Autogramme, lässt sich geduldig fotografieren. „Messner hier oben, direkt neben der Seilbahn, das passt doch gar nicht zu ihm“, mault einer am Rande, der Messner wohl eher weitab der üblichen Touristenpfade und vor allem nicht direkt neben einer Seilbahn vermutet hätte.

Ein Ort für Wanderer und Entdecker

Irgendwie stimmt’s, aber auch wieder nicht. Sexten, fast am Ende des Südtiroler Pustertals gelegen und Talort der berühmten Drei Zinnen, bietet tatsächlich ein großes Angebot an modernsten Seilbahnen, die das Bergerlebnis komfortabler machen. Sexten ist aber auch durch und durch ein Ort für Bergsteiger und Wanderer, für wissbegierige Urlauber und für geschichtsbeflissene Entdecker. Und so passt es doch zusammen, Reinhold Messner und Sexten.

Reinhold Messner mit Ehefrau Diane vor ihrem neuen Domizil auf dem Helm Foto: Imago/Eibner Europa

Auf die Drei Zinnen kann man zum Glück noch nicht mit der Seilbahn fahren. Aber von Sexten führt eine der wohl schönsten Dolomitenwanderungen bis zur Drei-Zinnen-Hütte. Man kann die Tour etwas abkürzen, wenn man mit dem Auto oder dem Bus ein Stück ins Fischleintal hineinfährt bis zum Hotel Dolomitenhof. Von dort führt der Weg, zunächst flach, später steiler, vor der malerischen Kulisse der Sextener Dolomiten in gut drei Stunden auf 2405 Meter Höhe.

Den Drei Zinnen zum Greifen nah

Die Mühen des Aufstiegs von fast 1000 Höhenmetern werden belohnt mit einer Bilderbuch-Aussicht auf die imposanten Zinnen, die hier zum Greifen nahe scheinen. Die Hütte dort oben hat nur von Ende Juni bis Ende September geöffnet. Einkehren kann man aber auch weiter unten in der Talschlusshütte, in der einst der Vater von Tennis-Star Jannik Sinner gekocht hat, wie Einheimische sich erinnern.

Den meisten Wanderern in den Dolomiten dürfte nicht klar sein, dass sie auf Pfaden unterwegs sind, die im Ersten Weltkrieg von österreichischen oder italienischen Soldaten angelegt wurden, als hier blutige Schlachten tobten und Tod und Verderben über die Täler brachten. „Viele Touristen wissen nichts von der Geschichte“, sagt Wanderführerin Ulrike Innerkofler, „auch italienische Gäste nicht. Die wundern sich manchmal nur, warum wir nicht so gut Italienisch sprechen wie sie.“ Also, noch mal zur Erinnerung: Südtirol gehört zu Italien, weil Italien am Ende des Ersten Weltkrieges zu den Siegern zählte und als Trophäe ein Stück Tirol bekam.

Ganz im Osten Südtirols: Sexten Foto: StZN/Lange

Um Aufklärung in dieser Hinsicht ist der Sextener Verein „Bellum Aquilarum“ bemüht. Im Ort selbst gibt es eine Ausstellung mit Bildern, Uniformen, Waffen und anderen Überbleibseln aus den Kriegsjahren. Hoch oben in den Bergen sind noch Reste von Stellungen und Gräben, von Kommandobaracken und Unterkünften sichtbar, die in einem Freilichtmuseum unterhalb der Rotwand bestaunt werden können.

Prachtexemplar alpiner Architektur

Aber auch abseits der musealen Stätten stoßen Wanderer immer wieder auf Stollen, Gräben und Unterstände, die die Kombattanten zwischen 1915 und 1917 angelegt heben. Am anschaulichsten wird dies auf dem Sepp-Innerkofler-Steig, der entlang der ehemaligen Frontlinie auf den Paternkofel führt und ebenfalls mit einem grandiosen Blick auf die Drei Zinnen belohnt; allerdings ist etwas Klettersteig-Erfahrung ratsam.

Gemütlicher, gleichwohl geschichtsträchtig, geht es im Hotel Drei Zinnen im Sextener Ortsteil Moos zu. Das Haus wurde 1930 vom Architekten Clemens Holzmeister gebaut, verbindet die aufkommende Moderne mit regionaler Tradition und zählt heute zu den Prachtexemplaren alpiner Architektur. Holzmeisters Partner im Bozener Büro war damals übrigens ein junger Architekt, der später als Filmer und Geschichtenerzähler berühmt wurde: Luis Trenker.

Hotel Drei Zinnen, erbaut von Clemens Holzmeister Foto: Peter Trapmann

Mehrfach behutsam modernisiert, ist die von Holzmeister eigens entworfene Inneneinrichtung bis heute erhalten. Von Anfang an zog das Hotel berühmte Namen an. Der kunstsinnige Gründer Hans Watschinger bot dem Maler Rudolf Stolz eine Unterkunft, der bedankte sich mit zahlreichen Bildern, die heute im Hotel zu sehen sind. Watschinger engagierte zudem den bekannten Berg-Pionier Heinrich Harrer („Sieben Jahre in Tibet“) als Skilehrer.

Watschingers Enkelin Waltraud, die das Hotel heute leitet, erinnert sich auch noch an Hollywood-Regisseur Fred Zinnemann („Zwölf Uhr mittags“), der regelmäßig Gast des Hotels war. Wahrscheinlich gefiel ihm die von Holzmeister gestaltete American Bar im Foyer besonders gut. Zinnemann hatte ein Lieblingszimmer, das ihm einen stimmungsvollen Blick auf den Sextener Hausberg bot, wie Waltraud Watschinger erzählt. Denn dort oben, unterhalb der Rotwandköpfe, hatte Zinnemann die Asche seiner verstorbenen Lebensgefährtin vergraben.

Info

Anreise
 Von Stuttgart aus braucht man mit dem Auto für die 455 Kilometer gut sechs Stunden. Mit dem Zug muss man häufig umsteigen und ist im besten Fall knapp acht Stunden unterwegs, www.bahn.de .

Unterkunft
 Im traditionsreichen Hotel Drei Zinnen im Sextener Ortsteil Moos gibt es Doppelzimmer mit Frühstück und ambitioniertem Abendessen ab 276 Euro. Sauna und Whirlpool, Schwimmbecken im Garten. www.hotel-drei-zinnen.com Das rustikale Hotel Bergsteiger Garni mitten in Sexten bietet Zimmer mit Frühstück sowie Ferienwohnungen ab 33 Euro pro Person und Tag. www.garni-bergsteiger.it

Essen und Trinken
 Das Restaurant Luis Alm liegt direkt an der Talstation der Rotwandwiesen-Seilbahn und ist mit Bus und Auto erreichbar. Es bietet gehobene Kost unter dem Motto „Traditionelle Küche neu interpretiert“. Hauptgänge ab etwa 30 Euro. www.luisalm.it Das Biwak 12 im Ortsteil Moos, halb Bar, halb Bistro, kombiniert sowohl in der Küche als auch in der Gestaltung gekonnt Tradition und aktuelle Trends. www.biwak12.com

Aktivitäten
 Für anspruchsvollere Touren wie den Innerkoflersteig empfiehlt sich eventuell die Hilfe professioneller Bergführer. Die Alpinschule Drei Zinnen bietet ein umfangreiches Tourenprogramm aller Schwierigkeitsgrade an. www.alpinschule-dreizinnen.com Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in den Sextener Dolomiten pflegt der Verein Bellum Aquilarum. In der alten Volksschule von Sexten gibt es eine Dauerausstellung, die einen Einblick in den soldatischen Alltag vermittelt. Im Freilichtmuseum Anderter Alpe unterhalb der Rotwand sind Überreste von Gräben, Stollen und Baracken zu sehen. Erreichbar mit der Rotwandbahn und anschließender kurzer Wanderung. www.bellumaquilarum.it Ganz neu in Sexten ist das Reinhold-Messner-Haus. Es ist Ausstellungs- und Veranstaltungsraum, der Meister tritt auch selbst auf, lädt zum Frühstück, zum Wandern, erzählt und diskutiert. www.dreizinnen.com

Allgemeine Informationen
www.sexten.it

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