Für die Frauenwochen aktiv: Hanna Scherieble vom Stadtseniorenrat, Jitka Sklenářová als Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Esslingen und Sinem Yüksel vom Frauenrat (von links). Foto: Roberto Bulgrin
Kunst, Kabarett, Kultur, Kernthemen: Die Esslinger Frauenwochen liefern im März einen Kessel Buntes. Nur für Frauen? Nicht nur. Auch die Männer werden teilweise mit ins Veranstaltungsboot geholt.
Die Esslinger Frauenwochen stehen an. Und wo bleiben die Männer? Nicht außen vor, betonen Organisatorinnen vom örtlichen Frauenrat. An 21 der insgesamt 26 Veranstaltungen im Programmheft können gerne auch Männer teilnehmen. Nur bei fünf Angeboten wollen die Frauen unter sich bleiben. Und es gebe durchaus Männer, die sich in den Vorjahren bei für sie geöffneten Terminen der Frauenwochen hatten blicken lassen, weiß Jitka Sklenářová, die städtische Beauftragte für Chancengleichheit. Von Freitag, 7., bis Sonntag, 30. März, geht die Veranstaltungsreihe in Esslingen über die Bühne.
Knallig, spritzig, peppig und kunterbunt springen Plakate und Flyer-Deckblatt zu den Frauenwochen Betrachterinnen und Betrachtern ins Auge. Mit schreiend roten, orangenen, flammenden Farben und mosaikartigen Blitzaufnahmen einzelner Gesichtspartien brennen sie sich in das Gedächtnis ein. Seit zwei Jahren wird das grelle Cover genutzt, das überall sehr gut ankomme. Seit 34 Jahren gibt es die Esslinger Frauenwochen, und die Organisatorinnen wollen bei allem Stolz auf die lange Veranstaltungsdauer auch up to date sein. Sie streben eine Mischung aus Bewährtem, aber auch aus Neuem an – daher auch die Entscheidung für das farbenfrohe Cover.
Grellbuntes Mosaik: das Cover des Programmheftes der Frauenwochen. Foto: Simone Weiß
Doch sind Frauenwochen selbst als Veranstaltungsformat überhaupt noch zeitgemäß in Zeiten, in denen von Gleichstellungsbeauftragten und Elternschutz statt wie früher von Frauenbeauftragten oder Mutterschutz gesprochen wird? Auf jeden Fall, meint Jitka Sklenářová. Es gehe auch darum, Selbstbewusstsein mit Blick auf das in der Frauenbewegung Erreichte zu zeigen. Und den Finger in die offene Wunde des noch nicht Erreichten zu legen: Gleiche Bezahlung für Frauen und Männer sei noch immer nicht geschafft. Zudem müsse etwa das größere Risiko von Frauen thematisiert werden, oft auch wegen langjährigen Teilzeitbeschäftigungen in Altersarmut abzurutschen. Es gehe auch um das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frau. So müsse die Abtreibung aus dem Strafgesetzbuch verschwinden.
Frauen sparen anders als Männer
Ziel sei bei dem Veranstaltungsprogramm wie auch bei dem ansprechend-auffälligen Cover, die Vielfalt von Frauen zu zeigen. Sie bildeten eben keine homogene Gruppe, sondern zeichneten sich durch sehr viele unterschiedliche Facetten aus, sagt Sinem Yüksel vom Esslinger Frauenrat: „Wir wollen zeigen, dass wir es drauf haben.“ Und einen Bildungscharakter hätten die Frauenwochen auch. Ein Thema im Veranstaltungskanon sei beispielsweise das praxisnahe Seminar „Die Kunst des Investierens an der Börse“ am Donnerstag, 27. März. Untersuchungen, so fügt Hanna Scherieble vom Stadtseniorenrat hinzu, hätten gezeigt, dass Frauen im Gegensatz zu manchen Männern das konservative Anlegen von Geld etwa auf einem Sparbuch dem risikoreicheren Spekulieren mit Wertpapieren vorziehen würden. Das Seminar solle eine Alternative zum klassischen Sparen aufzeigen.
Und, so ergänzt Hanna Scherieble, Frauenwochen seien ebenfalls ein Mittel, um Solidarität untereinander zu zeigen. Das geschieht auch durch die fünf Veranstaltungen mit rein weiblichen Teilnehmenden. Am Freitag, 21. März, wird etwa unter dem Titel „Frauen feiern Vielfalt“ ein Fastenbrechen zum internationalen Tag gegen Rassismus auf die Beine gestellt, am Donnerstag, 20. März, geht es um das Mitmachangebot „Gesünder leben mit Bewegung“, und am Samstag, 29. März, findet ein Workshop zur gemeinsamen Gestaltung von Kollagen mit Frauenköpfen aus Karton oder Papier statt. Es müsse auch „geschützte Räume allein für Frauen“ und deren speziellen Austausch geben, führt Jitka Sklenářová aus. Die behandelten Themen seien meist andere, wenn Frauen unter sich seien.
Auch ein Mann, Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer, ist von den Frauenwochen überzeugt: Es sei „wichtig, die Welt aus der Perspektive von Frauen zu betrachten“, schreibt er in seinem Vorwort zum Veranstaltungsheft. Dieser Blickwinkel sei entscheidend, um bestehende strukturelle Benachteiligungen abzubauen, Gewalt gegen Frauen konsequent zu bekämpfen und eine gerechtere Gesellschaft zu gestalten.
Die Veranstalterinnen sind sich dieser Verantwortung durchaus bewusst – und sie weisen selbstbewusst darauf hin. „(F)empower“ steht in gelben Lettern auf Plakaten und dem Deckblatt des Veranstaltungsheftes. Das sei eine besondere Wortschöpfung, die sich aus „Femme“ für „Frau“ und „Empowerment“ als großer Überschrift über den Frauenwochen zusammensetze. „Empowerment“ lässt sich etwa mit „Selbstkompetenz“, „Selbstbefähigung“ oder „Stärkung von Eigenmacht und Autonomie“ übersetzen und umfasst Strategien und Maßnahmen, die Menschen beim Führen eines selbstbestimmten und unabhängigen Leben unterstützen können und ihnen mehr Mitbestimmungsrecht und Handlungsspielraum geben. Seit September letzten Jahres sind die Organisatoren mit dem Aufstellen der Programmpunkte für die Frauenwochen beschäftigt. Der Esslinger Frauenrat sei ein Netzwerk aus etwa 40 Organisationen, von denen viele einen Beitrag auf die Beine gestellt hätten, erklärt Jitka Sklenářová.
Vielfältig und kunterbunt wie die Frauen
Finanziert wird die Veranstaltungsreihe aus dem Budget der Stadt Esslingen, durch die einzelnen mitorganisierenden Gruppen und die Eintrittsgelder. Die sind allerdings moderat und erschwinglich, wenn überhaupt etwas verlangt werde, ist es Sinem Yüksel wichtig zu betonten. Und alle Beteiligten ergänzen, dass das Programm der Frauenwochen so vielfältig und kunterbunt sei wie die Frauen selbst.
Die Esslinger Frauenwochen
Start Die Auftaktveranstaltung zu den Esslinger Frauenwochen ist am Freitag, 7. März, um 19 Uhr im Kulturzentrum in der Dieselstraße 26. Auf dem Programm stehen ein Sektempfang und ein Auftritt der Frauenband Women on Wheels, zu deren Klängen auch getanzt werden darf. Außerdem gibt es eine Führung durch eine Ausstellung von Wildwasser mit selbstgestalteten Plakaten zum Weltfrauentag.
Programm Die Frauenwochen laufen bis Sonntag, 30. März. Bei manchen Angeboten sind Anmeldungen wegen einer begrenzten Teilnehmerzahl oder einem beschränkten Platzangebot Voraussetzung.