Heute ist weltweiter Artenschutztag. Er heißt „Reverse the Red Day“. Auch die Wilhelma setzt sich dafür ein. Wir zeigen, wie und wo sie aktiv ist.
Der heutige 7. Februar ist ein globaler Aktionstag für den Artenschutz. Der Name „Reverse the Red Day“ist Programm. Artenschützer kämpfen dafür, Tier- und Pflanzenarten von der Liste des Aussterbens zu holen. Die Rote Liste wird von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) geführt. Sie gilt weltweit als wichtigster Indikator für den Erhaltungszustand von Pflanzen- und Tierarten. Den Aktionstag haben die IUCN Species Survival Commission und die World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Artensterben zu stoppen. So sollen möglichst viele bedrohte Arten auf der Roten Liste vom roten in den grünen Bereich rücken.
Auch die Stuttgarter Wilhelma ist Teil der Bewegung. Sie setzt sich mit Hilfe des Artenschutz-Euros, den die Besucherinnern und Besucher der Wilhelma mit ihrem Eintritt freiwillig bezahlen sowie mit Hilfe der Unterstützung durch den Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma und Spenden von Privatpersonen und Firmen weltweit für den Artenschutz ein.
Zum dritten Jahr in Folge gibt sie dafür mehr als eine Million Euro für Artenschutzprojekte in aller Welt aus. Und: Seit 2025 besitzt der Stuttgarter zoologisch-botanische Garten zudem ein Center for Species Survival für Orchideen und Reptilien.
Nachwuchs beim Sumatra Nashorn
Zu den spektakulärsten Beispielen, bei denen sich die Wilhelma im Artenschutz engagiert, gehört die Unterstützung des Sumatran Rhino Sanctuary in Indonesien. Das Sumatra-Nashorn in Indonesien ist vom Aussterben bedroht. „Man geht davon aus, dass nur noch 40 von ihnen existieren“, erklärt Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Er und Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle für Artenschutz der Wilhelma, haben das Zentrum Anfang vergangenen Jahres auf Sumatra besucht. Die Wilhelma unterstützt das von der indonesischen Nichtregierungsorganisation Yabi betriebene Sumatran Rhino Sanctuary seit 2019 mit 200.000 Euro. Fünf Nashornkälber sind in dem Schutzgebiet dort bereits geboren worden. „Es war einfach bewegend, mit eigenen Augen zu sehen, wie die von uns aufgebrachten Mittel auf Sumatra dabei helfen, eine ganze Art vor dem Aussterben zu bewahren“, erklärt Kölpin.
Bedrohte Harlekinfrösche gezüchtet
Auch in Südamerika engagiert sich die Wilhelma. Dort unterstützt sie gezielt die Rettung einige eher unscheinbare Arten, wie in Ecuador die Jambatu Foundation bei der Wiederansiedlung von Fröschen. Sie sind vor Ort als „Wampukrum“ bekannt und stammen aus der Gattung der Harlekinfrösche (Atelopus). Die Zerstörung ihres Lebensraums und die Ausbreitung eines für die Tiere tödlichen Pilzes hatten in der Provinz Morona Santiago zur Ausrottung der Art geführt. Die Jambatu Foundation hatte schon vor Jahren begonnen, eine eigene Zuchtpopulation aufzubauen. Auf dieser Basis konnten seit August 2025 insgesamt 15 erwachsene Exemplare, 800 Jungtiere und 500 Kaulquappen in geeigneten Habitaten freigelassen werden.
Magnolie vor dem Aussterben gerettet
Große Erfolge verzeichnet die Wilhelma bei der Rettung einer der seltensten Magnolienarten der Welt, die Mognolia dixonii. Sie stand einst auf der Roten Liste und war vom Aussterben bedroht und wurde zunächst zurückgestuft auf „stark gefährdet“. „Zusammen mit unserem Wilhelma-Förderverein greifen wird der Organisation Jococoto seit 2019 beim Schutz hochbedrohter Magonlienarten in Ecuador finanziell unter die Arme“, erklärt Stefanie Reska. Durch den Kauf von Regenwaldflächen konnte der Lebensraum der Magnolia dixonii und anderer endemischer Arten gesichert werden. Ehemals abgeholzte Bereiche wurden mit Magnolien-Setzlingen, die in der Baumschule von Jocototo herangezogen worden sind, aufgeforstet. Dank der gemeinsamen Bemühungen ist die Magnolia dixonii inzwischen offiziell nicht mehr vom Aussterben bedroht. Nun soll das Tapichalaca-Reservat am Osthang der Anden Südamerikas mit einem Wilhelma-Betrag von 165.000 Euro um 165 Hektar erweitert werden, um Brillenbären und Jaguare und mindestens 168 Orchideen- und 354 Vogelarten zu schützen.
Die Wilhelma hilft bei Ameisenbär-Tunnel und Co. in Brasilien
In Brasilien unterstützt der Stuttgarter Zoo seit mehreren Jahren die Schutzprojekte des Kooperationspartners ICAS (Instituto de Conservacao de Animais Silvestres), die Artenschützer Arnaud Desbiez von ICAS in der Wilhelma vorstellte. Dort wurde im Oktober 2025 erstmals ein Tunnel eröffnet.
Er hilft den Großen Ameisenbären, Tapiren und Capybaras hilft, eine gefährliche Autobahn zu unterqueren und nicht überfahren zu werden.
Papageien werden wieder ausgewildert dank der Wilhelma
Und der Zoo fördert Artenschützerin Vanessa Kanaan vom Instituto Fauna Brasil bei der Auswilderung von Taubenhalsamazonen und Braunen Brüllaffen sowie Heinke Jäger von der Charles Darwin Foundation im Kampf gegen invasive Pflanzenarten auf den Galapagos-Inseln. In Mexiko unterstützt sie die Arbeit von Michael Köck vom Plan G bei der Wiederansiedlung der Fische namens Hochlandkäpflinge.
Verletzte Geier werden gepflegt als Hüter für Elefanten
Auch für Südafrika ist die Wilhelma in Bewegung. Nicht nur, dass die Mitarbeitenden des Stuttgarter Zoos im vergangenen Jahr zugunsten der Black Mambas, einer rein weiblichen Ranger-Gruppe in Südafrika, bei der „Wildlife Ranger Challenge“ mitgemacht haben. 80 Mitarbeitende haben mit 2800 Liegestützen 5600 Euro erzielt. Der Betrag wurde vom Veranstalter verdoppelt und wird nun für die Prävention von Wilderei im Gebiet des Greater Kruger National Park verwendet. Auch unterstützt die Wilhelma mit ihrem Nothilfefonds die Geierschutzorganisation Vulpro zur Rettung vergifteter Geier. Geier bilden für Wildhüter ein Frühwarnsystem, das auf gewilderte Nashörner und Elefanten aufmerksam macht.
Borstige Glockenblume kann auf der Schwäbischen Alb wieder blühen
Auch in Baden-Württemberg auf der Schwäbischen Alb ist nun im vergangenen Jahr zum zweiten Mal die in ihrer Art bedrohte Borstige Glockenblume wieder ausgepflanzt und an ihren Ursprungsort zurückgebracht worden. Bereits im Jahr 2023 waren im Auftrag des Regierungspräsidiums Samen der letzten verbliebenen Pflanzen eingesammelt und in der Wilhelma und im Botanischen Garten Tübingen angezogen worden. Der Bestand ist vom Aussterben bedroht.