Wo gilt noch die Wehrpflicht? Wo Verteidigung noch Pflicht ist

Blick in die Vergangenheit: Rekruten der Bundeswehr 2009, als es noch eine Wehrpflicht gab. Foto: picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Viele europäische Staaten haben die Wehrpflicht abgeschafft oder zumindest ausgesetzt. Einige haben sie inzwischen aber wieder eingeführt. In Frankreich müssen alle jungen Staatsbürger, Männer und Frauen, einen einmonatigen Pflichtdienst ableisten.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Die allgemeine Wehrpflicht war in Frankreich einst eine revolutionäre Angelegenheit. Sie wurde 1793 als „Levée en masse“ eingeführt und galt bis 1997. Die Abschaffung des Wehrdienstes durch Präsident Jacques Chirac war umstritten. Kritiker sahen darin einen Affront gegen eine nationale Tradition. Chirac hatte anstelle des Wehrdienstes für Jugendliche beiderlei Geschlechts einen „Tag zur Vorbereitung auf die Landesverteidigung“ eingeführt. Im Jahr 2021 wurde dieser in einen nationalen Pflichtdienst umgewandelt. Dieser ist von allen jungen Franzosen abzuleisten und dauert einen Monat. Er kann auch beim Militär absolviert werden. Zweck dieser Dienstpflicht ist, „französische Werte und die Grundsätze der Republik“ zu lernen, den „nationalen Zusammenhalt“ zu stärken und eine „Kultur des Engagements“ zu fördern.

 

Die Schweiz prüft den Wehrdienst für Frauen

Die Schweiz hat seit eh und je eine Milizarmee. Das ist im helvetischen Bundesbrief von 1291 so festgelegt. Demnach muss jeder Schweizer Staatsbürger Militärdienst oder einen zivilen Ersatzdienst leisten. Diese Pflicht obliegt aber nur jungen Männern, Frauen sind ausdrücklich davon ausgenommen. Die Schweizer Regierung prüft nach eigenem Bekunden „bis Ende 2024 eingehend die Möglichkeit, die Wehrpflicht auf Frauen auszudehnen“. Der Wehrdienst umfasst eine sogenannte Rekrutenschule von 18 Wochen Dauer und danach sechs je dreiwöchige Wiederholungskurse über einen Zeitraum von neun Jahren. Rekruten erhalten mindestens 69 Franken am Tag oder 80 Prozent des letzten Lohns.

In Norwegen unterliegen seit 2015 sowohl Männer als auch Frauen der Wehrpflicht. Etwa 70 000 junge Menschen werden jährlich gemustert, 15 000 zum Militärdienst herangezogen.

In Schweden wurde die allgemeine Wehrpflicht ähnlich wie in Deutschland 2010 ausgesetzt. 2017 hat die Regierung sie jedoch wieder eingeführt. Der Militärdienst dauert ein Jahr. Der Wehrpflicht unterliegen sowohl Männer als auch Frauen. Sie können alternativ auch einen nationalen Dienst in Zivil leisten. Jedes Jahr werden 4000 Rekruten beiderlei Geschlechts zur Armee eingezogen, das entspricht etwa vier Prozent der jeweiligen Geburtsjahrgänge.

Israel ruft alle zu den Waffen

In Dänemark sind nur männliche Staatsbürger wehrpflichtig. Der Wehrdienst dauert in der Regel vier Monate. Es werden 6000 Personen jährlich rekrutiert, 20 Prozent der Wehrpflichtigen.

In Österreich gab es 2013 sogar eine Volksabstimmung zur Abschaffung der Wehrpflicht. 59,7 Prozent der Abstimmungsberechtigten haben sich damals dagegen ausgesprochen. Der Grundwehrdienst dauert sechs Monate. Wehrpflichtige können alternativ auch einen neunmonatigen Zivildienst ableisten.

Israel zählt zu den wenigen Staaten weltweit, das alle körperlich dazu befähigten Staatsbürger zum Dienst an der Waffe einberuft. Seit 1949, also einem Jahr nach der Staatsgründung, gilt die Wehrpflicht auch für Frauen. Sie leisten mindestens zwei Jahre Militärdienst, für die israelischen Männer sind es zweieinhalb Jahre.

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