Die Zeit drängt, die Entscheidung fällt aber erst im Juli: Der Neubau eines modernen Verwaltungsgebäudes für die technischen Ämter und Behörden soll schnell gehen und viel Platz bieten. Doch Stadträte und auch Beschäftigte fordern eine Prüfung von Alternativen.

Das geplante Technische Rathaus im Gewerbegebiet Möhringen, im Rathausjargon Office-Hub genannt, bleibt umstritten. Während sich in den von einem Umzug betroffenen Ämtern Widerstand gegen die Pläne regt, bleibt der Gesamtpersonalrat der Stadt bei seinem positiven Votum für die Pläne. Unterdessen hat Liegenschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann dem Gemeinderat zugesichert, nochmals zwei oder drei alternative Objekte aus einer Fülle von Angeboten einer konkreten Prüfung zu unterziehen.

 

Bedenken im Stadtplanungsamt, Gesamtpersonalrat für schnelle Lösung

Die Zeit drängt, denn der Immobilienentwickler W2 hat nach Informationen unserer Zeitung signalisiert, dass er nicht ewig auf den städtischen Zuschlag für sein 300 Millionen Euro teures Gebäude in Möhringen warten will. Im Stadtplanungsamt mit seinen etwa 300 Beschäftigten, das bislang in der Innenstadt residiert, ist man nicht begeistert davon, künftig womöglich auf den Fildern arbeiten zu müssen. Bei einer amtsinternen Umfrage des dortigen Personalrats haben sich rund 91 Prozent der Befragten für einen Verbleib in der Innenstadt ausgesprochen. Man würde es begrüßen, wenn die bisher vier unterschiedlichen Standorte „rathausnah“ zusammengelegt werden könnten, heißt es in einem offenen Brief des Personalrats an die Rathaus- und Fraktionsspitzen.

Der Gesamtpersonalrat (GPR) dagegen hat sich in seinem jüngsten Rundbrief nochmals für die schnelle Realisierung eines modernen Verwaltungsgebäudes ausgesprochen. Der Standort gilt dem GPR dabei als alternativlos. Leider habe „die Verwaltung in der Vergangenheit entgegen vielfacher Bedenken, auch vom GPR, stadteigene Flächen und Gebäude in der Innenstadt verkauft, so dass es derzeit zentrumsnah nichts gibt, was schnell zur Verfügung steht“, heißt es dort. Man habe in den informellen Gesprächen dennoch immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Standort in der Innenstadt „optimal wäre“. Man wünsche sich innerhalb des Personals eine „eine offene und konstruktive Diskussion, die den Blick über das eigene Amt hinaus weitet und die viel beschworenen neuen Arbeitswelten mitbedenkt“.

SPD-Stadtrat: Vor dem Kauf erst moderne Arbeitsplätze definieren

An Letzterem macht sich auch die Kritik mancher Stadträte an dem schlüsselfertig zu übergebenden Gebäude in Möhringen fest. Die Grünen stellen die Frage, ob die sogenannten flexiblen Arbeitswelten am neuen Standort denn realisierbar seien. Die SPD will vor einer Kaufentscheidung nochmals einen detaillierten Vergleich mit anderen Immobilien, und auch das Linksbündnis spricht sich für eine Prüfung innerstädtischer Varianten wie etwa dem Areal rund um die alte Bundesbahndirektion aus. „Was uns fehlt, ist eine konkrete Beschreibung der modernen Arbeitswelten, bevor wir uns entscheiden“, so SPD-Stadtrat Michael Jantzer. Kritiker des Projekts verweisen auch darauf, dass es etwa in Mannheim für das neue Technische Rathaus einen Architektenwettbewerb gegeben habe.

Für CDU und FDP dagegen ist das W2-Areal der ideale Standort. Die zugrunde gelegten Kriterien für ein zweites Rathaus (gute Erreichbarkeit, schnelle Realisierung und Platz für knapp 2000 Mitarbeiter) schlössen viele andere Objekte aus, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Auch alle ökologischen und klimaschonenden Aspekte sprächen für den Neubau auf den Fildern. Für FDP-Stadtrat Eric Neumann ist die Sache klar: „Wir haben einstimmig eine Kaufabsicht bekundet, jetzt geht es darum, die Sache bejahend zu begleiten.“

Noch vor der kommunalpolitischen Sommerpause soll der Rat nun am 22. Juli entscheiden, ob die Stadt das W2-Objekt im Möhringen erwirbt oder nicht.