Niedrige Zinsen in der Baufinanzierung trafen seit Jahren auf eine zu geringe Anzahl verfügbarer Bauplätze. Als Konsequenz stiegen die von privat aufgerufenen Quadratmeterpreise für Bauland in der Region immer weiter. Etliche Kommunen im Kreis haben sich mit Grundstücken, die sich in ihrer Hand befinden, nicht an dieser Preisspirale beteiligt. Sondern: Damit bei der Bauplatzvergabe Personen zum Zug kommen, die bereits in der jeweiligen Gemeinde verwurzelt sind, haben sie ganze Sträuße an Auswahlkriterien hinsichtlich sozialer Aspekte und zum Ortsbezug entwickelt. Gleichzeitig haben sie Quadratmeterpreise aufgerufen, die sich am Bodenrichtwert orientieren und somit weit unter den marktüblichen Preisen liegen.
Auch Schönaich ist diesen Weg gegangen: Für acht Grundstücke im Baugebiet „Westrand“ sowie der „Erweiterung Westrand“, die im Eigentum der Kommune sind, wurde im Jahr 2022 ein Vergabeverfahren auf Basis von Kriterien, die der Gemeinderat beschlossen hat, eingeleitet. Als Zielgruppe hatten Verwaltung und Gemeinderat dabei all diejenigen definiert, die noch über kein Wohneigentum verfügen. Nur diese durften sich überhaupt bewerben.
Preis pro Quadratmeter: 790 Euro
Nach Abschluss der Bewerbungsphase Mitte November des vergangenen Jahres wurden die eingegangenen Bewerbungen rangiert und die acht Bauplätze entsprechend der Rangfolge zugeteilt. Von denen, die zum Zug kommen sollten, haben jedoch vier inzwischen zurückgezogen. Den Verkauf der vier Grundstücke an die immer noch Kaufwilligen zum Preis von 790 Euro pro Quadratmeter hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen.
Die Gemeindeverwaltung begründet in ihrer Drucksache den Rückzug der Hälfte der Bewerber vor allem mit den in der zweiten Jahreshälfte 2022 gestiegenen Baukosten, vor allem den Baufinanzierungszinsen. Auch in Schönaich hatte es mehr Bewerber als Bauplätze gegeben, folglich existiert eine Nachrückerliste. Auf dieser aber stehen jetzt nur noch Bewerber, die „nicht dem mit der Richtlinie angestrebten Personenkreis entsprechen“. Außerdem gehe die Verwaltung davon aus, dass auch viele Nachrücker zurückziehen müssten und so eine „Nachrückerspirale“ entstehe, erläuterte Ortsbauamtsmitarbeiter Maximilian Schöllkopf.
Neue Vergaberund beginnt
Darum wird das aktuelle Bewerbungsverfahren vorzeitig beendet. Für die übriggebliebenen vier Bauplätze beginnt eine neue Vergaberunde – aber mit aufgeweichten Kriterien für Wohneigentümer. Die sind jetzt nicht mehr generell ausgeschlossen, sondern nur diejenigen, die über Eigentum an einem Bauplatz, über mindestens zwei Eigentumswohnungen oder über „angemessenen Wohnraum“ verfügen. Letzteres wird in der Richtlinie an das Landeswohnraumförderungsgesetz angelehnt. Demnach sind zum Beispiel zumindest 45 Quadratmeter für Singles angemessen, für zwei Personen mindestens 60 Quadratmeter mit zwei Wohnräumen. Für drei gelten demnach 75 und mehr Quadratmeter mit drei Wohnräumen als angemessen.
Bewerber aus der ersten Runde müssen sich erneut bewerben, stellte Schöllkopf klar. Die Vergabe wird wieder über die Plattform „Baupilot“ durchgeführt. Der Preis bleibt unverändert bei 790 Euro pro Quadratmeter.