Wohnbaupolitik in Ditzingen Keine Zeit für große Neubaugebiete

Von fk 

Lange hatten die Stadträte den sozialen Wohnbau vernachlässigt. Mit den Flüchtlingen kommt das Umdenken. Doch schnelle Lösungen gibt es nicht.

Der Gemeinderat hat beschlossen, am Ortsrand der Kernstadt in Richtung Münchingen Platz für  bis zu 750  Einwohner zu schaffen. Foto: factum/ Granville
Der Gemeinderat hat beschlossen, am Ortsrand der Kernstadt in Richtung Münchingen Platz für bis zu 750 Einwohner zu schaffen. Foto: factum/ Granville

Ditzingen - Es besteht Handlungsbedarf. Darin ist sich der Gemeinderat einig. Dass Wohnraum fehlt, bezahlbarer überdies, ist nicht ausschließlich ein Ditzinger Problem. Davon ist die wirtschaftsstarke Region Stuttgart insgesamt betroffen. Doch was tun, wenn gar dringender Handlungsbedarf besteht, zusätzlicher Wohnraum aber nicht so schnell zu schaffen ist? Vor diesen Herausforderungen stehen die Ditzinger Stadträte. Sie sind erst recht unter Druck, seit sie verpflichtet sind, zudem binnen zwei Jahren 500 Flüchtlinge unterbringen zu müssen.

Wie Wohnraum schnell geschaffen werden soll, ist unklar. Klar ist den Räten allerdings, dass ihre bisherige Wohnbaupolitik nicht mehr zeitgemäß ist. Zu lange dauert es ihnen, wie seither Wohngebiete ausgewiesen haben. Ein Umdenken hat eingesetzt, das die Ratspolitik dieses Jahr prägen wird. Auch eine Klausur soll es dazu geben.

Ein Jahrzehnt lang ein Baugebiet entwickelt

„Mehr als zehn Jahre werden vergangen sein, bis das Baugebiet ‚Ob dem Korntaler Weg’ vom ersten Beschluss bis zum Einzug des ersten Einwohners entwickelt ist“, zeigte der CDU-Rat Sven Sautter in seiner Haushaltsrede die zeitliche Dimension eines Verfahrens auf, wenn wie bisher großflächig neue Wohngebiete ausgewiesen würden. Selbst dies scheint dem SPD-Rat Heinz Lienow noch zu knapp bemessen. „Diese Realisierungszeiträume sind deutlich zu lang“, konstatierte Sautter, ehe er forderte: „Ditzingen braucht eine rasche Ausweisung weiterer Wohnbauflächen.“

Auch wenn es in diesem Moment unausgesprochen blieb, hatte Sautter damit auch den Freien Wählern entsprochen. Dessen Fraktionschef Manfred Grossmann hatte jüngst wiederholt gefordert, künftig kleinere Baugebiete auszuweisen. Auf diese Weise, so seine Überlegung, würden schneller Flächen zur Verfügung stehen.

Auch kleine Baugebiete brauchen ihre Zeit

Aber auch bei kleinen Baugebieten vergeht viel Zeit von den ersten Planungen bis zur Erteilung der ersten Baugenehmigung, wie das Beispiel Panoramastraße zeigt. Dabei handelt es sich um eine gehobene Wohngegend. Doch die Nachfrage ist auch dort gegeben, weshalb der Gemeinderat im Juli 2010 für die Aufstellung eines Bebauungsplans stimmte. 18 Einfamilienhäuser werden in der exponierten Lage entstehen. Die Stadt geht von rund 45 Bewohnern in dem kleinen Gebiet aus. Bis diese einziehen können, wird aber weiterhin Zeit vergehen: „Eventuell Ende dieses Jahres können erste Baugenehmigungen für die Wohnhäuser erteilt werden“, teilt die Stadtverwaltung mit. Das wäre also sechs Jahre nach den ersten Planungen.

Der Oberbürgermeister Michael Makurath widmete dem Thema auch in seiner Neujahrsansprache Platz. Er wies darauf hin, dass die Ditzinger bei der Nutzung von Wohnbauflächen „auch an den Vorgaben der Landesplanung rütteln müssen, über die der Verband Region Stuttgart wacht“. Seine Worte waren wohlüberlegt, bat er doch die Regionaldirektorin des Verbands in diesem Zusammenhang sogleich um Unterstützung. Nicola Schelling hörte es wohl, auch sie war zum Neujahrsempfang in die Ditzinger Stadthalle gekommen.

Nun gilt der Oberbürgermeister als SPD-nah, macht für die Sozialdemokraten Politik im Regionalparlament. Doch auch der CDU-Rat Sautter hat bereits gefordert, den Flächennutzungsplan rechtzeitig weiterzuentwickeln, „um Einfluss auf die regionalplanerische Entwicklung nehmen zu können“. Auch Sautter, der ebenfalls für seine Partei im Regionalparlament sitzt, sagt dies nicht ohne Grund. Er geht davon aus, dass der übergeordnete Regionalplan wegen des Siedlungsdrucks mittelfristig wohl weiterentwickelt werden muss.