Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt wollen ihren gemeinsamen Mietspiegel erneuern. Das Wohnen wird immer teurer. Die Mieten sind seit 2024 um 7,1 Prozent gestiegen.

Bereits seit dem Jahr 2022 machen Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt gemeinsame Sache und lassen einen Mietspiegel erstellen. Nach einer Fortschreibung im Jahr 2024 steht nun, vier Jahre nach dem ersten Mietspiegel, eine Erneuerung an. 905 Fragebögen wurden dafür vom Hamburger Unternehmen „ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung“ ausgewertet. Die Daten zeigen, dass die Mieten hoch sind und weiter steigen.

 

Vor diesem Hintergrund ist es für viele Kommunalpolitiker unverständlich, dass laut einem Gutachten Leinfelden-Echterdingen keinen angespannten Wohnungsmarkt mehr haben soll und deshalb ab Januar die Mietpreisbremse nicht mehr greifen könnte. Filderstadt wird weiterhin zur sogenannten Gebietskulisse mit angespanntem Wohnungsmarkt gezählt, die Mietpreisbremse wird dort also weiter greifen.

Dreizimmerwohnung um die 1000 Euro – ohne Nebenkosten

Seit der Fortschreibung des Mietspiegels im Jahr 2024 sind die Mieten um 7,1 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt beträgt die Nettokaltmiete 11,32 Euro - in Leinfelden-Echterdingen 11,69 Euro und in Filderstadt 10,88 Euro. Eine neu vermietete Dreizimmerwohnung kostet damit schnell um die tausend Euro Miete monatlich, ohne Nebenkosten. Allerdings werden nur Mietverträge berücksichtigt, die nicht älter als sechs Jahre sind.

29 000 Euro für die Erstellung des Mietspiegels

Beide Städte geben zusammen 29 000 Euro für die Erstellung des Mietspiegels aus. Dass das Geld gut angelegt ist, daran gab es während der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses in Leinfelden-Echterdingen keine Zweifel. Die Stadträte haben dem Gemeinderat einstimmig empfohlen, dem Entwurf des Mietspiegels zuzustimmen. In Filderstadt wurde ein entsprechender Beschluss Ende November in Verwaltungsausschuss gefasst.

Der Mietspiegel schaffe Transparenz und Rechtssicherheit für Mieter und Vermieter, erklärte der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Gleichzeitig forderten Stadträte verschiedener Fraktionen, dass sich die Stadt für den Erhalt der Mietpreisbremse einsetzen solle. Eine Steigerung von 7,1 Prozent sei „ein dicker Brocken“, meinte die SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. „Der Wohnungsmarkt ist angespannt“, ist sie sich sicher.

Der Wohnungsmarkt auf den Fildern ist leergefegt. Foto: psdesign1 - Fotolia

Dass das Gutachten des Landes zu dem Schluss komme, es gebe in Leinfelden-Echterdingen keinen angespannten Wohnungsmarkt, habe mit der Realität nichts zu tun. Und viele Mieten lägen ja noch höher als der errechnete Durchschnitt. Leinfelden-Echterdingen gehöre weiter zu dem Gebiet, wo eine Mietpreisbremse greifen sollte. Wo die Mietpreisbremse gilt, darf bei einer Neuvermietung die Miete zu Mietbeginn höchstens um zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

FDP-Stadtrat Wolfgang Haug: „Wer kann sich das noch leisten?“

Der Grünen-Stadtrat Maximilian Kreft forderte, dass die Stadt neben dem offenen Brief des Oberbürgermeisters auch auf weiteren Ebenen aktiv werden solle. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/FDP, Eberhard Wächter, schloss sich seinen Vorrednern an. „Der Markt ist im Prinzip leer gefegt“, erklärte er. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt habe trotz umfangreicher Neubauaktivitäten nicht nachgelassen.

Das Unterzeichnen eines Mietvertrags geschieht oft mit gemischten Gefühlen: Eine neue Wohnung, mitunter aber zu teuer. Foto: picture alliance / dpa-tmn

„Wir brauchen den Mietspiegel und wir brauchen auch die Mietpreisbremse“, schloss er daraus. Für die Stadträtin Sabine Onayli (LE Bürger/Demokratie in Bewegung) beweisen die Zahlen, „was jeder persönlich mitbekommt“. Der FDP-Stadtrat Wolfgang Haug brachte das Dilemma auf den Punkt. „Wer kann sich das noch leisten?“, fragte er. Ein wenig Wasser goss der Bürgermeister Kalbfell in den Wein. Die Investoren, die neue Wohnungen bauen wollten, rechneten mit einer Rendite. Die Unternehmen müssten Geld verdienen. Und eine Mietpreisbremse erfreue nicht jeden Investor, so Kalbfell.

Passt die eigene Miete?

Online-Rechner
Wer herausfinden möchte, ob die Miete passt, kann den Online-Rechner von ALP nutzen (https://mietspiegel-berechnen.de/fi_le_2024/). Die Abkürzung ALP steht für den jeweils ersten Buchstaben der Nachnahmen der drei Gesellschafter Felix Arnold, Stefan Lehnert und Johannes Promann.