Wohnen auf den Fildern Steiniger Weg zum eigenen Heim

Von Thomas Krämer 

Wer heute auf den Fildern einen Bauplatz will, muss entweder Verwandte oder Bekannte mit Grund und Boden haben oder Kontakt zu einem Bauträger haben. Denn die bestimmen zurzeit den Markt.

Weil Wohnen immer teurer wird, setzen mehr Menschen auf sehr kleine Wohnungen, sogenannte Tiny Houses. Foto: dpa
Weil Wohnen immer teurer wird, setzen mehr Menschen auf sehr kleine Wohnungen, sogenannte Tiny Houses. Foto: dpa

Filder - Grundstück im Süden von Bernhausen; 519 Quadratmeter; 599 000 Euro. Geschaltet im Internet auf immobilienscout24.de. In Leinfelden-Echterdingen: zwei Bauplätze mit 264 Quadratmetern und 1535 Quadratmetern, Preis auf Anfrage. Immonet: leider keine Ergebnisse – weder in Filderstadt noch in Leinfelden-Echterdingen.

Kommt man auf den Fildern noch an Baugrundstücke – und wenn ja, wie? Wenn man die Aussagen von Maklern nimmt, dann hilft die Verwandtschaft weiter. „Es gibt noch relativ viele Grundstücke, die jedoch im Privateigentum sind“, sagt Hermann Weinmann von WVS Immobilien in Bernhausen. Diese Erfahrung hat auch Rainer Spannagel gemacht. „Es ist schwer, etwas zu bekommen, und wenn, dann ist es teuer“, sagt der Vorstandssprecher der Volksbank Filder. Viele Grundstücke gingen unter der Hand weg – also an Verwandte oder Bekannte –, die anderen meist an Bauträger. Und die bauen im allgemeinen so, dass möglichst viele Wohnungen entstehen, was finanziell lukrativ ist. Mit reinen Baukosten von rund 3000 Euro wird derzeit gerechnet – pro Quadratmeter. „Diese verdichtete Bauweise ist von den Kommunen so gewollt“, sagt Spannagel. Schließlich kann damit der Druck auf dem Wohnungsmarkt ein wenig genommen werden, ohne in die freie Fläche zu gehen.

Junge Leute verkaufen zu Höchstpreisen

Der Grundstücksmarkt hat sich verändert, sagt ein anderer Makler, der nicht genannt werden will. Vor zehn Jahren sei die Situation noch eine andere gewesen, „da hatten wir noch einige Baugrundstücke im Angebot“. Heute habe er den Eindruck, dass die jungen Leute warten, bis sie erben, „und dann wird zu Höchstpreisen verkauft“.

Die hohen Kosten sind für Bauherren ein Thema, viele können sich den Grund und Boden kaum oder nicht mehr leisten. „Die Preise sind in den vergangenen Jahren um bis zu 70 Prozent gestiegen“, sagt Weinmann. Vor fünf Jahren habe man noch 400 bis 500 Euro für den Quadratmeter bezahlt, jetzt bekomme man in Filderstadt ein Baugrundstück kaum noch unter 1000 Euro pro Quadratmeter. „Der Trend ist jetzt aber gebrochen, die Preise gehen nicht mehr durch die Decke.“ Auch Kommunen wie Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen hätten sich bis vor einigen Jahren an diesem Wettlauf beteiligt und die Grundstücke höchstbietend verkauft. „Den sozialen Wohnungsbau haben sie dabei völlig vergessen“, kritisiert er.

Stadt kauft Grundstücke auf

In L.-E. wurde mittlerweile das Baulandentwicklungsmodell eingeführt. Das bedeutet, dass die Stadt in Neubaugebieten die Grundstücke aufkauft. Gebaut werden kann erst dann, wenn die Stadt im Eigentum aller Flächen innerhalb eines Plangebietes ist. „Das hat den Vorteil, dass die Stadt die Verkaufskonditionen und die soziale Zusammensetzung eines Wohngebiets besser steuern kann“, sagt Baubürgermeisterin Eva Noller. Also auch die Vergabe der Bauplätze, beispielsweise bevorzugt an Einheimische? Dafür will die Stadt konkrete Vergaberichtlinien erstellen. Grundlage soll ein Bewertungsbogen sein, in dem nach bestimmten Kriterien Punkte verteilt werden.

„Einheimische und Familien mit kindergeldberechtigten Kindern sollen besonders stark gewichtet werden“, sagt Noller. Rückkehrer, also Menschen, die den Ort verlassen haben und wieder zurück wollen, könnten zudem einen Vorteil bekommen. Auch Menschen, die im Ort arbeiten, sollen Punkte sammeln. Damit würde, so die Hoffnung der Stadtverwaltung, die Verkehrsbelastung reduziert werden. Immerhin fahren täglich rund 26 000 Menschen von außerhalb zu ihrem Arbeitsplatz im Ort. Viele nutzen dafür ihr Auto und verstopfen die Straßen.

Einheimische sollen bevorzugt werden

Nach Worten von Christoph Traub entwickele die Stadtverwaltung gerade ein Handlungsprogramm Wohnen. „Darin wird auch ein Einheimischen-Modell eine Rolle spielen“, sagt der Filderstädter Oberbürgermeister. Denn so etwas gebe es im Moment nicht. Kriterien bei der Vermietung der städtischen Wohnungen würden im Einzelfall festgelegt.

Die Bodenrichtwerte könne die Stadt aber nicht beeinflussen, sagt Traub. Diese würden durch eine Kaufpreissammlung entstehen. Bewegung bei den Preisen erwartet der Oberbürgermeister jedoch nicht, auch wenn der Gutachterausschuss gerade wieder über den Wert von Baugrundstücken diskutiert.