Wohnen in Echterdingen Warum im „KaepseLE“ vor allem kleine Wohnungen entstehen
Mit dem Projekt „KaepseLE“ sollen nicht nur neue Wohnungen in Leinfelden-Echterdingen entstehen, sondern auch bestehender Wohnraum in der Stadt frei werden.
Mit dem Projekt „KaepseLE“ sollen nicht nur neue Wohnungen in Leinfelden-Echterdingen entstehen, sondern auch bestehender Wohnraum in der Stadt frei werden.
Oberbürgermeister Otto Ruppaner war beim Bürgerdialog zum Stadtentwicklungsprojekt „KaepseLE“ ein begehrter Gesprächspartner. Um ihn und ein Modell des künftigen Wohnquartiers auf den Goldäckern scharten sich die meisten der interessierten Bürger, die ins Walter-Schweizer-Kulturforum gekommen waren, um sich über das geplante Großbauprojekt zu informieren.
270 Wohnungen sollen hier am Stadtrand von Echterdingen auf rund 20 000 Quadratmetern bestem Filderacker gebaut werden. Drei Baufelder von Norden nach Süden wurden hierfür entlang der Goldäckerstraße definiert. „KaepseLE“ steht für „Klimaschutz und -anpassung durch emissionsfreies Bauen, Pflanzen, Stoffkreisläufe und Energievernetzung in Leinfelden-Echterdingen“. Klimaneutral und möglichst innovativ soll also gebaut werden, weshalb das Projekt 2023 auch ins Portfolio der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) aufgenommen wurde. Zu sehen sein dürften auf den Goldäckern im kommenden Jahr mit etwas Glück allerdings allenfalls ein paar Bagger – wenn überhaupt.
Auf Fragen nach der Terminschiene für das Projekt antwortet an diesem Abend der Leiter des städtischen Planungsamts, Philipp Schwarz, denn auch eher ausweichend. Von einem konkreten Termin für den Baustart auf den drei Baufeldern, die jeweils einem Investor zugeordnet sind, ist nichts zu vernehmen. Klar ist allerdings: Der nun vorliegende Entwurf „ist umsetzbar“, wie Schwarz im Anschluss an die Präsentation des Projekts betont. Das heißt vor allem: trotz der ambitionierten Vorgaben kann hier wirtschaftlich gebaut werden. Holz soll der dominante Baustoff bleiben, auf Keller, die nur in Betonbauweise realisiert werden könnten und deshalb CO2-Fresser wären, wird verzichtet.
Die Pläne sehen vor, dass im Norden des Areals in mehreren Baukörpern insgesamt 79 geförderte Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen entstehen. Die Kita, die dort ursprünglich geplant war, wurde mangels Bedarf gestrichen. Altersgerechte Wohnungen sollen im mittleren Baufeld entstehen: rund 70 Wohneinheiten, in denen auch betreutes Wohnen stattfinden soll.
Im Süden, wo die Pläne 123 frei finanzierte Wohnungen in einer Größe zwischen einem und vier Zimmern vorsehen, soll an der Nordgrenze das zentrale Quartiersparkhaus mit Raum für 182 Autos und 230 Fahrräder Platz finden. In jedem Baufeld entstehen sogenannte Ankergebäude mit Geschäften, Veranstaltungsräumen oder Sharing-Angeboten.
Was einigen Zuhörern auffällt: Über alle Baufelder hinweg ist die Zahl großer Wohnungen mit vier oder fünf Zimmern gering. Im Süden sind überhaupt keine Fünf-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Wo also sollen größere Familien hier künftig unterkommen, lautet eine berechtigte Frage. An dieser Stelle lassen die Ausführungen von OB Ruppaner aufhorchen: Demnach hofft die Stadt, dass das Projekt mit seinem vergleichsweise hohen Anteil an kleinen Wohnungen zu „Verlagerungseffekten“ beiträgt. Soll heißen: Vor allem ältere Menschen, die in Leinfelden-Echterdingen bislang in großen Wohnungen oder Häusern leben, könnten bei geringer werdendem persönlichen Raumbedarf in den Goldäckern geeigneteren Wohnraum für sich finden. Im Umkehrschluss würden Häuser und große Wohnungen an andere Stelle in der Stadt für Familien frei werden.
Ein Gedanke, den IBA-Intendant Andreas Hofer mit Zahlen unterfüttert: „In Leinfelden-Echterdingen sind 70 Prozent aller Haushalte keine Familienhaushalte“, sagt Hofer. Nur eine oder zwei Personen lebten in diesen Haushalten. Gleichzeitig sei in der Vergangenheit überwiegend für Familien gebaut worden. Faktisch wohnen also viele Menschen in Wohnungen, die für sie eigentlich zu groß sind. „Diese Wohnstruktur, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat, passt immer schlechter zu unserer aktuellen Gesellschaft“, erklärt Hofer. Mit dem Bauprojekt in den Goldäckern will die Stadt dem nun entgegensteuern.
Sorgen bereitet den bisherigen Anwohnern der Goldäckerstraße der zusätzliche Verkehr, den das neue Quartier erzeugen könnte. Mit rund 1100 Fahrzeugen mehr pro Tag rechnet die Stadt auf der Straße, die erst vor eineinhalb Jahren zur Fahrradstraße umgewidmet worden war. Ob sie auch künftig Fahrradstraße bleiben kann, steht bisher nicht fest. Weitere Kritik wurde laut, weil die Stadt das Wärmenetz für das Quartier ad acta gelegt hat. Und auch die Parkplatzsituation im künftigen „KaepseLE“ wirft bei einigen trotz Quartiergarage Fragen auf: Für manchen Bewohner könnte der Weg vom Auto zur Wohnung weit werden, was beispielsweise mit schweren Einkaufstaschen zum Problem werden könnte.