Wohnen mit schönen Möbeln Reif für die Couch

Die niederländische Designerin Hella Jongerius entwarf das „Polder“-Sofa in fröhlichen Farben und asymmetrischen Kissen für Vitra in Baden-Württemberg. Auf der breiten Armlehne und dem Hocker ist Platz für Bücher und Computer. Foto: Hersteller/Vitra

Ein gemütliches Sofa ist wichtiger denn je in Zeiten des Coronavirus. Vorschläge für Sitzenbleibende mit Stil.

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Stuttgart - „Bleiben Sie bitte zu Hause!“, #staythefuckhome („Bleib-verdammt-nochmal-daheim“) – mal mehr, mal weniger freundlich, stets und überall wird der Mensch aktuell daran erinnert, seine Zeit gefälligst in den eigenen oder gemieteten vier Wänden zu verbringen. Und da er dort nicht immerzu nur arbeiten, Kinder unterrichten, kochen, putzen und ausmisten kann, landet er früher oder später hier: auf dem Sofa.

 

Wobei übrigens das Arbeiten auf dem Polstermöbel absolut in Ordnung geht, schließlich verweist der artverwandte Diwan „im deutschen Sprachraum in der Bedeutung Polsterbank (ursprünglich bezogen auf den bequemen Sitz eines Beamten) auf Sitzmöbel, wie man sie in orientalischen Amtsstuben findet“, wie im „Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ zu lesen ist.

Grau ist eine beliebte Farbe

Das Wort Sofa kommt vom arabischen suffa (gepolsterte Ruhebank). Die Couch lädt eher zum Tiefenentspannen ein, denkt man dabei ans französische coucher (schlafen). Arbeiten oder Schlummern, so oder so merkt manch ein Daheimbleibender, dass Diwan, Sofa oder Couch ganz schön durchgesessen ist, und entscheidet, das Geld des stornierten Urlaubs in Verschönerungsaktionen für daheim zu investieren.

Wer sich hierbei am deutschen Durchschnitt orientieren möchte, wählt Grau als Farbe, ein L als Form und einen passenden Sessel; das hat zumindest die Werbeagentur Jung von Matt nach Erhebung statistischer Daten vor einigen Jahren ermittelt.

Wer wiederum gern günstig bei dem schwedischen Möbelhersteller Ikea einkauft, schätzt das schlichte, kastenförmige Modell „Klippan“: Der schwedische Designer Lars Engman hat es gestaltet, seit 1979 wird es ununterbrochen produziert; es ist so wie das „Billy“-Regal fast schon ein Designklassiker.

Ein Vorteil von „Klippan“ und in Nachhaltigkeitszeiten charmant: Man kann immer wieder neue Sitzbezüge überziehen. Hersteller wie Softline aus Dänemark bieten so etwas ebenfalls an, hier lässt sich oft auch das Füllmaterial austauschen.

Die Couch in der Psychologie

So richtig weich und behaglich sind Sofas ja ohnehin erst, seit Georg Junigl, ein Polstermöbelfabrikant aus Wien, im Jahr 1822 ein Patent auf Sprungfederung anmeldete. Dazu musste die Polsterung entsprechend opulent ausfallen, damit Platz genug für die Federn war.

Zuvor hatten Schreiner Holzgestelle gefertigt, mit Rosshaar, Pflanzenteilen oder Wolle umwickelt und mit Stoff bezogen. Klingt nicht allzu gemütlich, war aber trotzdem ein Luxus – ein Möbel, das sich nur Reiche leisten konnten, die darauf tagsüber in Rückzugsräumen ausruhten.

Die gute Stube besetzt die gepolsterte Ruhebank, seit sie dank der industriellen Revolution in Masse und günstig herstellbar ist. Und bald schon wurde auch sie berühmt und berüchtigt: Reif für die Couch ist, wer sich in psychologische Behandlung geben soll, seit Sigmund Freud in Ruheposition liegende Patienten psychoanalysierte. Als Besetzungscouch missbraucht wurde das Möbelstück wiederum bis zu #metoo im Filmgeschäft und andernorts.

Die unschuldige klassische Kombination aus 3er-, 2er-Sofa und Sessel sowie die riesige Über-Eck-Garnitur mit hoher Rückenlehne war lange Zeit die beliebteste Wahl für Kuchenschlachten mit der ganzen Verwandtschaft.

Frage vor dem Sofa-Kauf: Was muss das Möbel können?

Die aber wurden vom Liegelümmel-Lounge-Möbel verdrängt, das jetzt meist nur noch von der Kernfamilie genutzt wird. Kommen Tante Berta und Co. zu Besuch, nehmen sie an einem langen Tisch Platz, sitzen auf Stühlen unterschiedlicher Herkunft (gern ein Mix aus Geerbtem, Flohmarkt- und Designerstücken).

Weil aber nicht alle über großzügige Wohn-Ess-Zimmer verfügen, erst recht in Zeiten teuren Wohnraums, bieten immer mehr Polsterfirmen kleine, zierliche Modelle an.

Und egal wie viel Platz man hat, erste Überlegung beim Neukauf sollte sein: Was muss das gute Stück können? Hat man in diesen Zuhausezeiten realisiert, dass man lieber für sich ist, verzichtet man auf eine gemeinsame Bank und schafft sich Ausziehsessel an. Wer nun auch noch an eine Wertanlage beim Möbelkauf denkt, bestellt einen Lounge Chair von Eames (Vitra) oder einen Womb Chair von Saarinen (Knoll).

Arbeitet man, um zurück zum guten alten Diwan zu kommen, wirklich mal mit dem Laptop auf dem Sofa, sind breite Armlehnen mit Auflagemöglichkeit von Vorteil sowie Modelle, bei denen sich die Kissen so platzieren lassen, dass man zu mehreren sitzen und tippen kann.

Wie auf Arbeitsmessen wie der Orgatec zu hören ist, tendiert die Arbeitswelt immer mehr dazu, dem Arbeitnehmer ein wohnliches Umfeld zu schaffen, damit er gern lange arbeitet. Vielleicht nimmt man den Diwan, das Sofa in derlei Planung auf, dann müsste man in Banken und auf dem Amt nicht mehr an ungemütlichen Bistrotischen stehend seine Geschäftsangelegenheiten besprechen, sondern entspannt auf dem Diwan.

Modul-Sofas für die Familienplanung

Ist man gesellig und mag man Besuch über Nacht beherbergen, empfiehlt sich ein Ausziehsofa; bei Krankheit zudem ist das auch als Ausweichschlafplatz von Nutzen, wenn man dem oder der kranken Liebsten das Bett überlässt.

Sollte man in Sachen Familienplanung unschlüssig sein, wählt man am besten Modulsysteme. Viele Hersteller, von Ikea bis Hay, bieten Module an, die vom Einsitzer bis zur Großfamilienwohnlandschaft erweiterbar sind.

An- und Abbau, beides ist denkbar und möglich. Schließlich prognostizieren Psychologen der zur Häuslichkeit verdammten Gesellschaft, dass es wohl bald mehr Scheidungen wie auch steigende Geburtenraten geben wird.

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