Wohnen Tausche Wohnung gegen Hilfe

Die Initiative „Wohnen mit Hilfe“ soll Studenten und Senioren zusammenbringen. Die einen profitieren dabei von der Hilfeleistung der jungen Menschen, die anderen kommen durch die Wohnpartnerschaft zu einer günstigen Unterkunft. Foto: Quirin Leppert/imagetrust
Die Initiative „Wohnen mit Hilfe“ soll Studenten und Senioren zusammenbringen. Die einen profitieren dabei von der Hilfeleistung der jungen Menschen, die anderen kommen durch die Wohnpartnerschaft zu einer günstigen Unterkunft. Foto: Quirin Leppert/imagetrust

Die Initiative „Wohnen mit Hilfe”, kommt in Stuttgart nicht gut an. Es fehlt an Wohnangeboten.

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Studenten, die für eine preisgünstige Studentenbude die Kehrwoche machen, sich um den Garten kümmern oder einkaufen gehen würden, gibt es in Stuttgart genug. Was fehlt, ist das Angebot an entsprechend günstigem Mietraum in der Landeshauptstadt - ist die Erfahrung von Harald Habich, der beim Bürgerservice Leben im Alter die Anfragen koordiniert. „Aktuell gebe es elf Fälle, bei denen so etwas wie eine Anbahnung zwischen Studenten und Senioren stattfinde. „Für eine Stadt wie Stuttgart ist das natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein”, muss auch Habich zugeben.

Dabei geht es gar nicht einmal so sehr um den klassischen preisgünstigen Wohnraum, der in der Landeshauptstadt sowieso rar ist. Die Grundidee des Sozialamtes geht auf einen Klassiker aus den 50er und 60er Jahren zurück, wo viele Familien aufgrund ihrer finanziellen Situation wenigstens ein Zimmer ihrer Wohnung als sogenanntes möbliertes Zimmer untervermietet hatten. Diese „Kultur des möblierten Zimmers” ging quasi mit dem Wirtschaftsaufschwung verloren, weil es Familien im Laufe der Jahre nicht mehr nötig hatten, aus finanziellen Gründen ein Zimmer zur vermieten. Heute fehle diese Kultur einfach, bemängelt Habich. Insgeheim hat man beim Sozialamt der Stadt Stuttgart wohl darauf gehofft, dass sich mehr ältere Menschen, die nach dem Auszug der Kinder oft in viel zu großen Altbauwohnungen leben, dazu entschließen könnten, den unbewohnten Teil ihrer Wohnung unterzuvermieten.

Harald Habich hat für diese Zurückhaltung aber auch Verständnis. „Ein Zimmer in der eigenen Wohnung an einen Fremden zu vermieten, ist etwas ganz anderes als in einer Einliegerwohnung.” Bei einem möblierten Zimmer hat man eine weitere Person in der Wohnung, die plötzlich Bad, WC und Küche mitbenutzt. „Das ist eine Hürde, vor der gerade viele ältere Menschen zurückschrecken”, vermutet der Sozialarbeiter. Natürlich wäre eine Mansardenwohnung oder eine Einliegerwohnung für so ein Tauschgeschäft optimal, weiß auch Habich. Aber dafür gab es bislang noch kein Angebot. Er ist zwar zuversichtlich, weiß aber auch, dass für die Umsetzung dieser Idee ein langer Atem notwendig sein wird. Erst wenn die Not auf beiden Seiten groß genug sei, werde sich an der Einstellung etwas ändern, glaubt er. Das Stuttgarter Projekt „Wohnen mit Hilfe” sieht aber längst nicht nur Senioren als Zielgruppe. Alle Menschen mit einem Handicap, die etabliert sind und über Wohnraum verfügen, können an dem Projekt teilnehmen, erklärt Habich. Auf der Helferseite sind aber nicht nur Studenten angesprochen, sondern alle jungen Menschen, die aufgrund ihrer Ausbildungssituation wenig Geld haben und auf dem engen Stuttgarter Mietmarkt sonst kaum eine Chance hätten, überhaupt eine preiswerte Unterkunft zu finden. Auf der anderen Seite sind für Harald Habich natürlich die Senioren die größte Gruppe, aber auch Familien mit Kindern oder Familien, bei denen ein Familienmitglied ein Handicap hat, könnten von dem Programm profitieren, ist sich der Sozialarbeiter sicher. Ob man für die günstige Miete die Kehrwoche macht, den täglichen Einkauf erledigt, sich um den Garten kümmert oder den Kindern bei den Hausaufgaben hilft, bleibt jeder Seite selbst überlassen. Als Faustformel gilt: eine Stunde entspricht etwa dem Gegenwert der Miete für einen Wohn-Quadratmeter.

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