Wohnen und Handel in Böblingen Der neue Glanz des Böblinger Bahnhofsviertels

Der neue Durchlass im Bahnhofsviertel. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Zwei Monate noch, dann werden im neuen Böblinger Stadthaus Pulse die Geschäfte eröffnen. Jetzt schon sieht man, wie das Gebäude das Bahnhofsviertel aufwertet. Was das für den Handel in der Innenstadt bedeutet? Nur Gutes, sagt der Projektentwickler.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Nicht mehr so lange hin: Am 17. Juli öffnen die Läden im neuen Böblinger Stadthaus Pulse, im Herbst sind die 84 Wohnungen fertig. Im künftigen Decathlon stehen schon die Schaufensterpuppen am Start, im Aldi sind die Regale eingebaut, im Tegut-Einkaufsmarkt flimmern bereits die Sonderangebote über die Reklame-Bildschirme.

 

Mehr als 100 Millionen Euro kostet das Gebäude, das Gewerbe, Wohnen und Handel vereint. Es gilt als der nächste große Wurf in der Phase des Umbaus, den das Bahnhofsviertel seit zehn Jahren erlebt.

Das Pulse ersetzt das alte City Center, das sich als Riegel entlang der Olgastraße gezogen hatte und entriegelt nun gewissermaßen das Quartier. Es gliedert sich in zwei Gebäudeteile, dazwischen liegt eine Freifläche, die zunächst den Spitznamen „Düse“ bekommen hatte, weil sie von oben gesehen eine konische Form einnahm. Jetzt spricht die Böblinger Baugesellschaft von einer „Fuge“.

Ein attraktiver Raum

Projektleiter Carsten Teltscher und Projektentwickler Rainer Ganske /Roger Bürke

Diese Fuge ist aber alles andere als ein schmaler Durchlass. Sie ist großzügig bepflanzt, hat Fahrradständer und öffnet vor allem den Blickhorizont aus dem Quartier hinaus. Einen Straßennamen wird es für die Fuge nicht geben, obwohl sie ihn verdient hätte, einfach deswegen, weil es kein öffentlicher Verkehrsraum ist, sondern Privatgelände, das die Baugesellschaft Böblingen (BBG) an zwei große Investoren verkauft hat: die Hanse Merkur aus Hamburg und die Kreissparkasse Böblingen. Der Hanse Merkur gehören auch die Mercaden, die mit dem Pulse inhaltlich eng verbunden sind.

Mercaden und Pulse sollen sich ergänzen

Deswegen glaubt Rainer Ganske nicht, dass sich die Einkaufsmall und das Wohn- und Handelsgebäude Konkurrenz machen – schließlich haben sie den gleichen Eigentümer. Dem gehe es, sagt Ganske, vor allen Dingen darum, Kundenfrequenz in das Viertel zu bringen. Der Sport-Discounter Decathlon wird aus den Mercaden aus- und in eine wesentlich größere Fläche im Pulse einziehen.

Der Edeka in den Mercaden war bisher der einzige Lebensmittelhändler nahe der Bahnhofstraße vor Ort, er wird jetzt durch Tegut und Aldi ergänzt. Damit wären verschiedene Preissegmente in unmittelbarer Nähe vereint. Die beiden Häuser ergänzen sich, ist die These von Rainer Ganske: Den Mercaden bleibe der kleinteilige Einzelhandel vorbehalten, die großen Flächen gebe es im Pulse.

Kundenfrequenz braucht auch Infrastruktur. Das Pulse wird man von der Wolfgang-Brumme-Allee her anfahren können. Von Süden aus direkt, von Norden muss man im Kreisverkehr an der Talstraße wenden.

Die Säule strahlt in „Eletric Blue“

Um das Haus herum gibt es mehr als 80 Fahrradstellplätze, unter dem Haus befinden und 350 Stellplätze für Autos, davon sind 250 öffentlich und dienen den Kunden, 100 Stellplätze bekommen die Inhaber der 84 Wohnungen, die im Pulse entstehen. Rainer Ganske hat die Tiefgaragen-Stellplätze etwas breiter als gewöhnlich geplant, damit die Autos auch die Türen aufbekommen. „Sie können hier mit einer G-Klasse einfahren“, sagt Ganske; ein Mercedes, der es immerhin auf 4,60 Meter Länge und zwei Meter Breite bringt. Offiziell können bis zu 2,1 Meter hohe Fahrzeuge einfahren, tatsächlich ist die Garage an den meisten Stellen höher.

Manche der Säulen unter Tage sind blau gestrichen. „Elektric Blue“, sagt der Projektleiter Carsten Teltscher. An diesen Stellplätzen können sich die Elektroautos mit frischem Saft aus der Steckdose versorgen. Mehr als drei Jahre wird er den Bau begleiten, von der Grundsteinlegung im Oktober 2021 über das Richtfest im März 2023 bis zur Einweihung der Geschäfte am 17. Juli. Aus seiner Sicht war es zäh, die Firmen zu gewinnen und die Gewerke auszuschreiben, einfach weil es den Baufirmen noch immer an Arbeitskräften mangelt.

Große Leistung im Untergrund

Dafür seien die Bauarbeiten ohne größere Vorkommnisse abgelaufen. Die größte Leistung, die seine Leute erbracht haben, die sieht man allerdings nicht. Das war die passgenaue Ausschachtung der Tiefgarage unmittelbar an den Nebengebäuden, die zudem drei Ebenen in die Tiefe ragt und nicht nur zwei wie in der Nachbarschaft.

Mit der Eröffnung am 17. Juli wird auch ein Nadelöhr in der Innenstadt beseitigt. Die Wolfgang-Brumme-Alle kann wieder das sein, für das sie geplant war, ein zweispuriger Verkehrsträger und kein Parkplatz für die Baustellenfahrzeuge. Einig sind sich die Beteiligten, dass die Böblinger Baugesellschaft hier städtebaulich etwas Großes geschaffen hat, durch die wertige Steinfassade und die gut gegliederten Umrisse des Pulse, die auf einen städtebaulichen Wettwettbewerb zurückgehen.

Aber Rainer Ganske wäre nicht Rainer Ganske, wenn er nicht schon das nächste Projekt avisiert hätte. Das ist das in die Jahre gekommene EKZ, das Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Wolfgang-Brumme-Allee. Auch hier soll einmal ein gut gegliederter neuer Bau entstehen mit einem Durchlass. Die Kunst der Fuge wird in der Böblinger Innenstadt also fortgesetzt.

Das Pulse in Zahlen

Wohnen
 Das Gebäude wurde vom Stuttgarter Büro Steinhoff und Haehnel entworfen. Es gibt Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen von 55 Quadratmetern bis 120 Quadratmetern. Das Gebäude hat eine dreigeschossige Tiefgarage mit rund 350 Stellplätzen, teils für Elektro-Autos teils für Verbrenner. 250 davon sind öffentlich zugänglich.

Handel
 Komplett vermietet sind die 8100 Quadratmeter Fläche bereits an Aldi und DM, die Sportartikel-Kette Decathlon, das Bäckerhaus Veit mit einem kleinen Café und an den Lebensmittelhändler Tegut.

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