Wohngebiet in Birkach Pallotti-Areal nimmt Gestalt an

Von Eveline Blohmer 

Der Wettbewerb ums Quartier Sankt Vinzenz Pallotti, das an Stelle der gleichnamigen Kirche entstehen soll, ist entschieden. Gewonnen hat der Entwurf der Sillenbucher Architekten Schwarz und Jacobi und des Landschaftsarchitekten Wolfgang Blank.

Das Wohnquartier in seiner Nachbarschaft: links die ehemalige Rinderunion, vorne Im Wiesengrund Foto: Blohmer
Das Wohnquartier in seiner Nachbarschaft: links die ehemalige Rinderunion, vorne Im Wiesengrund Foto: Blohmer

Birkach/Plieningen/Sillenbuch - Vielleicht war es die Ortskenntnis, die Freimut Jacobi, Wolfgang Schwarz und Susanne Schwarz ihren Konkurrenten voraushatten. Die Sillenbucher Architekten haben den Wettbewerb des Siedlungswerks um das künftige Wohnquartier Sankt Vinzenz Pallotti für sich entschieden. Während einer gut siebenstündigen Sitzung wählte das Preisgericht den Entwurf, den die Architekten mit dem Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank erstellt hatten, aus elf anonym eingereichten Vorschlägen einstimmig zum Gewinner. Am Montag wurde das künftige Antlitz dessen, was nach dem Geschäftsführer des Siedlungswerks, Norbert Tobisch, „Birkach repräsentiert“, im Plieninger Steinbeis-Haus für Management und Technologie der Presse vorgestellt.

Wo jetzt noch die Kirche Sankt Vinzenz Pallotti steht, sollen aller Voraussicht nach von Anfang 2017 an acht Gebäude entstehen: sechs für insgesamt 64 Eigentumswohnungen, ein dreigeschossiges für die erweiterte Kindertagesstätte und links daneben eines für Asylsuchende, Flüchtlinge mit Bleiberecht und Studenten ausländischer Herkunft.

Erinnerung an Pallotti-Kirche

Die sogenannten Punkthäuser, also Wohngebäude, bei denen alle Wohnungen von einem Treppenhaus aus erreicht werden, haben die Architekten unterschiedlich hoch entworfen. Das höchste Gebäude soll die Pallotti-Kirche ersetzen und mit seiner Höhe von geplanten 24 Metern an das Gotteshaus erinnern.

Die eigentliche Besonderheit des Wohnquartiers, also die integrative Konzeption, die auch Flüchtlinge einbezieht, haben die Planer ausgehend von den Vorgaben des Siedlungswerks berücksichtigt. So werden alle Eingänge von einem Hauptweg abgehen und zwei Höfe als Aufenthaltsorte dienen: „Die Leute können sich nur begegnen und kennenlernen, wenn sie einen gemeinsamen Raum haben“, erklärt der dafür verantwortliche Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank. Für ein nachbarschaftliches Miteinander ist außerdem ein Gemeinschaftsraum in dem Haus der Flüchtlinge und Studenten vorgesehen, der auch für Kindergartenfeste und Ähnliches genutzt werden könnte.

Nutzen für Nachbarn

Außer den Gebäuden sind eine Tiefgarage für die Bewohner und eine große Freifläche, die an die Kindertagesstätte grenzt, eingeplant. Dort soll es dann auch einen sogenannten „Kiss and go“-Parkplatz für Kindergarteneltern geben. Mit dem Auto ist das Quartier über die Aulendorfer Straße zu erreichen, für Fußgänger soll es Wege von der Birkheckenstraße und von dem Sträßchen Im Wiesengrund geben, darunter auch ein barrierefreier. „Irgendwann gehen die Leute dann automatisch da durch, damit haben auch die Nachbarn einen gewissen Nutzen“, sagte Norbert Tobisch, Geschäftsführer des Siedlungswerks.

Und er sagte es nicht ohne Grund: Das Projekt des Wohnungsbauunternehmens, das laut Tobisch nach dem Zweiten Weltkrieg „als Antwort auf die Situation der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen“ gegründet worden war, war im Vorfeld auf Widerstand in der direkten Anwohnerschaft gestoßen: Die Entstehung eines sozialen Brennpunkts wurde befürchtet, eine zu hohe und zu dichte Bebauung ebenso, eine bessere Infrastruktur für Birkach wurde gefordert.

Broch: Hoffnungmachendes Projekt

„Wir wollen eine Haltungsänderung mitbewirken, und nichts ist so überzeugend wie ein gebautes Beispiel“, sagte Tobisch. Dass angesichts des Flüchtlingszustroms Platz für etwa 60 Menschen als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnet werden könnte, findet er nicht. Tobisch setzt auf eine, wie er sagt, Doppelstrategie: „Natürlich brauchen wir die Soforthilfe mit Systembauten, aber eben auch die Anschlussunterbringung.“ Dass keine Geschäfts- oder Praxisräume in dem Quartier vorgesehen sind, sei der Ortsrandlage geschuldet. Außerdem habe das Siedlungswerk nicht mehr Verkehr in das Wohngebiet ziehen wollen.

Die volle Rückendeckung der Kirche hat das Siedlungswerk, wie Christiane Reim, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, und Thomas Broch, Flüchtlingsbeauftragter des Bischofs Gebhard Fürst, deutlich machten. „Ich bin sicher, dass das nicht das letzte hoffnungsmachende Projekt dieser Art ist“, sagte Broch.

Anschauen

Die Pläne für das Wohnquartier sind noch bis 24. Juli im Bezirksrathaus Plieningen, Filderhauptstraße 155, zu sehen.

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