Wohnheim in Stuttgart- Zuffenhausen Eintrittskarte in ein selbstbestimmtes Leben

Karl (l.) und Ingrid  Strenger  haben Werner Wölfle (2.v.r.) und Manfred Blocher einen symbolischen Schlüssel übergeben. Foto: Zeyer
Karl (l.) und Ingrid Strenger haben Werner Wölfle (2.v.r.) und Manfred Blocher einen symbolischen Schlüssel übergeben. Foto: Zeyer

Anfang November sollen sieben wohnsitzlose junge Menschen eine neue Bleibe in Zuffenhausen bekommen. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Ludwigsburger Strenger-Stiftung, die 700 000 Euro in das Vorhaben gesteckt hat. Betreiber des Hauses ist der Caritasverband.

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Zuffenhausen - Von außen fällt das grau-weiße zweistöckige Gebäude an der Colmarer Straße 45 nicht weiter auf. Ins Auge sticht lediglich das braune Schild mit der Aufschrift „Heimstark ZWEI“. Hinter diesem Begriff steckt ein ungewöhnliches Projekt: Im November werden in das Haus sieben wohnsitzlose junge Menschen ziehen. Ermöglicht wird dies durch die Ludwigsburger Strenger-Stiftung. Am Dienstag ist das Gebäude offiziell eingeweiht worden, mit dabei war auch der Stuttgarter Sozialbürgermeister Werner Wölfle.

„Ein Dach über dem Kopf ist unglaublich wichtig für ein selbstbestimmtes Leben“, sagte der Stiftungsvorsitzende Karl Strenger. Zusammen mit seiner Ehefrau Ingrid hat der Bauunternehmer im Juni 2001 die Stiftung gegründet, um soziale Verantwortung zu übernehmen. Vor allem die Bereiche Wohnungslosenhilfe, Naturschutz und Bildung stehen dabei im Mittelpunkt. Eines der Projekte ist „Heimstark“: Häuser, die unter diesem Namen realisiert werden, sollen wohnsitzlosen Menschen ein Dach über dem Kopf und damit auch eine neue Lebensperspektive geben. Das erste Haus mit sechs Appartements ist 2011 in Ludwigsburg eröffnet worden, Nummer zwei ist nun in Zuffenhausen beheimatet.

Mehr Platz und mehr Ruhe

Sieben Plätze gibt es an der Colmarer Straße 45, fünf davon sind bereits vergeben. Einer der fünf Bewohner in spe ist Yanni (Name von der Redaktion geändert). Momentan wohnt der 22-Jährige in einer Caritas-Unterkunft im ehemaligen Hotel Biberturm in Feuerbach, davor hatte er einen Platz in einer Caritas-WG am Nordbahnhof und im Don-Bosco-Haus in Stuttgart-West gefunden. Yannis Odyssee begann im Alter von 14 Jahren, als er Probleme mit seinem Stiefvater bekam und in ein Jugendheim musste. Alkohol oder andere Drogen, das erzählt der heute 22-Jährige, hätten in seinem Leben bislang keine Rolle gespielt. Wohl aber die Suche nach einer richtigen Bleibe. Momentan macht Yanni den Hauptschulabschluss, danach möchte er eine Ausbildung zum Anlagentechniker oder Kfz-Mechatroniker absolvieren. „Ich freue mich auf das größere Zimmer und auf mehr Ruhe“, sagt der junge Mann.

Betreut wird Yanni von Thomas Klessinger. Er erläutert, dass es verschiedene Kriterien gibt, um in „Heimstark“ aufgenommen zu werden: Die Teilnahme an einer qualifizierenden Maßnahme, Zuverlässigkeit, Sauberkeit, Ordnungssinn. Deshalb würde auch niemand „direkt von der Straße“ ins Haus ziehen, sondern junge Menschen, die sich bereits in anderen Einrichtungen bewährt hätten. Regelmäßig sollen Betreuer vor Ort sein, um nach den Bewohnern zu sehen. „Das Haus bringt eine große Verbesserung und ist für die Bewohner ein weiterer Schritt in die Selbstständigkeit“, sagt Klessinger.

Die Bewohner dürfen zwei bis drei Jahre im Haus bleiben

Das sieht Sozialbürgermeister Werner Wölfle ähnlich. „Heimstark ist voll stark“, sagte er bei der Einweihung. Junge Leute auf der Suche nach dem richtigen Weg bräuchten Hilfe. Gebe es mehr Mitbürger wie Karl Strenger, ginge es der Gesellschaft besser. 700 000 Euro hat die Stiftung in das Zuffenhäuser Projekt gesteckt. Sie ist Eigentümer des Hauses und vermietet es an die Caritas, die wiederum die Miete von der Stadt überwiesen bekommt.

Manfred Blocher vom Caritasverband betonte, dass in Stuttgart momentan mehr als 4000 Menschen dringend Wohnraum bräuchten. Dies zeige, wie wichtig Projekte wie „Heimstark“ seien. Freilich sei es nur ein Zwischenschritt, nach zwei bis drei Jahren sollen die Bewohner nämlich in den freien Wohnungsmarkt vermittelt werden.

Für Yanni liegt das noch in weiter Ferne. Er freut sich erst einmal darauf, in ein schönes großes Zimmer mit eigener Küche und eigenem Bad zu ziehen. Bald soll der Mietvertrag unterzeichnet werden. „Für mich läuft gerade alles wirklich gut“, sagt der junge Mann und blickt auf das Haus, das von außen so unauffällig aussieht, für ihn aber den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt bedeutet.




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