Der Mensch sucht heute im Bad nicht nur einen Ort, um sich hygienisch zu reinigen, sondern eine Oase der Ruhe und der Wellness. Wie lässt sich ein Badezimmer so gestalten, dass es zum Traumbad wird?
Katzenwäsche? Macht heute kaum jemand mehr. Nach gesicherten Zahlen sucht man zwar vergeblich, aber es ist anzunehmen, dass die Zahl der verkauften Waschlappen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Denn wo von Waschlappen die Rede ist, geht es weder um kosmetischen Luxus noch um Lust an Duft und Weichheit, sondern um Körperhygiene als Modus und Zeugnis von Selbstabhärtung. Das entspricht freilich nicht mehr dem Zeitgeist – auch wenn Winfried Kretschmann das aufgrund der Klimakrise im Jahr 2022 zu ändern versuchte.
Denn der Mensch von heute sucht im Bad nicht nur einen Ort, um sich hygienisch zu reinigen, sondern eine Oase der Ruhe und der Wellness. Davon zeugen auch jede Menge Bücher, die derzeit auf dem Markt sind; jüngst erschienen ist etwa „Traumbäder. Individuell und maßgeschneidert“ von Heinz Kaiser. Das Bad ist laut dem Wohnjournalisten kein rein funktionaler Raum mehr, sondern ein Ort geworden, an dem der Mensch länger verweilen möchte.
In der Tat halten sich die Deutschen im Bad laut einer Studie der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft aus dem Jahr 2017 im Mittel täglich 40 Minuten auf. Männer (35 Minuten) haben es dabei deutlich eiliger als Frauen (47 Minuten).
Wohlfühlbäder sollen es heute sein – nicht mehr nur Nassräume. Für die neue Badekultur sucht man individuelle Lösungen für die individuelle Bedürfnisse. Da gibt es Bäder im Spa-Ambiente mit Ruheliegen, Privatbäder, bei denen Bad und Wohnen verschmelzen, Bäder, die gleichzeitig ein Fitnessstudio sind und puristische Bäder mit Luxusduschen.
Überhaupt zieht immer mehr moderne Technik in die Badezimmer ein. Vom privaten Dampfbad über die Sauna, das Dusch-WC, innovativen Brausestrahl-Arten, bodengleichem Ablauf, rutschhemmenden Premium-Oberflächen bis hin zu Armaturen mit hohem Bedienungskomfort.
Technik allein reicht freilich nicht. Diese will auch schön verpackt sein. Die Ästhetik ist genauso wichtig, denn auch das Ambiente hat Einfluss auf das Wohlbefinden. Ob Holz, Naturstein, Fliesen oder Mosaik, ob Tapeten, Glas und Beton – alles ist erlaubt. Natürlich oder verspielt, elegant und edel oder schlicht, Hauptsache, es gefällt.
Frei stehende Wannen liegen im Trend – in Schwarz sind sie ein wahrer Hingucker (Planer: Dreyer Haustechnik), Foto: Callwey Verlag /Walther Appelt, Silvia Scharold
Das alles braucht natürlich Platz. Zumindest möchte man das meinen. Im statistischen Durchschnitt haben die meisten Bäder aber nur acht bis zehn Quadratmeter. Doch kleine oder kniffelige Grundrisse müssen keine Hindernisse sein – zumindest bei guter Planung. Traumbäder können auch klein sein. Dafür muss viel Stauraum geschaffen werden, etwa durch einen Waschtisch-Unterschrank, möglich ist aber auch eine offene Ablage. Eine gute Alternative, um ein kleines Bad in eine wahre Wellness-Oase zu verwandeln, ist etwa, in die Dusche eine Dampfbad-Funktion einzubauen – mitsamt Sitzplatz.
Nicht einmal Wannen sind ausgeschlossen, zumal es heute auch kleine gibt, besonders frei stehende bieten sich mit Maßen von etwa 1,35 Meter auf 75 Zentimeter hier an. Eine weitere Möglichkeit ist eine Duschbadewanne, also eine Badewanne mit integrierter Dusche, die aufgrund der komplett abgedichteten Duschtüre als Dusche und als Badewanne genutzt werden kann. Bei fehlendem Platz im Bad kann die Wanne sonst aber auch in den Schlafbereich integriert werden.
Die Frage „Wanne oder Dusche?“ ist aber bei jeder Badezimmergröße eine von grundlegender Bedeutung. Man sagt ja, der Mensch zählt entweder zu den Heißbadern oder den Warmduschern. Es gibt Überschneidungen, aber tatsächlich stimmt es, dass der Mensch meist eine der beiden Arten präferiert.
Ludwig XIV.: Die Wanne diente dem lustvollen Spielen mit der Herzensdame
Der Vorreiter ist natürlich die Wanne. Die Geschichte des Badens beginnt im frühesten Zeitalter. Archäologische Funde beweisen, dass bereits 4500 v. Chr. die Paläste der Herrscher von Mesopotamien (geografisch das Gebiet um die Flüsse Euphrat und Tigris im heutigen Südost-Anatolien, Syrien und Irak) Badezimmer mit Wannen aus Ton besaßen. Die öffentliche Badekultur beginnt in der Antike. Die alten Griechen und Römer gelten als Väter der Badehäuser. Sie empfanden das Bad nicht nur als praktisch zur Reinigung des Körpers, sondern entdeckten es auch als gesellschaftlichen Treffpunkt.
Im Schloss von Versailles war zur Zeit von Ludwig XIV. das Baden eher verpönt, ja nach Ansicht einiger Autoritäten sogar schädlich: „Das Baden erschöpft den Körper“, schrieb der Arzt und Herausgeber der ersten französischen Zeitung Théophraste Renaudot, „und schwemmt ihn auf, was ihn empfindlich macht für die Einwirkungen der schlechten Luft. Das Baden füllt den Kopf mit Dämpfen.“ Ludwig XIV. besaß zwar eine drei Meter lange Badewanne, die zwei Personen Platz bot; doch diente sie weniger der Reinlichkeit als lustvollen Spielen mit der jeweiligen Herzensdame.
Die Dusche war schon im 16. Jahrhundert bekannt. Michel de Montaigne berichtete 1581 von einem Aufenthalt in Italien: „Man hat auch einen Tropfapparat, der la doccia genannt wird. Er besteht aus Rohren, durch die heißes Wasser auf verschiedene Körperteile, besonders auf den Kopf, geleitet wird; das Wasser ergießt sich in stetigen Strömen auf dich (…) Das Wasser stammt aus einer Quelle (…).“
Heute kann eine Dusche so viel mehr sein – eine Wanne aber auch. Neben der körperlangen Badewanne gibt es auch Sitzbadewannen, Eckbadewannen sowie Wannen für mehrere Personen. Badewannen mit Düsen zur Einspritzung von heißem Wasser, Jacuzzi oder Whirlpool genannt, sind auch sehr beliebt.
Die Dusche kann inzwischen mit der Wanne wetteifern, sie spendet längst mehr als nur Brausevergnügen und warmen Regen. Die Walk-in Variante ist in modernen Bädern längst Standard, diese Lösung aber geht freilich nicht bei der bereits benannten Dampf-Duschkabine, die auch noch einen Wellness-Faktor bietet. Es gibt aber Duschen mit zwei Brausen, in denen zwei Personen gleichzeitig duschen können.
Auch aus kleinen Badezimmern lässt sich ein Traumbad machen (Planer: Goldmann Manufaktur). Foto: Callwey Verlag /Florian Goldmann, Daniel Möller
Letzteres könnte für ein anderes Problem eine Lösung darstellen: Das statistische deutsche Durchschnittsbad nutzen täglich 2,1 Personen. In 25 Prozent der Haushalte müssen sich drei und mehr Familienmitglieder das Bad teilen – mit den damit oft verbundenen „stressigen“ Begleiterscheinungen. In 32 Prozent der Mehrpersonen-Haushalte kommt es daher den forsa-Recherchen zufolge „täglich“ bzw. „ab und zu“ in der morgendlichen Rushhour zu Engpässen. 59 Prozent davon erklären das mit der Existenz nur eines Badezimmers, während 50 Prozent darauf verweisen, dass alle Bewohner gleichzeitig das Haus verlassen müssen. Für 37 Prozent ist der Wunsch der Haushaltsmitglieder, einzeln ins Bad zu wollen, ein weiterer „Staugrund“ – da hilft dann auch die doppelte Brause nichts.
Der Waschtisch ist ein weiterer wichtiger Baustein eines jeden Badezimmers. Er ist der Dreh- und Angelpunkt – und der meistgenutzte Ort im Badezimmer. Will man Becken, die in die Oberfläche integriert sind oder aufgesetzte Schalen? Und wie viele davon? Welche Materialien bevorzugt man? Und will man einen Unterschrank, um Stauraum zu haben, oder ist eine lichte Variante bevorzugt?
18 Prozent der Bäder in Deutschland sind dringend renovierungsbedürftig
Bei Neubauten sollte man bei der Badplanung am besten auf Spezialisten zurückgreifen. Aber die Bäder in vielen Altbauten warten noch auf eine Sanierung. Die aktuelle Grundlagenstudie #germanbathrooms der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) zeigt deutlich, wie groß der Sanierungsbedarf im privaten Bereich wegen der Überalterung der deutschen Bäder ist. 18 Prozent der Bäder in Deutschland sind sogar dringend renovierungsbedürftig – das sind anteilig rund sieben Millionen Bäder.
Mehr als jeder vierte Wohneigentümer (27 Prozent) rechnet für die nächsten Jahre mit einer Badezimmer-Renovierung – bei den seit 35 Jahren nicht mehr renovierten Bädern ist es jeder zweite (52 Prozent). „Die Nachfrage wird also anziehen. Auch der dringende Bedarf an neuen, altersgerechten Bädern und der Wunsch nach mehr Wohnqualität im Badezimmer sind zentrale Themen, von denen Impulse für den Sanierungsmarkt zu erwarten sind“, so VDS-Geschäftsführer, Jens J. Wischmann. Gute Aussichten für den Markt – und für viele alte Bäder, die nun die Chance haben, zu Traumbädern zu werden.
Info
Buch Traumbäder. Individuell & maßgeschneidert. Heinz Kaiser, Callwey Verlag, 207 Seiten mit zahlreichen Fotos, 49,95 Euro.