Auf der Messe für Camping, Motor und Touristik, kurz CMT, werden aktuell in den Stuttgarter Messehallen die Neuheiten für Frischlufturlauber präsentiert. Ein Highlight sind wie immer die neuesten Wohnmobile. Ein neuer Camper kommt für das Ehepaar Daniel und Elisa Schwarz nicht infrage. Sie bauen derzeit an ihrem Kontrapunkt zur CMT: Ein 37 Jahre altes Feuerwehrauto soll zukünftig ihr mobiles Heim werden. Dabei handelt es sich um einen Mercedes vom Typ 508 D – in Fachkreisen auch „Düdo“ genannt. Eine Entscheidung, die man durchaus als mutig bezeichnen kann, wenn man bedenkt, dass sie in diesem Wagen die Panamericana bewältigen wollen. Das heißt: Für zwei bis drei Jahre planen sie in dem betagten Gefährt zu leben, während sie versuchen, die mehrere tausend Kilometer lange Strecke von Alaska bis nach Feuerland zu bewältigen.
Eine Entscheidung gegen das geregelte Leben
Die Wahl zum umgebauten Oldtimer fiel nicht aus Kostengründen, wie sie sagen, sondern aus Erfahrung. Die beiden lebten bereits die vergangenen 18 Monate in einem umgebauten VW-Camper vom Typ „LT 31“, Baujahr 1991. Mit Kuno, so nannten sie ihr Wohnmobil, reisten sie quer durch Europa. Ausgangspunkt der Reise sei eine Entscheidung gegen das geregelte Leben und für das Abenteuer gewesen. Das Paar habe den Wohnungsmarkt sondiert, und sie seien enttäuscht gewesen, was man derzeit für sein Geld bekomme. Sie verkauften ihre Habseligkeiten und kündigten ihre Festanstellungen und Wohnung. Jetzt nutzen sie ihr lang angespartes Geld für ihre Weltreise.
Hohe Ansprüche an ein altes Gefährt
Was muss ein Fahrzeug für diese anspruchsvolle Strecke können, die über eisige Horchgebirgspässe und durch dichten Dschungel führt? „Geländetauglichkeit ist sehr wichtig“, sagt Daniel Schwarz. Dafür habe glücklicherweise bereits der Vorbesitzer gesorgt, der das Fahrzeug sieben Zentimeter höher gelegt hat. Für die Bodenhaftung sorgen All-Terrain-Reifen. „Ebenso wichtig ist die Autarkie“, erklärt Elisa Schwarz. „Dazu gehören die Trinkwasserversorgung, ein gutes Toilettensystem und ein großes Elektro-Setup mit viel Solar.“ Dabei setzen sie nicht auf eine Chemie-, sondern auf eine Trenntoilette, um den Geruch im Innenraum zu minimieren. Wichtig, auf einer Fläche von knapp sechs Quadratmetern. Dazu kämen ein festes Bett, eine Sitzgelegenheit und ein Plätzchen für Golden Retriever Samy, der die beiden begleitet. Das alles müsse Platz finden und werde in Handarbeit eingebaut. Dazu kämen ein gutes Abschleppseil, Klappspaten und Sandbleche – was man eben für eine Fahrt durch unwegsames Gelände brauchen würde.
„Wir wollen uns auch selber herausfordern, mit noch weniger klarzukommen als im alten Wohnmobil“, sagt Elisa Schwarz. Dass man im neuen Heim nicht einmal aufrecht stehen könne, solle dafür sorgen, dass sie möglichst viel Zeit im Freien verbringen.
Viel Arbeit, wenig Zeit
Die größte Herausforderung sei aktuell die kurze Zeit für Umbau und Planung. „Die Verschiffung ist gebucht. Am 1. Mai geht es los – egal, ob das Auto bis dahin fertig ist“, sagt Daniel Schwarz. Bis jetzt seien in dem Fahrzeug erst der Boden verlegt, die Rolltore versiegelt und ein Dachfenster eingebaut. Letzteres sei für die nächtliche Frischluft wichtig, da man durch ein Dachfenster nicht Gefahr laufe, dass Langfinger durch das Fenster greifen könnten.
Wer die beiden auf deren Abenteuer begleiten möchte, kann das auf ihrem Youtube-Kanal: @kunoandus.