Wohnraum auf den Fildern „Wird man bleich“ – So schlecht steht Filderstadt beim Wohnungsbau da

In Filderstadt hat man vor allem nachverdichtet – Baulücken wurden geschlossen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Filderstädter Verwaltung hat eine Dokumentation zur Bautätigkeit in der Stadt vorgelegt. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Vor allem beim geförderten Wohnraum hakt es gewaltig.

„Da wird man wirklich bleich.“ Dass in Filderstadt sozial gebundene Wohnungen fehlen, diese Erkenntnis war für den Stadtrat Walter Bauer (SPD) nicht neu. Wie wenige staatlich geförderte Wohnungen es jedoch wirklich gibt, das hat nicht nur ihn in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses erschreckt. Von 22 551 Wohnungen in der Stadt sind lediglich 136 sozial gebunden (Stand 2022), wie eine Dokumentation des Amts für Stadtplanung und Stadtentwicklung zeigt. Zwar sind es mittlerweile etwas mehr, doch bei einer Zielgröße von 30 Prozent des vorhandenen Wohnraums fehlen laut dem Fachamt immer noch 6629 Wohnungen.

 

Die Stadt selbst kann nur bedingt eingreifen. Ihr gehören nur etwa 220 Wohnungen. Derweil steigen die Mieten in Filderstadt unaufhörlich. Die Verteuerung von 2024 auf 2026 war geradezu dramatisch – nämlich um 7,1 Prozent. Mittlerweile ist man bei durchschnittlich 11,32 Euro pro Quadratmeter angelangt.

Filderstadt soll weiter wachsen

Fachleute gehen davon aus, dass die Filderstädter Bevölkerung weiter wachsen wird: von derzeit etwa 46 700 auf 48 000 im Jahr 2035. Im Filderstädter Handlungsprogramm Wohnen ist von einem Neubaubedarf von 2160 Wohnungen bis 2035 die Rede, was 130 Wohneinheiten pro Jahr entspricht. Tatsächlich fertiggestellt wurden in der Stadt zwischen 2018 und 2023 pro Jahr durchschnittlich 120 Wohneinheiten. Zur Wahrheit gehört auch, dass man vor allem nachverdichtet hat und Baulücken geschlossen wurden. „Es ist daher anzunehmen, dass die Fertigstellung von Wohneinheiten in erheblichem Umfang mit Wohnungsabbrüchen einhergeht, sodass die tatsächliche Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum geringer ausfällt, als es diese Zahlen nahelegen“, so das Fachamt.

„Wir haben Rahmenbedingungen, die das Bauen gerade sehr erschweren“, sagt der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck Foto: Caroline Holowiecki

Die Zahl der Baugenehmigungen in Filderstadt ist seit 2018 stark zurückgegangen. 2018 waren es 71 gewesen, 2024 gerade mal acht, darunter drei für Einfamilienhäuser. Schuld ist laut dem Fachamt die angespannte Lage im Bau- und Finanzmarkt. Geschrumpft ist auch die Zahl der Baufertigstellung: von 53 im Jahr 2019 auf 33 im Jahr 2024. Das Innenentwicklungskonzept der Stadt hat einige private Potenzialflächen identifiziert, zudem weist der Flächennutzungsplan Wohnbauflächen im Umfang von etwa 17 Hektar aus, die bis 2035 zu entwickeln sind. Die Areale sind jedoch laut Stadt weitestgehend im kleinteiligen privaten Eigentum. Um hier etwas zu aktivieren, ob innen oder außen, geht das Fachamt von „enormen Anstrengungen“ aus.

Jahnquartier Harthausen: Das derzeit größte Wohnbauvorhaben Filderstadts stockt

„Wir haben Rahmenbedingungen, die das Bauen gerade sehr erschweren“, sagte der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck. Der Bauzins und die Baukosten seien hoch, die Förderkulisse sei geschrumpft, auch „beim Einkommensniveau müssen wir die rosa Brille abnehmen“. Auf kommunalen Flächen läuft es ebenso nicht rund. Beispiel Jahnquartier Harthausen: Das derzeit größte wohnbauliche Vorhaben Filderstadts stockt. Etwa 85 Wohneinheiten, davon 27 gefördert, wären drin, doch Verhandlungen zur Umsetzung sind angesichts der wirtschaftlichen Situation erst mal gescheitert.

Und jetzt? Mancher sähe Chancen in der Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. „Wir kommen um eine eigene Bautätigkeit nicht herum“, sagte Stefan Zimmermann (Grüne). Andere würden auf eine Vereinfachung der Verfahren setzen. „Wir haben uns in den letzten Jahren Handschellen angelegt“, sagte Ulrich Steck (CDU). Eine gewisse Hoffnung verbinden er und auch die Stadtverwaltung mit dem sogenannten Bauturbo.

Die Novelle des Baugesetzbuchs soll Baurechtsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen ein unbürokratisches Abweichen vom Bauplanungsrecht ermöglichen, zudem ein Handeln bei kleineren Projekten, ohne den Gemeinderat befragen zu müssen. Ein Vorgehen, mit dem sich nicht jedes Mitglied anfreunden konnte.

Über eine dafür notwendige Änderung der Hauptsatzung wird der Verwaltungsausschuss befinden müssen. Und auch dieses Thema ist noch nicht abgehakt: Mitte März hatte der Gemeinderat mehrheitlich seine Zustimmung zum Baulandbeschluss verweigert. Darin hätte festgelegt werden sollen, dass bei Bauvorhaben ab zehn Wohneinheiten mindestens 30 Prozent gefördert sein sollen. Im Fokus standen Nachverdichtungsflächen ab 1200 Quadratmetern und Grundstücke aus dem Flächennutzungsplan 2035. Das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung will nach dem Gremien-Nein aber nicht lockerlassen. „Eine alternative Vorgehensweise wird nun erarbeitet.“

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