Wohnraum auf Zeit Duale Hochschule plant Pilotprojekt für Turbo-Wohnen

Auf dieser Brachfläche soll das Pilotprojekt realisiert werden. Foto: Stadtmessungsamt/Bearbeitung: Lange/Quelle: DHBW/cf

Die Duale Hochschule verbindet mit „Mobile Living“ temporäres Wohnen mit emissionsfreier Mobilität. Für die Stadt kann das die vom Gemeinderat geforderte Blaupause für befristeten Wohnungsbau sein.

Die im vergangenen Jahr vom Stuttgarter CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz präsentierte Idee, Wohnungen in modularer Bauweise für einen beschränkten Zeitraum auf unbebauten Grundstücken zu erstellen, die dann wie ein Wanderzirkus an neue Standorte ziehen, wird konkret: Denn die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), genauer die Fakultäten Technik sowie Facility Management unter der Leitung von Klaus Homann und Harald Mandel, beschäftigt sich am Standort Stuttgart ebenfalls mit dieser Frage. Das Projekt könnte aus ihrer Sicht für die Stadt ein wichtiger Impulsgeber sein – und „eine Blaupause mit hoher Skalierbarkeit für bezahlbares und temporäres Wohnen im Stadtgebiet“.

 

Duale Hochschule braucht Mobilitätskonzept

Das Vorhaben hat seinen Ursprung in der hochschulinternen Suche nach einem nachhaltigen Mobilitätskonzept, das ein für die Technikfakultät errichteter Neubau für 2000 Studierende nahe der Liederhalle erforderlich macht. Es heißt „Mobile Living“ und soll auf der dem Land gehörenden 5800 Quadratmeter großen Brache zwischen Lerchen-, Hegel- und Seidenstraße realisiert werden.

Weil aber dort in fünf bis zehn Jahren die Fakultät Wirtschaft einen Neubau erhält, sind die Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität (Parken und Laden von E- und Wasserstoff-Pkw, Carsharing sowie alle Dienstleistungen rund ums Fahrrad und Parkhaus-Türmen) sowie flexiblen Wohnungsbau aus Sicht der Hochschule ideal. Das Pilotprojekt löst nicht die Wohnungsnot, die DHBW würde sich anfangs auf 20 oder 40 Einheiten für jeweils doppelt so viele Studierende beschränken, die – das ist das Wesen des dualen Studiums – immer nur für drei Monate in Stuttgart sind und teils von weither kommen; campusnahe Unterkünfte wären auch für deren Arbeitgeber interessant. Davon hat die Hochschule rund 9000.

Wanderzirkus für Wohnungen

Mit „Mobile Living“ soll aufgezeigt werden, wie man überhaupt einen „Wohnungs-Wanderzirkus“ entwickelt, plant, baut und betreibt, und das eben mobil, vorübergehend, nachhaltig, smart und flexibel. Die Hochschule will und muss mit ihren Partnern aber auch nachweisen, unter welchen Umständen sich dieses Geschäftsmodell rechnet, wie viele Umzüge nötig sind, um den Betrieb wirtschaftlich zu gestalten, und auch wie schnell ein solcher Standortwechsel vorgenommen werden könnte. Interessant wäre auch zu ermitteln, wer als Investor und Betreiber infrage kommen könnte.

Unterstützt wird die DHBW von drei Partnern: Die ehemalige StZ-Lokalredakteurin Hildegund Osswald (newswerkstatt texte & konzepte) firmiert laut einer Präsentation der Hochschule als „Initiatorin und Konzeptgeberin“ und klopfte an viele Türen im Rathaus. Dazu gehört auch die Landestochter Leichtbau Baden-Württemberg und das Fraunhofer-Institut. Als Unterstützer werden überdies genannt: das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, die Landesministerien für Finanzen (mit dem Betrieb Vermögen und Bau), Wissenschaft, Forschung und Kunst, Landesentwicklung und Wohnen sowie der Verband Region Stuttgart.

Stadt soll ein Drittel der Kosten tragen

Das Bauvorhaben mit 22 Wohneinheiten wird derzeit (inklusive Begleitforschung) mit bis zu 4,5 Millionen Euro kalkuliert, für einen ersten Abschnitt mit der Hälfte. Je ein Drittel der Kosten sollen aus öffentlichen Kassen, von der privaten Wirtschaft sowie von der Stadt Stuttgart kommen. Der Gemeinderat hat fraktionsübergreifend für temporäres Wohnen zehn Millionen Euro bereitgestellt.

Schon vor den Etatberatungen hatte sich CDU-Chef Kotz aufgefordert gefühlt, die vermutete Tatenlosigkeit der Rathausspitze bei der Suche nach Lösungen zur Bekämpfung des Wohnungsmangels mit der Präsentation des „Turbo-Wohnens“ zu kontern. Dabei war zu diesem Zeitpunkt das Reallabor-Projekt in der Verwaltung längst bekannt: Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) hatte der Hochschule schon im November 2019 sein Wohlwollen versichert.

Bürgermeister hatte schon 2019 Interesse

Man habe großes Interesse an den Ergebnissen und Wirkungen des damals unter „CeM – Duales Wohnen“ firmierenden Projekts, erklärte Pätzold. Auch den Standort fand er verkehrstechnisch ideal. Die Hochschule leiste „einen wichtigen Beitrag zur Nutzung innerstädtischer Baulücken, zur Koppelung von Bauvorhaben und umfassenden Mobilitätskonzepten und zur Reduktion von CO2- und Feinstaubemissionen“.

Drei Jahre später begrüßt nun Kotz „diese innovativen Projektvorhaben“. Er stellt sich allerdings etwas weniger Parkplätze, dafür doppelt so viele Wohnungen vor. Deshalb fordert er die Verwaltung auf, über den Stand des Projekts im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik am 31. Mai zu berichten – „wohl wissend, dass noch nicht alle Planungen abgeschlossen sind“.

CDU-Chef will Ergebnisse sehen

Kotz macht mit dem konkreten Terminvorschlag deutlich, dass er nicht gewillt ist, sich von Bürgermeister Pätzold vertrösten zu lassen. Er bittet zudem um eine Einschätzung der Verwaltung zur Realisierbarkeit des Projekts, vor allem aus baurechtlicher Sicht und im Hinblick auf eine zeitnahe Umsetzung. Bei der Hochschule hofft man, Ende des Jahres auf Baustelle gehen zu können.

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