Wohnraum in Stuttgart Noch immer Stillstand in Degerloch

Die Flüwo-Gebäude an der Straifstraße in Degerloch werden nun doch erst einmal weiter genutzt. Foto: Archiv Rehman

Noch immer ist völlig unklar, wann an der Straifstraße in Degerloch neu gebaut wird. Darum will die Flüwo die Wohnungen nun erst einmal ertüchtigen.

Bereits 2014 hat die Wohnungsbaugenossenschaft Flüwo das Bauprojekt Gohl-/Straifstraße ins Auge gefasst. Das als architektonischer Fremdkörper empfundene Bürogebäude sollte zugunsten von neuem Wohnraum ebenso weichen wie mehrere alte Wohnblocks. 2016 wurde das Verfahren aufgesetzt, 2018 im Zuge eines städtebaulichen Wettbewerbs ein Siegerentwurf gekürt. Der Baubeginn, der zwischenzeitlich für 2023 angesetzt, dann auf 2025 geschoben wurde, scheint mittlerweile in weite Ferne gerückt. Der Flüwo-Vorstand Rainer Böttcher spricht jetzt von der Ertüchtigung vorhandener Wohnungen für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. „Wir haben von den zuständigen Stellen der Stadt keine Aussage erhalten, aus der sich ein verbindlicher Zeitplan ableiten lässt“, stellte er jüngst im Bezirksbeirat Degerloch fest. Daher habe man sich entschieden, die Gebäude vorerst weiter zu nutzen.

 

Flüwo-Vorstand Rainer Böttcher Foto: Christoph Kutzer

Dass das Zusammenwirken zwischen städtischer Verwaltung und Genossenschaft bisher nicht unbedingt durch Harmonie geprägt war, lässt sich auch aus Böttchers Aussage ableiten, fehlende baubehördliche Voraussetzungen zur Realisierung des Bauvorhabens und Zeitverzug hätten zu einem Verlust des Rechts auf befristete Weitervermietung geführt. Die Folge: Leerstand und entsprechende Vorwürfe gegenüber der Flüwo, die ihren Sitz inzwischen in die Löffelstraße verlegt hat.

In einigen Wohnungen leben ukrainische Geflüchtete

Nun also Renovierung. Böttcher ordnet sie als „Pinselstrich“ ein. Man ertüchtige den Bestand soweit möglich. 35 000 Euro koste das pro Wohnung. Mehr sei nicht möglich. Es ist nur ein Aufschub der baulichen Eingriffe. Auch der kommt der Stadt allerdings gelegen: in einigen Wohnungen konnten ukrainische Geflüchtete untergebracht werden. Rainer Böttcher benennt die Nachteile der Zwischenlösung: „Statt knapp 100 Neubauwohnungen verbleiben nun 57 Wohneinheiten“, sagt er. Faktisch werde eine städtebauliche Verbesserung verfehlt. Auch hinsichtlich der von der Stadt vorgesehenen „Anteile sozialorientierter Nutzung“.

Mieter, die ihre Wohnungen verlassen mussten, versichert der Flüwo-CEO, seien verantwortungsbewusst begleitet wurden. Wer seinen Umzug selbst gestemmt habe, habe 1000 Euro „Muskelgeld“ bekommen. Nach Möglichkeit habe die Genossenschaft eigenen neuen Wohnraum zur Verfügung gestellt, ansonsten externe Wohnungen gesucht und angeboten. Dass ehemalige Mieter angesichts der neuen Lage auf Zeit zurückziehen, schließt er aus. Es sei wenig sinnvoll, in ein Gebäude zurückzukehren, dass ohnehin abgerissen werde.

Mittlerweile ist die ursprüngliche Planung fast obsolet

Fast ein Jahrzehnt nach den ersten Überlegungen ist vieles an der ursprünglichen Planung obsolet. 98 Parkmöglichkeiten für 98 Wohnungen – das sei ein Konzept, das man überdenken müsse, so Böttcher. Neue Mobilitätsformen brächten neue Anforderungen mit sich. Auch müsse man Wohnungen künftig anders gestalten, um dem Zusammenspiel von hohen Mieten, niedrigen Renten und knappem Wohnraum Rechnung zu tragen. Schließlich liefen der Flüwo auch die Baukosten davon. Die Finanzierung von einst sei längst „über den Haufen geworfen“.

Konkrete Aussagen, wie und wann es weiter geht, sind derzeit kaum möglich. Dazu müssten sich Stadt und Flüwo zusammensetzen. Avisiert ist ein solches Treffen für 2024. Baubürgermeister Peter Pätzold hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Rainer Böttcher will im Dialog bleiben. Degerlochs Bezirksvorsteher Colyn Heinze soll in der Rolle des Moderators ebenfalls in die Gespräche einbezogen werden.

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