Wohnraumoffensive in Böblingen Mikroapartments für Studenten und Azubis

Der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (v.l.), der BBG-Chef Rainer Ganske und der Architekt Georg Negler legen den Grundstein. Foto: Stefanie Schlecht

Mittelfristig unterkommen, bis das Studium vorbei oder die Ausbildung beendet ist? Die BBG baut in der Eugen-Bolz-Straße Mikroapartments.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Was da in der Diezenhalde an der Eugen-Bolz-Straße in Sindelfingen gebaut wird, und heute Mikroapartments heißt, sind kleine möblierte Wohnungen, in denen man zeitweise unterkommt. Rainer Ganske, Chef der Böblinger Baugesellschaft (BBG) adressierte am Montag bei der Grundsteinlegung von 53 Mikroapartments die Zielgruppe: Studenten, Auszubildende, Geschäftsreisende oder Arbeiter auf Montage.

 

Tatsächlich liegen die Mikroapartments im Trend. Im Appartement-Haus Ecke Bahnhofstraße/Wilhelmstraße mit 67 Apartments liegt die Auslastung bei etwa 80 Prozent, dort wohnen nach Insider-Angaben auch manchmal Touristen, oder Leute, die ihre Wohnung renovieren und vor Staub und Schmutz flüchten. Die größte Zahl von Mikroapartments ist auf dem Flugfeld zu finden, dort gibt es 127 solcher Wohneinheiten.

Ähnliches Projekt an der Tübinger Straße

Ein ähnliches Projekt liegt an der Tübinger Straße an: Hier sollen 73 Apartments für so genanntes gewerbliches Wohnen entstehen, also eine Hotelnutzung. Die Pantera AG aus Köln sucht für dieses Projekt noch einen Betreiber, sagt der Vertriebsleiter Georg Zinßen, vorher können die Bagger nicht anrücken.

Vor allem Studenten benötigen Wohnraum auf Zeit. Foto: imago/photothek

Die Zahlen in der Eugen-Bolz-Straße sind beeindruckend: Auf dem rund 890 Quadratmeter großen Grundstück sind etwa 1074 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen. Die Einheiten fallen mit 15 bis 47 Quadratmetern vergleichsweise klein aus. Sie werden möbliert vermietet – ausgestattet mit Küche und Waschmaschine, nur ein Bett müssen die künftigen Bewohner selbst mitbringen „aus hygienischen Gründen“, wie Rainer Ganske erklärte. Der Einzug der ersten Mieter ist für das dritte Quartal 2027 geplant, Richtfest ist im Sommer diesen Jahres.

Angebot an unterschiedliche Lebenssituationen

Nach Angaben der BBG richtet sich das Angebot bewusst an unterschiedliche Lebenssituationen. Eine feste Zielgruppe gibt es nicht. Vielmehr soll eine flexible Wohnform entstehen, die den bestehenden Wohnungsbestand ergänzt.

Der BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske sieht das Projekt als Teil einer größeren Entwicklung: Die Diezenhalde befinde sich seit Jahren im Wandel, durch Modernisierungen und Neubauten entstehe schrittweise ein Quartier mit breiterem Angebot. Neben zusätzlichen Wohnungen sind unter anderem eine Kindertagesstätte und eine Quartiersgarage entstanden. Ein weiteres Vorhaben, ein Ärztehaus mit Apotheke, wird einen Steinwurf weit weg ebenfalls an der Eugen-Bolz-Straße errichtet.

Böblingen zündet die Wohnraumoffensive

Auch der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz verweist auf den wachsenden Bedarf an unterschiedlichen Wohnformen und vor allem auf die Wohnraumoffensive, die der Gemeinderat gestartet hat. Projekte wie diese Mikroapartments seien ein Baustein, um darauf zu reagieren: „Wir müssen Böblingen auch als Hochschulstandort denken“, sagte Belz. 500 Studierende gebe es in Böblingen, die ebenso auf den Wohnungsmarkt drängten.

Wie bei den Bauprojekten der BBG üblich, füllten Belz und Ganske eine Zeitkapsel, die sie anschließend in den Grundstein einmauerten: Darin eines der wertvollsten Produkte der Stadt Böblingen, eine Ausgabe unserer Zeitung sowie die Baupläne des Gebäudes auf einem USB-Stick. Zu guter Letzt pflegte Rainer Ganske eine Sitte, die es schon seit Kaiser Augustus’ Zeiten gab. Er fügte ein paar Münzen aus seinem Geldbeutel hinzu, die noch gut lesbar sein werden, wenn der USB-Stick Schrott und unsere Zeitung vergilbt sein werden.

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