Wohnstätten Sindelfingen Ein Kraftakt für die Traube

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Das städtische Bauunternehmen Wohnstätten hat 600 neue Wohneinheiten in Vorbereitung – und ein weiteres, aufwendiges Projekt in der Altstadt.

Noch in Betrieb: die Traube in der Sindelfinger Altstadt Foto: factum/Archiv
Noch in Betrieb: die Traube in der Sindelfinger Altstadt Foto: factum/Archiv

Böblingen - Die Traube „ist ein kleines statistisches Wunder“, sagt Georgios Tsomidis durchaus bewundernd. Untersuchungen haben ergeben, dass das rund 500 Jahre alte Haus quasi nur auf drei Beinen steht, statt auf den üblichen vier Eckpfeilern. Den Nord-Ost-Giebel gibt es nicht mehr. Die Restaurierung des Gebäudes bezeichnet der Geschäftsführer des städtischen Bauunternehmens Wohnstätten Sindelfingen dagegen eher schlicht als „einen Kraftakt“. Im nächsten Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen, die Kosten dafür stehen noch nicht fest. Ein Architektenwettbewerb soll Klarheit bringen über das weitere Vorgehen. Es besteht jedenfalls keine Einsturzgefahr: Andreas Ankele betreibt dort weiterhin seine Punkkneipe.

„Es ist einiges am Laufen“, sagt Georgios Tsomidis über das Programm der Wohnstätten. Laut dem Geschäftsführer befinden sich derzeit 600 Wohneinheiten in Planung. Vor den Sommerferien sind im Stadtteil Maichingen in der Straße Scheuerwiesen 32 Wohnungen ihrer Bestimmung übergeben worden. In Böblingen-Dagersheim erstellt die städtische Firma derzeit auf drei Baufeldern 88 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen für rund 20 Millionen Euro. Noch einmal 30 Millionen Euro mehr werden im neuen Sindelfinger Wohngebiet Allendäcker II investiert: Dort bauen die Wohnstätten 180 Wohneinheiten, wenn die Erschließungsarbeiten abgeschlossen sind.

Die Baukosten lassen sich nicht vorhersagen

Relativ unwirtschaftlich ist dagegen das Engagement des Unternehmens in der Altstadt. Die Traube ist das dritte Projekt dieser Art in der Langen Straße: Die Häuser mit den Nummern 17 und 25 sind bereits von den Wohnstätten instand gesetzt worden. „Wir verfügen jetzt über viel Erfahrung“, sagt Georgios Tsomidis. Im Gebäude Lange Straße 25 befinden sich Wohnungen und das Lokal „Drei Mohren“. Die Nummer 17, das ehemalige Hagdorn-Haus, „war auch in einem miserablen Zustand“, sagt der Geschäftsführer. Mittlerweile sind auch die drei Wohnungen darin bezogen.

Eine Erfahrung mit den Altbauten lautet, dass sich die Baukosten niemals vorhersagen lassen. Das Gutachten hat zwar ergeben, dass das Gebäude, das im Jahr 1460 erstellt wurde, erhalten werden kann, aber rund die Hälfte aller Holzbalken sind morsch und müssen ausgetauscht werden. Bei dem jahrhundertealten Gasthaus handelt es sich laut Georgios Tsomidis um das bisher anspruchsvollste Projekt des Unternehmens in der Altstadt. „Es ist einfacher, ein 30-Familien-Haus zu bauen.“

Vereinbarung mit Ankele

Im Fall der Traube war eine Zeit lang sogar deren Abriss im Gespräch. Bei den Wohnstätten wurde auch befürchtet, dass ein Austausch aller Balken zum Verlust des Denkmalschutzstatus’ führen könnte, berichtet Georgios Tsomidis. Die Behörde versicherte jedoch, dass der erhalten bleibt. Nach dem Gutachten hat das Unternehmen einen Wettbewerb in Form einer Mehrfachbeauftragung initiiert: Dazu sind Architekten aufgerufen, die auf solche Restaurierungen spezialisiert sind. Mit Konzepten für die Sanierung und die künftige Nutzung aus dem Wettbewerb rechnet Georgios Tsomidis frühestens Ende des Jahres oder Anfang 2019. „Im Erdgeschoss werden wir weiterhin eine gastronomische Nutzung haben“, erläutert der Geschäftsführer die Vorgaben, „darüber hinaus sind alle Möglichkeiten offen.“

Mit Andreas Ankele haben die Wohnstätten derweil eine Vereinbarung getroffen: Er darf seine Punkkneipe so lange weiter betreiben, bis die Bauarbeiten beginnen. Dem Wirt wird rechtzeitig Bescheid gesagt, wann er den Betrieb räumen und sich ein neues Domizil suchen muss.




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