Wohntrends im Winter Unter schönen Decken kuscheln

Mit Plaids, Kissen und Wolldecken lässt es aufs Schönste der Kälte trotzen, hier eine Decke von Klaus Haapaniemi aus Finnland. Weitere Wolldecken und wärmende Teppiche finden sich in der Bildergalerie. Foto: Hersteller/Klaus Haapaniemi

Wer im Herbst nicht schon die Heizung anwerfen, aber auch nicht frieren will, hüllt sich in wollige Decken, läuft auf dicken Teppichen. Das sind die Wohntrends.

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Es mag Trotz im Spiel sein, aber an winterlich kalten Frühherbsttagen die Heizung anstellen? Das fällt schon deshalb aus, um dem russischen Gaslieferanten eins auszuwischen. Weil Frieren aber auch keine Option ist, empfehlen sich für ein wohliges Daheimsein körperwärmende Dinge.

 

Teppiche zum Beispiel. Die sind überdies wieder in Mode; vorbei die Zeit, in der alte Perser und Flokatis entsorgt wurden und stilbewusste Menschen sich auf blanken Dielen- oder Fliesenböden bewegten.

Abwaschbare Teppiche

Wer im Erdgeschoss wohnt und nicht schon im Treppenhaus den Straßendreck von den Schuhen loswird, findet sogar aparte, abwaschbare Modelle aus recycelbarem Kunststoff. Firmen wie Teppana und Object Carpet aus Deutschland, Scandi Living aus Schweden, das Familienunternehmen Brita Sweden und Pappelina (die ihre Teppiche in ihrer lokalen Weberei in Leksand, Dalarna, herstellen) produzieren knallig gelbe, himmelblaue gestreifte, rot gepunktete Teppiche oder welche mit Wellen- oder Zickzackmuster.

Auch worauf der Mensch umhergeht, soll inzwischen ökologisch und sozial nachhaltig sein. „Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz beschäftigen weltweit immer mehr Menschen“, sagt die Saskia Krolop, Sprecherin der internationalen Teppichmesse Domotex: „Im Bereich der handgeknüpften Teppiche kommen natürliche Fasern wie Schurwolle seither zum Einsatz. Aber auch maschinell gefertigte Teppiche aus Naturgarnen und anderen nachhaltigen Materialien erfreuen sich einer wachsenden Nachfrage. Dazu gehören umweltfreundliche Garne aus Brennnesselfaser, Viskose und recycelten Plastikflaschen.“

Sinnvoll ist es auch, auf die Labels „Goodweave International“ oder „Step“ zu achten, die unter anderem dafür stehen, dass die Teppiche nicht durch Kinderarbeit entstanden sind. „Step“ findet sich als Signet beispielsweise unter den feinen Teppichwaren von Reuber Henning, auch unter dem Teppich „Rib“ in leuchtendem Blau und Pink von dem gefragten, aus Karlsruhe stammenden und in Hamburg arbeitenden Duo Marcel Besau und Eva Marguerre.

Wohin man schaut, häufig sieht man bei Teppichen auch gestreifte Waren, etwa auch bei den Teppichen von Hay aus Dänemark. Die Teppiche werden immer opulenter und auffälliger. Saskia Krolop: „Der Trend 2022 geht klar zu großen Größen. Teppiche sollen das Einrichtungskonzept und Raumgefühl maßgeblich mitbestimmen – egal, ob als farbliches Highlight, sensorisches Erlebnis zur Maximierung der Gemütlichkeit oder Abgrenzung verschiedener Wohnflächen.“

Noch besser, wenn – Stichwort Inflation – Teppiche auch noch wertbeständig sind. Bekannte Hersteller, die zum Teil die guten alten Perser neu interpretieren, sind Jan Kath, Nani Marquina, Ashtari. Die Belgier haben 2021 wieder einmal den Carpet Design Award gewonnen und arbeiten mit Gestaltern wie dem Modedesigner Christian Wijnants zusammen.

Stilvoll der Kälte trotzt es sich auch mit Plaids, die man übers Knie legt oder unter denen man sich gleich komplett bis unter die Nase versteckt. Im Sommer lassen sie sich zur Deko übers Sofa werfen. Hohen Wiedererkennungswert haben Exemplare wie die mit den berühmten Karomustern von Burberry oder Zickzackmuster von Missoni.

Decken mit Midcentury-Stil

Design-Connaisseure drapieren die „Dot“ von Charles und Ray Eames betont nachlässig auf dem Daybed, die Decke ist 1947 im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Museum of Modern Art, New York entstanden. Sie passt hervorragend zu Möbeln im Midcentury-Stil.

Manche sind des Retrotrends überdrüssig, schätzen eher Verspieltes aus dem Hier und Heute. Von dem gefeierten Designer und Spanier Jaime Hayon stammt eine Illustration, die der dänische Hersteller Fritz Hansen jetzt zu einer Decke – mit Glitzerfäden – verarbeitet hat.

Ohne berühmte Namen, doch qualitativ hochwertig sind Wollwaren wie die von der Firma Eagle, die 1883 von Franz Adler gegründet wurde, erst „Franz Barth Wollwaren-Weberei“ hieß, dann „Adler Fabrikate“ und heute in der englischen Übersetzung als Eagle Products Textil international leichter zu vermarkten ist. Immer noch ist es ein Familienunternehmen, das Decken aus Cashmere, Merino und Mohair in Hof in Bayern fertigt.

Besonders schön sind auch Modelle aus Europas Norden, wo man sich mit Kälte besonders gut auskennt. Allergiker und konsequent vegan lebende Menschen werden mit dem schlichten schwarz-weißen Plaid „Iskildra“ aus recyceltem Polyacryl und Polyester von der schwedischen Firma Ikea glücklich.

Von Schäfereien aus der Region um Røros, wo die Decken gewebt werden, stammt hingegen die Wolle für die farbenfrohen Decken von Røros Tweed in Norwegen. Eine Firma mit Sozialtradition: Der Industrielle Peder Hiort, der im 18. Jahrhundert lebte, hatte testamentarisch verfügt, dass sein Vermögen für den Ankauf von Wolle genutzt werde, damit die Bedürftigen der norwegischen Stadt Røros damit in Heimarbeit Textilien weben konnten – die sie zum Teil als milde Gaben hinterher wieder geschenkt bekamen.

Die Hiort-Stiftung ist auf technischen Fortschritt ebenso wie auf Ökologie bedacht, die Wolle wird nicht chemisch behandelt. Diese Decken sind ebenso dick wie weich, aber nicht schwer. Das trifft auch auf die Plaids des Designers Klaus Haapaniemi aus Finnland zu. Seine „Bee“ ist aus Lammwolle, wird in Litauen hergestellt und ist mit einem ornamentalen Muster verziert.

Wer unter solchen Decken steckt und dazu einen Kaffeebecher im 70er-Jahre-Stil von HK Living oder eine Teetasse in sanft warm getönten Terrakottafarben von Marimekko zum Wärmen in Händen hält, verspürt vorerst keine Sehnsucht mehr nach tropischen Temperaturen.

Info

Blickfang Designmesse Stuttgart
Die Blickfang-Designmesse (blickfang.com) findet am 7. Oktober von 14 bis 20 Uhr, am 8. Oktober von 11 bis 19 Uhr, am 9. Oktober von 11 bis 18 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle statt. Der Fokus liegt auf Mode und Kulinarik, zudem gibt’s Wohnaccessoires wie Wolldecken, Plaids, Teppiche.

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